Subway To Sally

"Wir sind die Erfinder vom Ganzen!"

( English translation by Google Translation by Google )

Interview

Reviewdatum: 29.09.2005

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Redakteur(e):

Jörg Litges (* 1965, ✝ 2015)


Subway To Sally
"Wir sind die Erfinder vom Ganzen!", Interview

Kurz vor dem Auftritt im D?sseldorfer Stahlwerk stand mir Gitarrist und Texter Bodenski Rede und Antwort. Und entlarvte zugleich, dass ich keine Flasche Bier ohne ?ffner aufbekomme. Ja, es ist wahr, ich kann vor einer geschlossenen Pulle Bier verdursten. Aber Ruckzuck hatte Bodenski mir ein Fl?schchen ge?ffnet und nach einem "Schluck zum Wohle" legten wir dann los:

Bodenski

Hooked on Music: Ich habe grade schon Eric getroffen. Lutscht Fischerman's Friend. Stimme?

Bodi: Na, ob das was hilft. Seit Montag isser ein wenig angeschlagen. [Bronchitis hatte er, wie ich sp?ter erfuhr!]

HoM: Wie seid Ihr den mit der Resonanz auf das neue Album "Nord, Nord, Ost" bisher zufrieden?
Bodi: Also, man hat ja jedes Mal ein bisschen Bammel, immer wenn man mit 'ner neuen Platte kommt, und diesmal war es eigentlich so, dass wir uns ganz sicher waren, dass wir da einen guten Griff gemacht haben. Und die Resonanzen sind wirklich sehr, sehr gut. Die sind alle ganz gl?cklich mit dem Album, und der Fanclub hat gesagt "das ist so sch?n", deswegen sind wir alle recht entspannt.

HoM: "Engelskrieger" war ja nicht der typische STS Sound, und ich glaube, Ihr habt damit auch sehr viele Fans vergr?tzt.
Bodi: Hmm.
HoM:Mir gefiel die Scheibe sehr, aber auch auf der "Engelskriegertour" sah ich nicht so viele typische STS Fans.
Bodi: Watt sind typische Subway To Sally Fans?
HoM: Mittelalterlich gewandet und schottenberockt?
Bodi: Ja. [lacht]
HoM: Ich bin grade mit S- und U-Bahn gekommen, man sah sofort, dass die meisten der Fahrg?ste zu Euch wollten.
Bodi: Jaja. [dr?ckt an seiner Iso-Getr?nk Flasche rum um das Zeugs in einen Becher zu bekommen]
HoM: Trotzdem erinnern auch auf dem neuen Album einige Passagen an "Engelskrieger".
Bodi: Ja, klar. Aber guck mal, ist ja auch so dass, sich die Fans manchmal falsche Vorstellungen davon machen. Man setzt sich ja nicht bewusst hin und sagt "jetzt wollen wir mal den Teil der Fanschaft ?berraschen", oder vergr?tzen oder sonst irgendwie. Es ist uns so passiert, das Album. Wir waren in D?nemark die zwei Monate, wir hatten das Material, und haben daran gearbeitet und mit diesen Texten und mit der Musik die dann da war ist das Album halt so geworden. Und das war eine Entscheidung von allen die daran beteiligt waren. Wir hatten das Gef?hl, dass die Songs, eben auch aufgrund der Themen die angesprochen wurden, das nicht so vertragen h?tten. Also da noch Dudels?cke oder so.
HoM: Sind ja auch recht harte Themen, die Ihr da angefasst habt.
Bodi: So 'ne Platte machste aber auch nur einmal. Und die Platte "Nord Nord Ost" steht unter 'nem ganz anderen Stern. Auch wie sie entstanden ist und auch welche Themen angesprochen werden. Die haben wir versucht in Musik umzusetzen und das ist auch ganz gut gelungen. Diese Reise durch die Seele, wenn du das so willst, durch die Gef?hlswelten von Menschen, die kannst du nat?rlich ganz anders musikalisch instrumentieren, und das haben wir dann auch gemacht.

