Sunstorm

House Of Dreams


CD-Review

Reviewdatum: 04.04.2009
Jahr: 2009
Stil: Melodic Rock, AOR

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Redakteur(e):

Marc Langels


Sunstorm
House Of Dreams, Frontiers Records, 2009
Joe Lynn TurnerGesang
Uwe ReitenauerGitarre
Thorsten KoehneGitarre
Dennis WardBass
Günter WernoKeyboards
Chris SchmidtSchlagzeug
Produziert von: Dennis Ward Länge: 49 Min 07 Sek Medium: CD
01. Divided07. Save A Place In Your Heart
02. Don't Give Up08. Forever Now
03. The Spirit Inside09. Tears On The Pages
04. I Found Love10. House Of Dreams
05. Say You Will11. Walk On
06. Gutters Of Gold

Bei SUNSTORM handelt es sich um ein Projekt von Joe Lynn Turner, der seine Stimme unter anderem schon RAINBOW, DEEP PURPLE und dem HUGHES TURNER PROJECT lieh. Mit “House Of Dreams“ liegt nun bereits das zweite SUNSTORM-Werk vor und bietet dem Hörer wieder Melodic Rock oder AOR der höchsten Güteklasse. Unterstützt wurde Turner dabei wieder von PINK CREAM 69-Bassist und Produzent Dennis Ward. Des Weiteren sind Uwe Reitenauer (Gitarre, PINK CREAM 69, PLACE VENDOME), Thorsten Koehne (Gitarre, unter anderem DEMON DRIVE, EDEN’S CURSE), Günter Werno (Keyboards, VANDEN PLAS, PLACE VENDOME) und Chris Schmidt (Schlagzeug) dabei.

Ich muss gestehen, nach dem ersten Durchgang war ich noch nicht wirklich von SUNSTORM überzeugt. Klar, alles war perfekt und so wie es sein sollte. Aber irgendwie war es wie bei einem großen Hollywood-Film: große Bilder, große Spannungsbögen, große kurzweilige Unterhaltung aber der richtige Biss fehlte, das Überraschende. Mittlerweile aber habe ich mich in das Album hineingefunden und bin begeistert. Denn hier bietet Meister Turner nicht vornehmlich den von ihm gewohnten Heavy Rock à la DEEP PURPLE oder RAINBOW, sondern tendiert eben mehr in Richtung AOR.

Das Material stammt wieder überwiegend aus dem Fundus von Joe Lynn Turner, aber auch bei “House Of Dreams“ waren wieder extern Songwriter beteiligt, wie etwa Paul Sabu (schrieb Songs für Leute wie David Bowie, Alice Cooper, Little Caesar, Madonna, Prince), Jim Peterik (Ex-SURVIVOR und PRIDE OF LIONS), Tom und James Martin (HOUSE OF LORDS, KHYMERA), Russ Ballard (unter anderem RAINBOW, ACE FREHLEY, ARGENT) und Desmond Child (KISS, BON JOVI und viele mehr). Das alles sind hochkarätige Namen und alle stehen für hochkarätiges Songwriting. Aber es ist eben alles AOR und nicht Heavy Rock, das sollte man bei seinen Erwartungen berücksichtigen.

Denn dann geht “House Of Dreams“ mit Divided direkt recht rockig los. Der frühere RAINBOW- und DEEP PURPLE-Frontmann orientiert sich bei SUNSTORM eher an Bands wie JOURNEY, FOREIGNER oder SURVIVOR. Daher ist es auch nur konsequent dieses Werk unter dem Banner SUNSTORM zu veröffentlichen. So ist von vorne herein klar, dass dies nichts mit dem sonstigen Schaffen seiner Solo-Karriere zu tun hat, sondern für sich steht, beziehungsweise eine andere Seite von Turner zeigt.

Anders als dann vielleicht zu befürchten gewesen wäre sind dabei die Songs durchgängig eher rockig gehalten und es kommt dankenswerterweise nicht zu einer Flut von Balladen. Zudem bietet Turner – wie nicht anders zu erwarten – erneut eine sehr starke gesangliche Leistung und bringt die Texte mit ordentlich Power rüber. Es ist schon erstaunlich, wie topfit die Stimme dieses Mannes nach fast 30 Jahren in diesem Geschäft noch ist. Er schafft es immer noch problemlos, höchste Tonlagen zu erreichen. Aber auch die restlichen Musiker machen ihren Job hervorragend, stets geschmackvoll legen sie das Fundament für die Stimme von Turner. Weder sind die Keyboards zu „cheesy“, noch die Gitarren zu dominant, die Soli sind kurz und knackig, die Rhythmusfraktion hält sich dezent im Hintergrund, sorgt aber für ordentlich Druck.

Dabei bleiben Gassenhauer wie insbesondere der Opener, The Spirit Inside, I Found Love oder Gutters Of Gold sofort im Ohr hängen und unterhalten von der ersten Sekunde an. Natürlich gibt es aber auch einige erwähnenswerte Balladen (Say You Will und Walk On), bei denen Turner seine Fähigkeit als Crooner unter Beweis stellt. Aber es sind eben nur zwei langsame Stücke. Ich finde das beachtlich und hatte befürchtet, dass auf einem solchen Album mehr langsame Stücke zu finden wären. Dabei ist Walk On auch noch eine Version eines Songs, den Turner einst, zusammen mit Child, für den australischen Sänger Jimmy Barnes (unter anderem LIVING LOUD) geschrieben hatte und der auf „sanften Druck“ der Plattenfirma auf dem Album landete.

Es bleibt festzuhalten, dass diese Platte in den 80er Jahren die Charts richtig aufgeräumt hätte. Damals haben nicht wenige Bands mit weitaus schlechteren Platten mehrfach Platin geholt und sind zu Superstars geworden. Ähnlich viel Glück werden SUNSTORM mit “House Of Dreams“ jetzt wohl nicht haben, auch wenn es ihnen zu gönnen wäre. Zumal man festhalten muss, dass “House Of Dreams“ wesentlich stärker ausgefallen ist als das Debüt von 2006. Denn nach der ersten Überraschung (und nachdem ich meine Erwartungen richtig justiert hatte) muss ich konstatieren, dass dies bereits der zweite Anwärter auf die Melodic Rock CD des Jahres ist (nach PLACE VENDOME). Für Freunde dieser Musikgattung ist das hier keine Kauf-Empfehlung, sondern ein echter Pflicht-Kauf.

Marc Langels, 03.04.2009

 

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