Knorkator

Stuttgart, Röhre, 18.01.2006

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Konzertbericht

Reviewdatum: 18.01.2006

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Redakteur(e):

Martin Schneider


Stuttgart, Röhre, 18.01.2006
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Stuttgart, Mittwochabend, Temperaturen um den Gefrierpunkt, fieser Eisregen, aber die Frisur sitzt. Bei einer solchen Konstellationen zieht es der gemeine Schwabe (Maultaschaddictus ordinaeris) normalerweise vor, den Abend auf der heimischen Couch zu verbringen. Doch in der Röhre spielt an diesem Abend 'Deutschlands meiste Band der Welt', die etwas andere Boygroup - KNORKATOR.

Diesem Lockruf erliegen erstaunlich viele - für die Röhre, für einen Mittwochabend in Stuttgart bei Schmuddelwetter - und so ist der Club gut gefüllt mit einem knallbunt gemischten Publikum. Vom Grufti bis zum Assl-Punk, vom Metaller bis zum Normalo, KNORKATOR lockt sie alle aus ihrem Häusle oder Löchle, fast wie Robbie Williams oder besser noch: Shakira.

Knorkator Hat da jemand was von 'Mainstream' gemurmelt? Von wegen! Eine Band, die sich selbst keinerlei künstlerischen Grenzen auferlegt findet einfach in vielen Nischen ihr Publikum, und da KNORKATOR durch ihr Auftreten und ihre Musik nach wie vor extrem polarisieren, zerren sie sich für diesen einen Abend einfach ihre treu ergebene Anhängerschaft aus allen Richtungen in die gemeinsame KNORKATOR-Ecke.

Live sind KNORKATOR auch an diesem Abend eine Macht und entfesseln auf der Bühne zwei Stunden lang - wie es der alte Rehakles ausdrücken würde - ein kontrolliertes Chaos. Dabei verkörpert die Band unzählige Tugenden, warum wir Rockmusik lieben und ihr einen nicht unwesentlichen Teil unseres Lebens widmen. Sie sind laut, wild, wüst und gefährlich, anarchisch, rebellisch, kompromisslos oder auch einfach nur schweinegeil.

Stumpen, das wandelnde Fastganzkörpertattoo, springt dem Publikum wie ein Kistenteufel entgegen und predigt in typischer KNORKATOR-Manier das Evangelium der Alltagsweisheiten (Verflucht und zugenäht, Ich will nur fickn, Mich verfolgt meine eigene Scheiße, warum bin ich so Schüchtern). Dabei schält er sich schon nach kurzer Zeit aus seinem Latzhosenkostüm mit Hasenbommel am Steiß, um über den Umweg eines Art Bastrocks schließlich das neuste Stück aus der KNORKATOR-Lingerie-Kollektion mit appartem Aufdruck passend zu Kurz und klein zu präsentieren.
Knorkator Alf Ator prügelt wie ein Berserker auf seine Keyboards, Keyboardatrappen und das Publikum ein. Buzz Dee, lässig, fast schon gelangweilt die Fluppe im Mundwinkel ist seit Keith Richards, oder zumindest Slash, die coolste Sau an der Gitarre. Dazu kommt mit Basser Tim Beam (nicht zu verwechseln mit unserem DEAD FLOWERS Tim Beam) und Schlagzeuer Nick Daniels eine hart arbeitende Rhythmus-Section, die den drei sympathischen Rabauken im wahrsten Sinne des Wortes den Rücken frei hält.
Diese Freiheit ist auch bitter nötig, denn ein KNORKATOR-Auftritt lebt nicht von der Musik allein. Ganz wichtig: die Einbeziehung des Publikums und sei es allein dadurch, dass man es von der Bühne mit moderigem Laub oder passend zu Ma Baker mit Backwaren bombardiert, die prompt in Richtung Band zurück befördert werden und dafür sorgen, dass die Röhre schon bald einem Schlachtfeld gleicht.