HoM: Wie kam es zu der Zusammenarbeit mit dem Babelsberger Filmorchester? Zufall oder geplant?
Bodi: Nee! Wir haben ja schon immer versucht, mit Frau Schmitt und G?sten so'n etwas opulenteren Streichersound zu zaubern, und wie immer war es so, dass wir in Berlin produziert haben und in verschiedenen Studios waren, ?ber einen langen Zeitraum, und Ingo, praktisch als Hauptproduzent, sich da auch einen Traum erf?llt hat. Sich gesagt hat, mal mit echten Streichern zu arbeiten, als das was wir vorher immer so zusammen gebaut haben, in dem Frau Schmitt mehrere Geigen hintereinander gespielt hat, oder noch ein Cellist was dazu spielt, da haben wir gesagt, schreiben wir mal richtig Partituren und mieten uns halt diese Babelsberger. Die sind ja bei uns am Ort, man kennt die ja, und das sind ja Profis und die Zusammenarbeit war echt super!
HoM: Und wie wollt Ihr das jetzt live umsetzen?
Bodi: Frau Schmitt spielt 3 Geigen gleichzeitig. [diese lacht grade herzhaft, da sie auch seit einiger Zeit im Raum ist.] . nee, da sind dann Samples an den ganz wichtigen Stellen, ansonsten braucht man das live auch nicht so.
HoM: Ansonsten w?re es sicher mal reizvoll, mit einem richtigen Orchester aufzutreten!
Bodi: Kann man nicht bezahlen! Die m?ssen irgendwo schlafen, die m?ssen irgendwas essen, die m?ssen untergebracht sein, also dett jeht echt nich.
HoM: Dann in Babelsberg!
Bodi: Ja, das kann man nur mal einmalig machen, au?erdem machen das jetzt viele.
HoM: CORVUS CORAX.
Bodi: Ja SCHANDMAUL hat ja auch jetzt was mit Orchester.
HoM: Meinst Du, dass es einen Trend in der Mittelalterszene gibt, was einer macht machen alle? Als Ihr h?rter wart, waren es IN EXTREMO und z.B. SALTATIO MORTIS auch. Sind auch in die Richtung Neue Deutsche H?rte gegangen.
Bodi: Neue Deutsche H?rte. Mann, lange nicht mehr geh?rt. ist das wirklich noch ein Thema?
HoM: Ich denke schon! Ich pers?nlich denke weniger in Schubladen, was mir gef?llt das h?re ich. Aber meinst Du, dass es da einen Trend gibt? Wenn einer vor macht, machen die anderen das nach? Mit den letzten Alben sind alle wieder zur?ck zu den Roots.
Bodi: Schwer zu sagen. ich wei? nicht, wie weit wir andere beeinflussen, wir h?ren nicht bewusst die Kollegen und ?berlegen uns wie wir darauf reagieren. Gar nicht!
Wir haben ja doch sehr viel l?nger an dem Album geschraubt als die anderen. Wir haben zweimal verschoben, erst sollte es im Herbst kommen, dann im Fr?hjahr, dann ist es Sp?tsommer geworden. Ich denke mal, es hat immer damit zu tun, dass Bands, wenn sie wirklich anfangen Erfolg zu haben, sich nur noch um Musik k?mmern und unterwegs sind und Festivals spielen, und dass man einfach ein anderes Lebensgef?hl kriegt mit der Zeit. Ist was anderes, wenn du Hobbymusiker bist und nebenbei noch irgendwo im Laden arbeitest, oder so. Das dr?ckt sich in der Musik auch aus. die irgendwann dann h?rter wird. Keine Ahnung. Rock'n'Roll ist kein Lehnstuhl, wei?te!
HoM: Richtig! Ich sah da nur so eine ?hnlichkeit. Bei Euch aus dem Fanclub sind also nach "Engelskrieger" nicht 14.000 Fans ausgetreten, wie bei MOT?RHEAD, nach dem sie "Another Perfect Day" rausgebracht haben.
Bodi: Nee!?? Echt? Nee, bei uns nicht. Aber so was macht mehr aus, denke ich mal, ist ja nun nicht ne musikalische Religion, sondern die Art wie wir ?berhaupt Musik anpacken, wie es auch mit den Texten zusammen funktioniert, das ist wohl was letztlich, finde ich, 'ne Band auch ausmachen sollte. Und nicht die Frage "Wie viele Dudels?cke spielen sie?".
HoM: Ich habe auch damals in meiner Review geschrieben: "Sie sind immer noch STS".
Bodi: Klar!

