Thunder

Glyder

Stuttgart, LKA, 25.03.2007


Konzertbericht

Reviewdatum: 25.03.2007

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Redakteur(e):

Epi Schmidt


Stuttgart, LKA-Longhorn, 25.03.2007

Weitaus schöneres Wetter als es unsere Münchner Fraktion am Mittwoch hatte, versüßt uns die 200 km Anreise nach Stuttgart. Dafür verärgert uns die Wegbeschreibung und überhaupt diese Autostadt mit ihren Glas- und Stahlfassaden und fehlenden Hinweisschildern, wenn man welche bräuchte. Besäßen wir nicht einen ausgereiften Spürsinn für die Orte, wo sich außer LKW-Parkplätzen und halbstillgelegten Fabriken nur noch Konzerthallen finden lassen..., wir würden heute noch um Wangen herum kreuzen.
Wohlweislich früh gestartet, betreten wir also doch noch rechtzeitig diesen recht finsteren Ort, der eher nach 'Industrial' und Hardcore aussieht, denn nach britischem Good-Time-Party-Rock. Egal, nach vorne an die Bühne und den Rest hinter uns gelassen.
Glyder Hier wird man auch recht bald - dürfte so ca. halb Neun gewesen sein - von einem jungen, spielfreudigen Vierer namens GLYDER vorgeheizt. Der Sound ist vielleicht noch nicht vom allerbesten, aber hier vor der Bühne klingt's recht gut und reicht aus, um einen die Augen weit zu öffnen und die Ohren zu spitzen. Klar, wenn eine Band aus Irland kommt, zwei interferierende Leadgitarristen hat und der mittig stehende Sänger seinen Bass nahe des Steges mit dem Plektrum bearbeitet, schreit die Rockwelt: LIZZY! Und natürlich sind da durchaus Parallelen vorhanden - klingt eine Passage nicht stark nach Emerald? Aber so ist das nun mal mit zwei entsprechend gespielten Gitarren und mancher wird hier auch die frühen IRON MAIDEN durchklingen hören. Seltenst kommen Anflüge von überflüssiger Griffbrettturnerei auf.
Auf alle Fälle sind die Vier sympathisch, machen richtig guten Rock und sind für mich mit die erfrischendste neue Band seit Jahren. Wenn da nix falsch läuft, werden wir mit denen noch viel Freude haben.

Mit THUNDER ist schon mal was schief gelaufen, aber das war 1999 und seit 2002 läuft da wieder alles richtig. Ein superbes Album nach dem anderen liefern die Engländer, gepuffert mit äußerst unterhaltsamen DVDs und Weihnachts-Konzertmitschnitten. Und wenn gerade mal nicht Weihnachten ist, dann sind sie auf Tour und erfreulicherweise auch jedes Mal in Deutschland präsent. Oder fahr ich heutzutage bloß weiter?
Der größte Teil ihres Krempels steht schon während der Vorband auf der Bühne und so gibt's keine lange Umbaupause. Nachdem es auf dem neuen Album "Robert Johnson's Tombstone" um eben jenen, um dessen Grabsteine und, unvermeidlich, den Teufel geht, laufen über die P.A. auch nur noch Lieder die sich in irgendeiner Weise mit dem Gehörnten beschäftigen: Von Sympathy For The Devil bis Race With The Devil.
Thunder Gegen ¼ nach 9 schreiten THUNDER die geschwungene Treppe zur Bühne herab und schon bricht Loser über uns herein. Sound passt, die Gibson-Gitarren donnern durch Marshall-Amps und Danny Bowes singt bereits jetzt mit einer unglaublichen Power. Der Mann ist der absolute Wahnsinn! Was der aus seinen Lungen holt, scheint geeignet Druckwellen durch den Saal zu schicken. Selbst ohne Verstärkung. Dazu ist er, auch wenn es nicht so aussieht, ein Kraftpaket, das selten stillsteht. Wenn Ben Matthews oder/und Luke Morley die Centerposition für ihre Soli einnehmen, springt er im Hintergrund auf und ab, stopft sich das Mikro pistolenähnlich in die Hosentasche und animiert zum mitklatschen und hat offensichtlich richtig Spaß.
Thunder Das gilt allerdings für die ganze Band und wenn sich erwachsene Männer auf der Bühne so 'albern' benehmen können, macht es mir auch nichts aus, davor sinnentleert rumzuspringen und mitzugrölen. Allerdings: Da schrei ich mir praktisch bei jedem Lied die Seele aus dem Hals und gerade als ich mir während einer kritischen Stelle in Higher Ground eine minimale Pause gönne, passiert es: Danny Bowes hat mich entdeckt und stellt mich vor versammelter Halle zu Rede, warum ich nicht mitsingen würde. Unglaublich! [Allerdings, Herr Schmidt! Was ist denn das für eine Arbeitsauffassung? Das macht uns nachdenklich. Red.] Nach einem kurzen Dialog einigen wir uns auf das Maß meiner Unterstützung und schon geht es wieder in die Vollen. Bei der anschließenden After-Show-Party sprachen wir uns darüber noch mal aus.

