Stockholm Syndrome

Holy Happy Hour

( English translation by Google Translation by Google )

CD-Review

Reviewdatum: 26.05.2004
Jahr: 2004

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Redakteur(e):

Ralf Stierlen


Stockholm Syndrome
Holy Happy Hour, UlfTone Music, 2004
Jerry Joseph Vocals, Guitar
Dave Schools Bass, Vocals
Danny Dziuk Keyboards
Eric McFadden Guitar, Vocals
Wally Ingram Drums, Percussion
Produziert von: Dave Schools Länge: 62 Min 18 Sek Medium: CD
1. Counter-clock world7. American fork
2. Empire one8. Bouncing very well
3. One in my hand9. Couldn't get it right
4. Tight10. Princess cruise
5. White dirt11. Sack full of hearts
6. Purple hearts12. The shining path

Bei lang andauernden Geiselnahmen vergangener Jahre ist wiederholt das so genannte Stockholm-Syndrom beobachtet worden. Für Außenstehende auf den ersten Blick unverständlich, entwickeln die Opfer in der lebensbedrohlichen, als ausweglos empfundenen Situation Sympathie für die Täter oder solidarisieren sich sogar mit deren Zielen. Das Phänomen ging 1973 nach einem Banküberfall in der schwedischen Hauptstadt in die wissenschaftliche Literatur ein, als sich dort ein freundschaftliches Verhältnis zwischen Geiselnehmern und Opfern entwickelt hatte.
Bei dem auch bei den Tätern zu beobachtenden Syndrom handelt es sich um einen unterbewussten psychologischen Schutzmechanismus. Vor dem Gefühl, ausgeliefert zu sein, schützen sich die Betroffenen seelisch dadurch, dass sie sich mit ihren Peinigern identifizieren. Diese Bindung kann auch nach dem Ende der Gefahr weiter bestehen. In Extremfällen stellen sich die Geiseln bei ihrer Befreiung sogar vor ihre Entführer und sehen die Polizei als Bedrohung an.

Es ist mir nicht bekannt, warum Dave Schools und Jerry Joseph für ihre neu gegründete Band diesen Namen gewählt haben. Zwar fühlt man sich von der Musik durchaus gefangengenommen und hegt sehr große Sympathien - allerdings würde ich die Herren Joseph, Schools, Dziuk, McFadden und Ingram weder als Peiniger sehen, noch besteht die Notwendigkeit einer psychologischen Behandlung nach dem Hören.
Tatsächlich ist dies die launigste, kompetenteste und leichtfüssigste Verbeugung vor den rockmusikalischen Idealen der Siebziger Jahre die ich seit langem gehört habe. Ganz offensichtlich hat sich die entspannte Atmosphäre von Nassau auf den Bahamas, wo das Werk aufgenommen wurde, nachhaltig positiv bemerkbar gemacht, denn die Scheibe zaubert ein Grinsen auf das Gesicht des Zuhörers, das gar nicht mehr verschwinden will.
Vom einzigartigen Dave Schools kongenial produziert, der mit seinem Bass, sonst bei WIDESPREAD PANIC oder GOV'T MULE, alles zusammenhält und abfedert, schillern hier die Songperlen aus den Bereichen Jam Rock, Americana, Southern, Calypso und Roots Rock in einem verschwenderischen Übermass.

Jerry Joseph zeigt sich kompositorisch und auch mit Stimme und Gitarre als voll auf der Höhe seines Schaffens, als kreativ und vielseitig, was auch für den Keyboarder Danny Dziuk gilt. Denn wer kann schon von sich behaupten, auf den Werken von STOPPOK, Albert Mangelsdorff, Chuck Berry und einem gewissen Lemmy Killmister die Tasten bedient zu haben. Sein am besten als sophisticated zu nennendes Spiel bereichert die Songs immer mit den entsprechenden Klangfarben, von luftig groovend bis zum satten Rock.
Eric McFadden, bekannt von George Clinton, sorgt für funkige Momente, weiß aber auch ein zünftiges Gitarrenbrett zu spielen und Wally Ingram ist ohnehin eine lebende Perkussionlegende.
Doch auch für diese Einzelkönner gilt: Nur gemeinsam sind wir stark und wunderbar fügt sich hier alles zusammen, wie es sein soll. Das lässig groovende Counter-clock world klingt, wie LITTLE FEAT heute gerne klingen würde. Empire one ist smoother Jam-Rock und weckt Assoziationen an STEELY DAN, nur ohne deren oftmals steril und kalt wirkende Technizität. Der herzerwärmenden Ballade One in my hand folgt mit Tight ein gestandener Roots Rocker.
In White dirt kommen wieder die Qualitäten Josephs als Songwriter zur Geltung, während Purple hearts die Atmosphäre einer schummerigen Jazzbar heraufbeschwört.
Der vielleicht stärkste Song unter vielen starken, American fork, kommt als dramatische Rocknummer mit Jam- und Southernspuren daher, während Bouncing very well entspanntes Karibik-Feeling verbreitet.
Der Klassiker der CLIMAX BLUES BAND, Couldn't get it right, ist ein wahrer Monster-Groove-Rocker, während Princess cruise ein bißchen Rock'n'Roll zitiert.
Dem geschmeidigen Calypso-Reggae Sack full of hearts folgt zum Abschluss mit The shining path ein intensives Stück Roots Rock.

Eine Ausnahmeplatte von Ausnahmekönnern, die sich als Band gesucht und gefunden haben.
Hoffentlich bleibt STOCKHOLM SYNDROME nicht ein kurzfristiges Projekt sondern (wie dies auch geplant ist) etabliert sich als neuer Stern am Jam-Rock-Himmel.

Ralf Stierlen, 26.05.2004

 

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