HoM: Und wie werdet Ihr euch jetzt live pr?sentieren? Hart, wie auf der letzten Tour, oder kommen jetzt wieder mehr die Dudels?cke zum Einsatz?
Bodi: Jaaaaaaaaaa. Also. ich spiele sehr viel Drille, jetzt in dem Konzertprogramm, das wir zusammengebaut haben. Wir hatten dann ?berlegt. also was wir jetzt machen ist auch so 'n bisschen. also wir wollen die Leute auch in den Arm nehmen und auch 'nen netten Abend haben. also nicht so sehr darauf rumreiten, dass wir alle mal sterben m?ssen und was sonst noch alles schlimmes gibt auf der Welt.
Und wir haben dann auch ?berlegt, wie ist das jetzt mit der neuen Platte, muss man davon alles spielen? Dann nimmt man sich erstmal drei zentrale St?cke und spielt das andere sp?ter. Dann hatten wir aber so 'ne Lust, diese St?cke auch live zu spielen, dass alle bis auf ein St?ck auch im Programm drinne sind. Wir haben es halt ?ber das ganze Programm verteilt, bis in die Zugaben rein. Und man merkt es gar nicht so richtig, dass es ein Tourprogramm zu 'ner neuen Platte ist, sondern das f?gt sich alles homogen ein in die Titelauswahl die wir dann noch drum rum gebaut haben. Ist also ein Best Of von uns, mit Schwerpunkt neue Platte.
Und das geht wunderbar zusammen, wir haben ganz freche Spr?nge da drin, wenn zum Beispiel ein Titel vom zweiten Album gefolgt wird von 'nem "Engelskrieger"-Song.
Kann zwar immer sein, dass Leute nach Hause gehen. mein Lieblingslied haben sie nicht gespielt, aber.
HoM: Ja, gut, bei Eurem Repertoire ist das aber auch schwer!
Bodi: 80 Songs oder so was. Aber wir sind jetzt ganz gut eingespielt und es macht Superspa?!

HoM: Wie kamt Ihr auf den Titel "Nord Nord Ost"? Nord ist klar, geht ja um Feuer und Eis, aber Ost?
Bodi: Ja, "Norden" klang uns zu doof, und wir sind ja ne Ostband. Irgendwie so 'ne Spielerei mit unserer eigenen Geschichte. Wir suchten halt einen Begriff f?r das Album, wo es halt um K?lte geht oder Feuer, ohne ein Element zu nehmen. Ohne mit Winterassoziationen zu arbeiten, eher einen Reisebegriff, eine Richtung. Und die Kombination Nord Nord Ost gefiel uns einfach. Ist ja auch griffig, irgendwie.
Zu dem Zeitpunkt muss Bodinski erstmal seine Iso-Getr?nk Flasche w?rgen, damit noch buntes Nass rauskommt und es folgt ein kleines Gespr?ch ?ber Sinn und Unsinn dieser "Nuckel-Verschl?sse"
[Dat kann ich Euch sagen: Ein Riesenschei?dreck ist das mit diesen Idiotenst?pseln! Entweder du tr?pfelst dir das Hemd voll oder du verdurstest. Gelobt seien Kronkorken! Red.]

HoM: Du schreibst ja immer recht tiefsinnige Texte.
Bodi: Danke!
HoM: . und mir ist aufgefallen Das R?tsel II.
Bodi: Datt is nicht so tiefsinning. (lacht)
HoM: . ist der nur aufs Album gekommen um live den Schrei zu zelebrieren?
Bodi: Gute Frage! Wir hatten die Idee so 'ne Fanhymne zu schreiben. Das kam aus soner Spinnerei die wir mal gemacht haben, weil wir immer mehr von Journalisten geh?rt haben "Ja, wie ist das denn eigentlich als Mitbegr?nder von so'ner Szene."?
H?h? Mitbegr?nder? Wir sind die Erfinder vom Ganzen! Und das wollten wir mal so zum Ausdruck bringen. Und dann kam halt die Zeile "Wer hat zuerst den Erdbeermund gek?sst" und dann habe ich daraufhin alles mal so zusammengebastelt. Und mit dem Schrei. das war ja klar.
HoM: Und live kommt der ja eh.
Bodi: Live ist das ein Kracher!
HoM: Ja, das Ding bekommste nicht mehr aus dem Kopf. Und Sieben ist auch so ein Ohrwurm.
Bodi: Das braucht auch diese Platte! Klaren Weges zwischen Eis und K?lte und hygienisch find ich es gut auch zwei Songs zu haben, die die Platte ein bisschen auflockern.
HoM: Ja, wie Du schon sagst, die Texte sind ja auch wieder recht nachdenklich, von Tod und Sterben.
Bodi: Ja, et jeht eigentlich noch. (lacht)

