Runrig

Great Big Sea

Stuttgart, Liederhalle, 19.06.2001

( English translation by Google Translation by Google )

Konzertbericht

Reviewdatum: 19.06.2001

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Redakteur(e):

Martin Schneider


Stuttgart, Liederhalle, 19.06.2001

Was hat acht Füße und kommt aus Neufundland?
Zwei Neufundländer?
Entweder das - oder GREAT BIG SEA. Die Kanadier waren als Support von RUNRIG erstmals in Deutschland auf Tour und werden diese Gastspielreise wohl in sehr guter Erinnerung behalten. Das Publikum feierte die Band ab, als wäre schon der Headliner auf der Bühne. Zugegeben, schlecht waren GREAT BIG SEA wirklich nicht, und RUNRIG hatten auch schon wirklich schwächere Support-Acts engagiert, aber deswegen gleich so hysterisch ausflippen? Also ich weiß nicht...
Für meinen Geschmack gehören GREAT BIG SEA in einen Singing Pub und dort hätten sie mich vielleicht auch zu vergleichbar enthusiastischen Reaktionen animiert.
Um allerdings auf einer großen Bühne bei einem Rockkonzert vollkommen zu überzeugen fehlten der Band zwei entscheidende Dinge: Ein Schlagzeuger und ein Gitarrist, der etwas Dampf macht. Für eine Band mit rein akustischen Instrumenten lösten GREAT BIG SEA ihre Aufgabe zwar ansprechend, aber das war es dann auch schon. Das vielseitige Repertoire aus folkrockigen Eigenkompositionen, Traditionals, Shanties und When I'm up I can't go down von OYSTERBAND schrie gerade zu nach etwas Strom!

Ich habe aufgehört zu zählen, wie oft ich RUNRIG mittlerweile live gesehen habe. Was ich nie kapieren werde ist warum die Band live solchen gravierenden Leistungsschwankungen unterliegt.
Ich habe von den Schotten schon Weltklassekonzerte erlebt, aber auch Auftritte bei denen man nach 10 Minuten besser nach Hause gegangen wäre um sich böse Enttäuschungen zu ersparen.
Zugegeben, ich bin bei dieser Band nicht mehr objektiv und überkritisch, was jedoch nur daran liegt, dass ich schon mehrfach erlebt habe, wozu diese Band auf der Bühne in der Lage ist. Um so enttäuschender ist es dann, wenn RUNRIG dann wieder einmal nur eine mittelprächtige Show abliefern.

Stuttgart 2001 eröffnete jetzt eine völlig neue Dimension, die ich mal flapsig als Zwischenfall bezeichnen möchte, denn jetzt hat es die Band offensichtlich drauf, sogar innerhalb eines Auftritts zwischen genial und nur ganz passabel hin und her zu pendeln.
Erfreulich zu sehen, wie sich Bruce Guthro seit seinen ersten Auftritten mit RUNRIG weiterentwickelt hat. Der Kanadier aus Nova Scotia hat sich als Frontman etabliert. Diese Rolle interpretiert er völlig anders als Donnie Munro und man muss sich erst einmal daran gewöhnen, dass RUNRIG nun einen Mann am Bühnenrand haben, der ein Konzert auch als Show versteht und nicht nur Wert darauf legt musikalisch zu überzeugen.
Dies bekommt der optischen Präsentation der Band sehr gut, da Bruce Guthro auch immer wieder die anderen Musiker, allen voran Rory Macdonald in sein Stageacting mit einbezieht. Dadurch herrscht zumindest etwas mehr Bewegung auf der Bühne.
Auch an Guthros Qualitäten als Sänger bestanden für mich nie Zweifel. Ich möchte sogar so weit gehen und behaupten, dass er rein was seine Gesangstechnik, seinen Stimmumfang und Einbindung des Publikums in die Show angeht, seinem unvergessenen Vorgänger klar überlegen ist.
Eins lässt sich für mich persönlich aber nicht wegdiskutieren: Die Songs der Guthro-Ära funktionieren live von einer handvoll Ausnahmen abgesehen überhaupt nicht. Selbst Stücke die auf CD vollkommen überzeugen, wie Wall of China oder A dh'inse na firinn geraten live zu Langweilern ersten Grades.
Obwohl das Potential vorhanden wäre springt bei diesen Stücken der Funke einfach nicht über. Die Band spielt sie, ich höre sie, aber die Magie die RUNRIG so einzigartig macht will nicht aufkommen.

Ein Book of golden stories zerstört die Band bewusst durch Sounds von der Festplatte, was an schlimmste Auswüchse auf der Long distance Tour erinnert. Leute, das ist ein Livekonzert! Ich will Rock 'n' Roll, Schweiß, Emotionen und ehrliche Handarbeit und keine vorgefertigten Computersounds hören. Zumindest nicht bei RUNRIG!

Dann gibt es noch Stücke, die sind einfach von Natur aus grottenschlecht, wie zum Beispiel The message.
The engine room ist eine der wenigen erwähnenswerten Ausnahmen, auch wenn die Nummer nicht so druckvoll wie auf dem aktuellen Album rüber kommt. Der introvertierte Gitarrist Malcolm Johnes deutet bei diesem harten Instrumentalstück an, dass irgendwo in ihm verborgen doch die Rock 'n' Roll-Wutz schlummert. Mensch, Malcolm, lass sie raus! Öfter und intensiver.
Auch bei The stamping ground lässt die Band nichts anbrennen. Wenn der Song nicht zum Klassiker wird, dann weiß ich auch nicht. Da ist alles drin, was RUNRIG als Band ausmacht. Starke keltische Einflüsse, Emotionen und im Schlussdrittel geht die Nummer richtig gut ab. Klasse!

Außer Maymorning sind es fast nur noch die altbekannten Klassiker im Programm, die wirklich überzeugen und begeistern. Herausragend die akustische Folkrunde bestehend aus der Gänsehautballade Dust, Pride of summer und - hoppla, doch noch eine zündende neue Nummer - An sabhal aig Neill.

Skye und Cnoc na feille sind für mich die Höhepunkte der Show und hier knüpft die Band durchaus an vergangene Großtaten an.

Insgesamt ist das aber, gemessen an den Möglichkeiten der Band, viel zu wenig. Eine lustlose Version von Loch Lomond unterstreicht die Durchschnittlichkeit der Band an diesem Abend.
Leute, wenn ihr keinen Bock mehr habt, die Nummer zu spielen, dann laßt es doch einfach. Das wäre im ersten Moment zwar bedauerlich, aber so halbgar bringt es das Stück auch nicht.

Going home als der finale Rausschmeisser ist zwar gut gemeint, aber zumindest für mein Verständnis geht der Schuss nach hinten los. Seit Stirling 96 ist dieses Stück für mich einfach so eng mit Donnie Munro verbunden, dass es wie ein Sakrileg anmutet, wenn Bruce Guthro diesen Titel singt.
Schwachsinn? Mag sein, aber so empfinde ich einfach.

RUNRIG und ihre Musik sind ohnehin ein Phänomen, da sich, für mich, bei keiner anderen Band so viel auf rein emotionaler Ebene abspielt. An dem Abend hat die Band mich zu selten berührt. Der Publikumsresonanz nach war das bei der überwiegenden Mehrzahl der Besucher anders. Ist auch okay, jeder erlebt ein Konzert auf andere Weise und gerade für jemand der die Band noch nicht so oft gesehen hat war es sicher ein guter Auftritt, aber RUNRIG können das noch sehr viel besser!

Martin Schneider, 20.06.2001

 

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