Fiddler's Green

Mainfelt

Stuttgart-Wangen, LKA, 20.01.2017


Konzertbericht

Reviewdatum: 01.02.2017
Stil: Folk Rock

Links:

Fiddler's Green Homepage

Fiddler's Green @ facebook

Fiddler's Green @ twitter



Redakteur(e):

Martin Schneider


Fiddler's Green, Mainfelt,
Stuttgart-Wangen, LKA, 20.01.2017

Beharrlichkeit und Durchhaltevermögen zahlen sich aus. Seit mehr als einem Vierteljahrhundert beglücken uns FIDDLER'S GREEN mit ihrem Irish Speedfolk und steigen dabei Stück für Stück in der Gunst des Publikums. Jedes Album setzt ein paar Einheiten mehr ab als der Vorgänger, zu jeder Tournee kommen ein paar Leute mehr und inzwischen füllt man als Headliner schon problemlos die größeren Clubs der jeweiligen Städte.

In Stuttgart muss es inzwischen schon das LKA sein und nimmt man das Publikumsinteresse an diesem Abend zum Maßstab darf man sich in spätestens zwei, drei Jahren ernsthaft Gedanken über einen Umzug in die nächstgrößere Hallenkategorie machen.

The Leaving Of Liverpool als Opener garantiert sofort beste Stimmung. Mit einem wohlbekannten Traditional im Speedfolk-Gewand kann man bei den Fans nicht viel falsch machen. Danach stürzen sich die FIDDLER'S mutig und selbstbewusst auf die Stücke des aktuellen Albums "Devil's Dozen" und bestreiten damit den Löwenanteil des Abends.

Das funktioniert erstaunlich gut. Die Fans sind mit den neuen Stücken bestens vertraut, klatschen und singen an den richtigen Stellen mit und feiern sie nach allen Regeln der Kunst ab. Dazu werden immer wieder ältere Songs, die sich im Laufe der letzten Jahre zu Publikumsfavoriten gemausert haben und ihre Livetauglichkeit längst nicht mehr beweisen müssen geschickt eingestreut.

Bottoms Up, Down, das verspielte Mr. Tickle, das getragene Blame It On Me und die neue Bandhymne Perfect Gang sind die heißesten Anwärter, die sich bei zukünftigen Tourneen mit Victor And His Demons, Yindi, The More The Merrier oder The Night Pat Murphy Died um einen Stammplatz im Programm balgen werden.

Ein Luxusproblem für die Speedfolker aus Erlangen. Mittlerweile können sie locker auf Stücke für wenigstens zwei komplette, hochklassige Shows ohne Überschneidungen zurückgreifen. Heute wird wieder deutlich, dass bei FIDDLER'S GREEN aber weniger darauf ankommt, was sie spielen, sondern wie sie es tun.

Die Leidenschaft, mit der die Musiker in ihrem Sound aufgehen ist in jeder Sekunde spürbar. Die Jungs haben tierisch Bock auf das was sie machen und das vermitteln sie auch ihren Fans. Spielfreude ist das Zauberwort. Einfach mal den Alltag vergessen und eine fröhliche, ausgelassene Party feiern, lautet die Botschaft der Sechs. Das wirkt ehrlich, bodenständig und unverkrampft.

Und so sicher, wie das Amen in der Kirche: Live gewinnen FIDDLER'S GREEN immer! Warum? Sie sind einfach die Perfect Gang, die gemeinsam noch stärker ist, als ihre Individuen.

An dem Abend fällt es nicht einmal ins Gewicht, dass J.B.O.-Schlagzeuger Wolfram Kellner - immerhin von 1995 bis 2000 selbst ein Speedfolker - aushelfen muss. Dafür kommt Stuttgart in den Genuss einer ganz speziellen Version von Folk's Not Dead um die Genesung des erkrankten Stammdrummers Frank 'The Tank' Joos zu fördern.

Mit Blarney Roses wird ein zufriedenes Publikum traditionell verabschiedet.

FIDDLER'S GREEN-Fotostrecke

Dass Folk nicht tot zu kriegen ist bestätigt auch der Support-Act der laufenden Tournee. Ob MAINFELT irgendwann einmal auf eine ähnlich treue Gefolgschaft wie FIDDLER'S GREEN bauen kann bleibt abzuwarten, aber die Südtiroler hinterlassen zumindest einen recht ansprechenden Eindruck. Stilistisch orientiert sich das Quartett an Bands wie MUMFORD & SONS oder BAND OF HORSES und pendelt zwischen Folk, Country, Bluegrass, Americana und Blues. Auch wenn noch nicht völlig klar zu sein scheint wohin die Reise letzten Endes gehen soll ist diese bunt schillernde Mischung live durchaus unterhaltsam. Und keine Frage: Ein Song wie All My Ghosts hat einfach Klasse! Warten wir mal ab, was das Album "Backwards Around The Sun" bringen wird.

MAINFELT-Fotostrecke

Martin Schneider, 20.01.2017

 

(C) 2008 - 2019 by Hooked on Music