HoM: Ihr habt Euch von eurem alten Schlagzeuger getrennt.
Bodi: (nachdenklich) Nee, er sich von uns.
HoM: Er sich von Euch? Nach.
Bodi: 8 Jahren.
HoM: Wie kam's?
Bodi: Also, wir hatten im letzten Jahr, als es darum ging die Platte vorzubereiten. zeichnete sich dann doch ab, dass wir da ein bisschen Schwierigkeiten haben und ein paar Zeitprobleme hatten und er hat dann, war ein purer Zufall gewesen, an einem Casting teilgenommen f?r diese BLUE MAN GROUP in Berlin.
HoM: Die mit den blauen K?ppen?
Bodi: Genau! Die machen ja da so 'ne Show in Berlin. Da hat er sich beworben und ist genommen worden. Und die nehmen nur die allerbesten Leute! War f?r ihn nat?rlich ein Kompliment, er hat das parallel laufen lassen zu uns, und dann gemerkt, dass sich da f?r ihn Sachen anbieten, die er immer mal machen wollte. Nicht nur musikalisch, sondern auch sich nicht mehr an eine Band zu binden. Weisse? Wenn Du in einer Band bist, ist das Ding Nummer Eins, du musst alles andere dem unterordnen. Du kannst nicht mehr Workshops machen, und so. Und da er sich als Einzelmusiker auch mal anders ausprobieren wollte, er auch mal Workshops machen will, anderen Leuten was beibringen will.
Er hat's uns sehr lange vorher gesagt, und wir haben es lange Zeit erst mal geheim gehalten. Er hat uns ein Vierteljahr vorher gesagt "ich mach bis Jahresende, dann steige ich aus", so dass wir auch gen?gen Zeit hatten, noch 'nen anderen zu suchen.
Das war auch sehr schwierig, schwieriger als wir uns vorgestellt haben, aber man wird ja auch betriebsblind nach acht Jahren.
HoM: Der Neue ist ja wesentlich j?nger als Ihr. Wie integriert er sich in eine Band, die schon so viele Jahre fast ohne Wechsel besteht. Ihr kennt Euch sicher alle sehr gut, wisst wenn einer schr?g guckt, ihn besser nicht anzusprechen. Und dann jemand wildfremdes.
Bodi: Erstmal ist er als Mensch ganz wunderbar. Es gibt ja Leute mit denen es einfach funktioniert und die Chemie stimmt erstmal vom Grundsatz her. Und er ist ja kein Potsdamer, das hei?t, wenn er hochkommt zum proben, dann wohnt er auch bei uns, Simon und mir. Und er ist ein Teil der Familie, der kleine Bruder oder irgendwie so was. Das konnten wir auch nicht planen, das hat sich einfach ergeben, und es funktioniert und mehr muss man dazu eigentlich auch nicht wissen. Ich meine, sicherlich, als wir dar?ber nachgedacht haben, ob wir ihn nehmen, gab es ein kurzes Innehalten, schon wegen dem Alter, aber das ist ja eigentlich nicht unser Problem, das muss der wissen.
Wir haben ihn dann gefragt, ob er bei uns spielen m?chte, und da hat er gesagt "da muss ich erstmal 'ne Nacht dr?ber schlafen", um sich klar zu werden was das jetzt alles bedeutet. Er kann zwar toll trommeln, hat aber gar nicht damit gerechnet, dass er eine Chance hat. Und ich glaube, in der Art wie er sich dann auch dazu bekannt hat "zu wollen", da lag dann auch schon der Kern drin, dass er der Richtige ist.
HoM: Und Ihr habt gro?e Castings gemacht?
Bodi: Ja, ohne Schei?. Wir haben 20 Leute nacheinander angeh?rt, nicht an einem Tag, wir haben mehrere Tage gemacht. Viele einfliegen lassen, erst nat?rlich aus dem Berliner Raum, da haben wir gemerkt: wird schwierig. Dann haben wir die Kreise weiter gezogen, und da haben wir echt ein paar Leutchen vortrommeln lassen. und da war nicht viel bei.
HoM: Und Michael hat auch schon vorher inner Band gespielt?
Bodi: Ja, klar.
HoM: Aber nichts bekanntes?
Bodi: Nee, der spielt in Bands seit er 14 ist. Kann schweinisch viel, hat auch immer viel Aushilfe gemacht, und in Coverbands gespielt, hat ein breites Spektrum, hatte auch immer das Ziel Profimusiker zu werden. Das war auch so'n Gl?ck, dass er, trotz seiner Jugend und obwohl er sehr gut ist, noch nicht in einer festen Band war, mit Freunden, wo man sagt "Mensch, die kann man doch nicht im Stich lassen.", er hat sich eigentlich aufgespart f?r uns.