Von dem E-Bow, den Luke Morley während der Eröffnungsnummer verwendet, wollte bei seiner Einführung vor schätzungsweise 20 Jahren keiner etwas wissen. Heute ist es Kult. So geht's. Die Setlist unterscheidet sich von der in München während des regulären Teils kein bisschen, macht also mindestens ebensoviel Spaß.
Thunder Spaß macht es auch Herrn Bowes, wenn die Halle nahezu geschlossen - inklusive mir! - Zeilen in Low Life In High Places übernimmt und dabei fast perfekt klingt. Das lässt auch den Sangesmeister anerkennend lächeln. Vom gleichen Album stammt dessen Titelsong Laughing On Judgement Day, der neuen Schwung in die Show bringt und wieder was zum abrocken bietet. Da schmeißt uns Luke mit Killer-Riffs zu und Drummer Harry James sorgt dafür, dass kein Fuß lange an einer Stelle verweilt. Zum Dank springt Danny zeitweilig hinter ihm aufs Drum-Podest und wienert ihm mit einem Handtuch die Glatze, bzw. schnappt sich ein paar Drumsticks und unterstützt noch zusätzlich dessen Rhythmusarbeit. Leider steht das Schlagzeug etwas im Dunklen, sodass nur die Aufmerksamsten etwas davon mitbekommen.
Thunder Der alte Reißer Gimme Some Lovin' verfehlt auch hier seine Wirkung nicht, und wer bis jetzt noch einen Rest an Zurückhaltung hatte, schmeißt ihn zusammen mit den von Danny dirigierten "Hey"-Rufen hinter sich. Hier, wie bei einigen weiteren Nummern, pendelt Ben Matthews routiniert zwischen Orgel und seiner E-Gitarre. Auf der anderen Seite bekommt Luke öfter die auf einen Ständer gespannte Akustikgitarre herangeschoben, damit Intros wie das zu Robert Johnson's Tombstone auch den Alben entsprechend kommen. Letzteres entwickelt sich zum Schluss hin zu einer ausgelassenen Honky-Tonk-Nummer, zu der Luke eine wilde Harp-Attacke a la Baba O Riley beisteuert.
Nahezu andächtig lauscht man dann der wundervollen Ballade A Million Faces. Ich hätte diesen Song gar nicht für so 'konzerttauglich' gehalten, aber er verfehlt seine Wirkung nicht.
Partytime dann wieder - trotz des Titels - mit River Of Pain, das die perfekte Rampe für das folgende The Devil Made Me Do It liefert. Die Nummer rockt auf der CD und hier natürlich noch heftiger. Klasse!
Und weiter geht's: Fade Into The Sun, oder meinetwegen verglühen wir auch in den Scheinwerfern über der Bühne. Am vorderen Bühnenrand brennt jedenfalls die Luft und hinten drischt Danny mit auf die Becken des Schlagzeugs.
Love Walked In bietet kaum Erholung, erneut ist lautstarkes Mitsingen gefragt und das steigert sich in I Love You More Than Rock'n'Roll noch ein paar Level.

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Die Zugabe mit einem Song zu beginnen, der nur auf Single bzw. als Japan-Bonus-Track erhältlich ist erscheint gewagt, aber The Girl Is Alright hat soviel ansteckende Power - vom Stile Everybody Wants Her - in sich, dass man nicht lange fragt und einfach mitrockt. Und weil wir so fein gesungen haben, bekommen wir doch noch ein zusätzliches Zuckerl: A Better Man wurde in München nicht gespielt und hier kommt auch noch extra - viel umjubelt - Drummer Harry James nach vorne um die Akustikgitarren-Parts zu spielen, was natürlich für zunehmende Ausgelassenheit auf der Bühne sorgt. Zum Schluss hocken sich Luke, Chris, Danny und Ben aufs Drum-Podest und lassen Harry allein am Mikro zurück. Der kaspert zwar noch ein bisschen herum, beendet den Song schließlich aber doch würdig. Und mitgesungen wurde auch wieder aufs ordentlichste. OT Danny: "Like angels!".
Dafür geben wir nochmals alles bei Can't Keep A Good Man Down und Zeremonienmeister Bowes fordert auch nichts weniger: "Clap your hands!", "Jump up and down!", "Wave your arms!", "Screeeaaam!!!!"

Es werden kaum mehr als 90 Minuten gewesen sein, die aber ohne eine Sekunde, die nicht purste 1a-Unterhaltung gewesen wäre. Ein weiteres Mal haben THUNDER völlig überzeugt und mein Versprechen, beim nächsten Mal noch lauter mitzusingen, werd ich wohl einlösen, denn ich werde sicher wieder dabei sein, wenn diese Typen nach Deutschland kommen. Solltet ihr auch!

Epi Schmidt, 26.03.2007

 

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