Stratovarius

Elysium


CD-Review

Reviewdatum: 28.01.2011
Jahr: 2011
Stil: Power Metal

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Redakteur(e):

Marc Langels


Stratovarius
Elysium, Edel, 2011
Timo KotipeltoGesang
Matias KupiainenGitarre
Lauri PorraBass
Jens JohanssonKeyboards
Jörg MichaelSchlagzeug
Produziert von: Matias Kupiainen Länge: 56 Min 34 Sek Medium: CD
01. Darkest Hours06. Lifetime In A Moment
02. Under Flaming Skies07. Move The Mountain
03. Infernal Maze08. Event Horizon
04. Fairness Justified09. Elysium
05. The Game Never Ends

STRATOVARIUS gehören sicherlich seit ihrer Gründung in den Olymp des Power Metals europäischer Prägung und könnten sich dabei sogar Hoffnungen auf den Thron von Göttevater Zeus machen. Aber dann gab es Risse im Bandgefüge und Haupt-Songwriter Timo Tolkki verließ die Gruppe. Nicht wenige prophezeiten damit den Untergang von STRATOVARIUS, aber Timo Kotipelto, Jens Johansson, Jörg Michael und Lauri Porra hatten andere Pläne. Sie verpflichteten den äußerst talentierten Matias Kupiainen und legten mit “Polaris“ ein fulminantes Comeback-Album hin. Nun müssen sie mit dem Nachfolger “Elysium“ beweisen, dass der erste Erfolg kein Zufall war.

Eine kleine Begriffserklärung noch, bevor es um die Musik geht: das Elysium entstammt der griechischen Mythologie und bezeichnet einen Ort, in den antike Helden, die Außerordentliches geleistet haben, entrückt werden, ohne dass sie den Tod erleiden. Als Synonyme werden umgangssprachlich auch der Ort der Seligen oder die Insel der Seligen am Westrand des Erdkreises aufgeführt. Nun stellen sich angesichts des Titels natürlich einige Fragen wie etwa, haben STRATOVARIUS schon etwas so Außerordentliches geleistet, dass sie ins Elysium einziehen dürfen? Oder ist dieses Album ihre Eintrittskarte? Wollen sich STRATOVARIUS überhaupt schon zurückziehen?

Fragen über Fragen, aber die Fans von Timo Kotipelto und Co. dürfen beruhigt sein, ästherisch-entrückt klingt die Musik auf “Elysium“ nicht, sondern sehr vertraut STRATOVARIUS-mäßig. Aber das weiß man als geneigter STRATO-Hörer schon seit der EP “Darkest Hours“. Es sind eher kleine Veränderungen, die die Band seit dem Ausstieg von Tolkki und dem Einstieg von Kupiainen vorgenommen hat. So erreicht der Pomp-Faktor bei einigen Stücken fast schon NIGHTWISH-mäßige Züge (als Beispiele sei der Opener Darkest Hours oder Infernal Maze genannt). Auf der anderen Seite werden aber auch fast schon progressive Elemente in den Band-Sound integriert. Diese nehmen aber zum Glück nicht Überhand, so dass hier immer noch ein typisches STRATOVARIUS-Album vorliegt.

Besonders auffällig ist dabei aber, dass die Band heute abwechslungsreicher klingt, es gibt nicht mehr nur Power-Metal, sondern auch viele etwas ruhigere oder langsamer gehaltene Songs. Dabei sind die Stücke wie immer hymnenhafter Natur, gekrönt von der wie immer exzellenten Leistung Kotipeltos, der scheinbar Ohrwurmmelodien am Fließband produzieren kann. Einschränkend muss man darauf hinweisen, dass einzelne Songs (Move The Mountain, Event Horizon) das hohe Niveau nicht ganz halten können und eher etwas unauffällig dahinplätschern und der Platte ihren Drive nehmen. Aber wer denn auch Songs wie etwa Darkest Hours, Lifetime In A Moment. The Game Never Ends oder das phänomenale 18-minütige Titelstück (mit einigen spektakulären Solo-Duellen) vorzuweisen hat, hat zumindest immer noch eine starke Platte in der Hand.

Großartig neu erfinden sich STRATOVARIUS auch auf ihrem zweiten Werk mit Kupiainen an der Gitarre also nicht, aber es ist auch beruhigend, dass sie keinen Leistungsabfall verzeichnen müssen, schließlich war Tolkki ihr Hauptsongwriter gewesen. Aber „der Neue“ macht sich nicht nur an den sechs Saiten erstaunlich gut (einige Soli sind schlicht sensationell), sondern liefert auch genügend klasse Riffs, um STRATOVARIUS weiterhin im Olymp der europäischen Power Metaller zu halten. Und das immerhin schon zum zweiten Mal innerhalb von nur zwei Jahren. Nur zur Ruhe setzen sollten sich das finnisch-schwedisch-deutsche Konglomerat noch nicht. Sie haben schon noch einige Zeit, bis sie ins Elysium gerufen werden.

Marc Langels, 26.01.2011

 

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