HoM: Cool! Was sagst Du denn zu dem politischen Schlammassel momentan?
Bodi: Warum m?ssen Musiker auch immer 'ne politische Meinung haben??
Ja, das Volk hat gew?hlt w?rde ich mal sagen.
HoM: Ja, keinen.
Bodi: Mir geht's ja auch so. Man f?hlt sich ja von keiner Partei vertreten oder derma?en angesprochen, dass man sagt, das muss jetzt sein. So isset irgendwie. Und die Sachen die hier passieren m?ssen, egal wer da jetzt sitzt, der wird es irgendwie anpacken m?ssen.
Wie hat die Bildzeitung heute getitelt? Die Rente wird erstmal auf Pump bezahlt? Ich hasse solche Leute, die mir vor 20 Jahren erz?hlt haben, dass die Rente sicher ist und heute in Talkshows sitzen und den Witzbold machen! Wie Herr Bl?m.
HoM: Und Gysi und Lafontaine sind ja Tr?umer. Die haben auf dem Papier zwar nette Ideen, aber das l?sst sich halt nicht verwirklichen.
[Heh! Obacht!! Der Korrekturleser ist Linksh?nder!]
Bodi: Ich bin auch immer linkslastig gewesen, aber wenn da jetzt so'n Lafontaine mitmischt, so'n komischer Umfaller da. Nee!
HoM: Wir nennen den "Napoleon Reloded".
Bodi: (lacht) Ja! Der hat mir die Sache verleidet irgendwie, den halte ich f?r nicht w?hlbar.

HoM: Zur?ck zur Mucke! Ihr seid jetzt bei Nuclear Blast.
Bodi: Jo!
HoM: Nuclear Blast ist ja der gr??te Independent zur Zeit (um nicht zu sagen Major). Zufrieden damit?
Bodi: Ja! Ich sag mal, wir h?tten es besser wissen m?ssen, aber man wird ja erst aus Schaden klug. Als wir vor ein paar Jahren schon mal eine Plattenfirma gesucht haben, weil wir bei der BMG vertragsfrei waren, war Nuclear Blast schon im Gespr?ch. Wir haben damals schon gesagt, dass das ne klasse Firma ist.
IST DAS JETZT EIGENTLICH ABSOLUT NOTWENDIG DAS IHR JETZT ALLE HIER RUMSITZT?
[inzwischen hat sich die gesamte Band in der Umkleide eingefunden, h?ren zu und machen nebenbei einen Heidenradau!]
Simon: Bleib cool!
Bodi: Ich kann mich dann nicht konzentrieren!
Also: Der Markus Steiger hatte ja damals schon seine Finger nach uns ausgestreckt und wollte uns haben. Wir haben dann damals gesagt "geh mal lieber zum Major, da k?nnen wir mehr machen und tun". Und dann kam's nat?rlich ganz anders. Die ganzen Majors sind alle zusammengebrochen, haben ihre Leute entlassen, Menschen mit denen man gestern noch verhandelt hat waren morgen nicht mehr am Arbeitsplatz. Und die haben uns dann einfach nur noch abgewickelt.
Und da ist Nuclear Blast jetzt die bessere Wahl. Leute mit Herzblut, die richtige Fans der Musik sind. Markus Steiger ist ein Fan. Das ist ein Luxus bei einer Plattenfirma zu sein, wo der Chef Fan von uns ist. Hatten wir noch nie! Ich glaube nicht, dass irgend einer bei 'nem Majorlabel wo wir waren unsere Musik gemocht hat! Die haben nur gesehen, dass es eine Menge Menschen gibt, die das gut finden, und haben das als Produkt angesehen.
HoM: Das sind alles Leute, die kommen von der Uni und vermarkten das halt. Die Musik und was wir darin sehen ist denen egal. Ich sehe das ja auch bei uns, heute noch mit einem telefoniert, morgen gefeuert.
Bodi: Ja ja. so kannste nicht arbeiten! F?r eine Band ist das ganz, ganz beschissen.