KNORKATOR preisen mit Ma belle femme die Vorzüge des kulinarischen Oralverkehrs mit französischem Wein und Käse, geben sich selbstkritisch (Der ultimative Mann) und Tipps zur antiautoritären Nachwuchshege und -pflege (Schmutzfink). Ostalgie pur gibt es bei Geh zu ihr von den PUHDYS und Stumpen erläutert mit beiläufigen und eindeutig zweideutigen Gesten, was man unter '... und lass deinen Drachen steigen' verstehen sollte. Man gibt sich mit Wir werden dem neusten Stück aus der Ohrwurmschmiede prophetisch, droht aber auch unverholen mit Ich lass mich klonen. Es kotzt mich an, Böse, Hardcore... die Setlist lässt für diejenigen, die es hart und heftig wollen und sich ausgiebigem Crowdsurfing hingeben, kaum Wünsche offen. Dagegen hätten sich die Schöngeister sicher über Stimmungstöter wie Aeger sum oder Maj kho djai gefreut.

Knorkator Der Auftritt ist eine einhundertzwanzigminütige Lehrstunde in Sachen Comedy, die uns unmissverständlich vor Augen führt, dass Spaß auch auf einer anderen Ebene wie im Privatfernsehen stattfinden kann. Und weil bei soviel brachialromantisch-derben Humor und harschen High Mud-Liedgut es leicht in Vergessenheit gerät, sei extra noch einmal darauf hingewiesen, was für feine Musikanten KNORKATOR sind und welch versierten Vokalakrobaten sie mit Stumpen in ihren Reihen haben.

KNORKATOR live - das ist eins der letzten großen Abenteuer unserer Zeit und das sollte man sich unter gar keinen Umständen entgehen lassen.

Martin Schneider, 19.01.2006

Mittwoch, 18.01.06, mein erster Arbeitstag nach fast 2 Wochen Urlaub und krankem Hund pflegen. Da es unserem kleinen Dicken wieder wesentlich besser geht, freu ich mich schon auf einen Abend Auszeit in Stuttgart in der Röhre.
Glücklich erobere ich mir einen Barhocker in meiner Lieblingsecke an der Theke mit Blick auf die Bühne. Bei einem Radler warten wir freudig auf KNORKATOR und rätseln solange an den laufenden Musikstücken zu welchem Film sie wohl gehören. Wir erkennen u.a. Flipper, den Killerdefin, Addams Family, Alf und andere.

Knorkator Als die Band dann anfängt, stellt sich heraus, dass der Blick von meinem Barhocker doch durch viele Köpfe vor mir etwas verstellt ist. Stört mich aber nicht weiter, lieber sitzen als alles sehen ;o). (Anm. d. Red.: Very Rock'n'Roll, indeed!
KNORKATOR kommen im Hubschrauber auf die Bühne. Was für ein Auftritt. Und dann geht's los, ein gigantisches Programm, das mich fast vom Hocker reißt. Die Buben sind einfach nur grenzgenial und soviel gelacht hab ich schon lange nicht mehr. Ich bin überwältigt von der Stimme des tätowierten Mannes, ich bin begeistert von der Härte der Band, die aber gleichzeitig - anders als es mir oft bei harten Sachen passiert - nicht die Laune tötet sondern hebt und voll einheizt. Ich bekomme einen leichten Geschmack wie es sein muss, wenn man sich die Nackenmuskeln beim Headbangen zerrt... *g
Knorkator Als die Buben dann anfangen blaue, mit altem vergammeltem Laub gefüllte, Müllsäcke unters Volk zu schütten, bin ich doch wieder froh um meinen Platz in der Ecke.

Sie kündigen noch vier weitere Songs an und verabschieden sich damit. Zuerst möchte ich es gar nicht glauben. Ich will, dass es weitergeht, immer weiter, es ist einfach nur arschgranatenoberaffenhammerschweinefurzmäßig gut, aber die Jungs bleiben konsequent und lassen sich nicht erweichen. Sehr schade.
Als sich die Röhre langsam leert, sieht man die Ausmaße der Schweinerei die die ausgeschütteten Laubsäcke angerichtet haben. Schönes herbstliches Bild.

Doch, dieser Abend war wirklich was besonderes...

hrabnarwen, 20.01.2006

 

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