HoM: Mal dran gedacht, den Sprung ins Ausland zu wagen? USA?
Bodi: Was hei?t wagen? Wir sind f?r alles offen! Die Ver?ffentlichungspolitik von Nuclear Blast ist eh, dass die in ganz Europa das Dingen raushauen. Da mahlen die M?hlen aber anders, da m?ssen wir erstmal gucken. In der Szene sind wir sicherlich bekannt, m?ssen wir mal sehen ob die Leute sich daf?r interessieren. Und da muss man dann Wege finden auch Kontakte mit dem Publikum aufzunehmen. ?ber Festivals vielleicht, oder eine Support Tour!? Das lassen wir erstmal auf uns zukommen. Wir w?rden es gerne machen, aber es ist nat?rlich auch klar, dass nat?rlich viel ?ber die Texte l?uft.
HoM: Und w?rdest Du Texte in Englisch schreiben?
Bodi: Ich kann gar nicht so gut Englisch, dass ich englisch texten k?nnte. Frage ist aber auch, ob man das muss.
HoM: Ich denke nicht unbedingt. RAMMSTEIN sind in USA und anderen L?ndern ja auch ein Riesenerfolg. Die Amis bl?ken aber auch alles mit. Bei Euch l?uft halt viel ?ber die Texte, und dass man sie auch versteht.
Bodi: Dann muss man daran arbeiten, dass man dem Publikum auch erz?hlt wor?ber wir singen und nicht nur hinstellen und performen. Und Englisch, gut Weltsprache, aber verstehen denn alle Spanier, Italiener oder Franzosen und Griechen auch englisch?
HoM: N?h!
Bodi: Siehste! Die m?ssen sich mit den Texten in der eigenen Sprache auseinandersetzten k?nnen. Und ich glaube auch, dass wir bei unseren Fans hier wieder f?r Unmut sorgen w?rden wenn wir die verraten. dann geht das wieder los.

HoM: Und Du hast ein Buch ver?ffentlicht?
Bodi: Sozusagen. Ich bin von ein paar Leuten geschubst worden, "mach das doch mal", und habe im Prinzip mein Best Of zusammengestellt. Was ich halt so in den letzten 10 Jahren zusammengeschrieben habe. Es ist meine pers?nliche Auswahl, und was ganz interessant ist, ist einfach zu bl?ttern. Auch durch die verschiedenen Jahre hindurch. Was sich alles so ver?ndert hat, oder Themen die man mehrmals angepackt hat. So: Ach, da liegen f?nf Jahre dazwischen aber das Thema war dasselbe!
Auch sind Texte in der Urform abgedruckt worden, die sp?ter gek?rzt worden sind auf der Platte. Weil ich drei Strophen geschrieben habe und nur zwei wurden gesungen. Da kann man noch ein bisschen was entdecken an alten Songs, und dann gibt es noch den kompletten zweiten Teil, wo ich alles aufgearbeitet habe was so liegen geblieben ist.
Gereimtes und Ungereimtes, Sachen die nie f?r SUBWAY geschrieben wurden. Insgesamt ist das ein nettes kleines B?chlein geworden, was aber recht speziell ist. Es ist f?r Leute die wissen, dass ich die Texte mache f?r die Band und sich auch wirklich f?r Lyrik interessieren. Und das sind ja nur die wenigsten Menschen auf der Welt. Nicht alle lesen und von den Lesenden lesen die wenigsten noch Gedichte. Viele sagen dann "hach, schwieriges Thema" und so, dabei kann man Gedichte lesen wie ein Buch. Lesen, weiterbl?ttern und einfach auf sich wirken lassen!
Das ist jetzt mein Baby, jetzt zurzeit, aber da h?ngt nicht gro? irgendwas dran.

HoM: Wenn Du Texte schreibst, hast Du dann Eric und seine Stimmlage im Hinterkopf?
Bodi: Eric ja, Stimmlage nein. Die muss Ingo im Kopf haben, wenn er Songs schreibt.
Klar, nat?rlich, das ist schon eine Art Symbiose. Das muss ein Texter sowieso machen. Texten f?r etwas was gesungen wird, ist noch mal was anderes als wie einfach nur ein Gedicht zu schreiben. Weil bestimmte Worte einfach komisch klingen wenn man sie singt oder nicht funktionieren. Und da arbeiten wir ja schon seit Anfang zusammen, da ?ndern wir auch im Studio noch bestimmte Dinge.
Manchmal biete ich ihm auch was an und frage ihn dann "Magst Du das Wort Anglitz" singen? So 'n bisschen ein grenzwertiges Wort. Dann sagt er "Find ich sch?n", also mach ich mal. Probiere ich mal! Ich ?berlasse ihm auch manchmal die Entscheidung. Und das ist jetzt eigentlich ein eingespieltes Team geworden. Er hat ja auch diese Gestik in der Stimme, das Zielende, das Theatralische. Das macht ja auch alles die Band aus.
HoM: Ich denke auch nicht, dass es sonst noch einen S?nger wie Eric gibt.
Bodi: Glaub ich eigentlich auch nicht. Nee. Man kann ihn lieben oder hassen, aber oft sind die Sachen die polarisieren die die Bestand haben und interessant sind.
Ich glaube auch, weil wir am Anfang das Thema hatten, dass wenn wir uns nie ver?ndert h?tten und immer dieselbe Platte rausgebracht h?tten, nur mit anderen Songs, wei? ich nicht ob es uns noch geben w?rde. Man muss sich auch immer wieder neue Fans erspielen, man muss dabei bleiben.

HoM: Ich hatte ja auch Eure Platten rezensiert, und habe gesagt, dass Ihr neue Ufer sucht, aber auch riskiert dabei auf die Schnauze zu fallen.
Bodi: Musst du, klar. Wenn du auf Nummer sicher gehst. manchmal habe ich aber auch das Gef?hl, man kann es den Fans nicht recht machen. Ich habe auch irgendwann mal einen Eintrag bei uns im G?stebuch gemacht: "Ich fasse jetzt mal zusammen: Ihr wollt, dass wir uns ver?ndern aber bleiben wie wir sind, ihr wollt, dass wir hart und weich zugleich sind, ihr wollt, dass wir ne Menge Dudels?cke haben aber auch harte Gitarren, trotzdem muss alles auch noch akustisch sein."
HoM: Irgendwie geht das nicht.
Bodi: Wir tun unser Bestes.

HoM: Und als letzte Frage, Du kannst jetzt ein und f?r alle Male mit den Ger?chten aufr?umen: Julia und die R?uber, spielt Ihr es noch gerne oder nicht?
Bodi: Ich muss sagen, ich habe meinen Frieden gemacht mir diesem Lied. Und eine Zeitlang hatten wir das Bed?rfnis es abzusto?en. Aber man schneidet sich ja auch keinen Finger ab. Wir haben da alle unseren Frieden mit gemacht und wir spielen es auch wirklich gern. Wir lassen uns da auch ein bisschen bitten, es wird sicher nie mehr im regul?ren Programm kommen, wird immer im Zugabenteil kommen. Das ist sozusagen die Standarte, unter der sich die Fans versammeln, und als solches betrachtet ist es vollkommen legitim so 'n Lied zu haben.
HoM: Das ist wie bei den ONKELZ Mexiko, ohne das geht keiner nach Hause. Wenn Ihr Julia mal einen Abend nicht spielen w?rdet.
Bodi: Machen wir auch nicht! H?chstens mal bei Festivals, wenn die dann den Stecker ziehen, wenn wir dann zum Schluss spielen, da steht immer einer mit der Uhr, und wenn du dich dann vertust um 3 Minuten, dann biste weg. Das ist dann auch nicht b?swillig, sondern hat dann nicht geklappt. In einem normalen SUBWAY Konzert wird es das Lied immer geben. Punkt!

HoM: Ich danke Dir!
Bodi: Hat Spa? gemacht!

Special Thanks an Kathy von Nuclear Blast, Frank Babrikowski, David Lotufo (for the the ride home) und nat?rlich Bodenski himself!

J?rg Litges, 29.09.2005

 

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