Suzi Quatro

No Control


CD-Review

Reviewdatum: 05.04.2019
Jahr: 2019
Stil: Rock
Spiellänge: 43:58
Produzent: Mike Curtis

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Plattenfirma: SPV


Redakteur(e):

Epi Schmidt


s. weitere Künstler zum Review:

Sweet

Slade

Joan Jett & The Blackhearts

Titel
01. No Soul / No Control
02. Going Home
03. Strings
04. Love Isn‘t Fair
05. Macho Man
06. Easy Pickings
 
07. Bass Line
08. Don‘t Do Me Wrong
09. Heavy Duty
10. I Can Teach You To Fly
11. Going Down Blues
Musiker Instrument
Suzi Quatro Lead Vocals, Bass, Backing Vocals, Acoustic Guitar, Percussion
Richard Tuckey Guitars, Backing Vocals
Jez Davies Keyboards
Jez Davies Saxophone
Toby Gucklhorn Trombone
Dick Hanson Trumpet
Dionne Moss, Louise Hartley Backing Vocals

In den frühen 1970er Jahren gehörte SUZI QUATRO, zusammen mit mit Bands wie SWEET, SLADE und MUD zur Speerspitze des Glam Rock und beherrschte die Pop-Charts nicht nur in unseren Gefilden. Devil Gate Drive, The Wild One, 48 Crash, diese und etliche andere Songs der quirligen Detroiterin hoben jede Party und Stimmung auf ein anderes Level. Zu der Tatsache ihrer unverwechselbaren Shouter-Stimme, kam noch, dass sie als Mädel Bass spielt und nicht zuletzt sorgten ihr verführerischer Mädchenblick und enge Leder-Outfits für Absatz bei den 45er Singles.

In den mittelspäten 70ern ging dieser Musikstil erst einmal über den Jordan (oder die Themse?), wobei sich Suzi mit poppigen Nummern, wie Stumblin‘ In und If You Can‘t Give Me Love, an der Oberfläche halten konnte.

Irgendwann krähte der Hahn dann doch leiser, aber Kämpfernatur, die sie ist, sackte Suzi Quatro nie ganz weg. Und in den letzten Jahren macht sie sogar wieder verstärkt von sich reden. Nicht nur, dass diverse Girl-Bands ihren Einfluss und ihre Vorbildfunktion über die Jahre immer wieder erwähnten, wir verloren sie auch nicht an den “Fernsehgarten“ und mit QUATRO, SCOTT & POWELL sendete sie 2017 verstärkte Lebenszeichen.

Und nun steht sie mit neuem Album und zugehöriger Tour parat. Und es scheint tatsächlich eine Rückkehr zur Klasse früherer Zeiten zu sein. Wie das heutzutage so ist, hat man den Nachwuchs bereits integriert und so schrieb Sohnemann Richard Tuckey die meisten Songs mit und war auch für alle Gitarrenparts im Studio verantwortlich. So ein Schuss Jungblut kann durchaus seine Vorteile haben. Tatsächlich geht No Soul/No Control gut und druckvoll zu. Kernige Gitarrensounds treiben die Midtempo-Nummer voran, die Hammond legt den passenden Teppich und der Girlie-Chor hat Rrriot-Charakter. Und Suzis Stimme klingt immer noch verdammt gut. Erwachsener, aber immer noch mit Power.

Blues-rockige, scharfe Gitarren-Akkorde und eine Mundharmonika verpassen Going Home ein gewisses Southern-Flair, der durch den Glam-Anteil partytauglich wird. Sollte man – wie das ganze Album – ruhig was lauter hören.

Gut, die Pop-Abteilung will auch bedient werden und so kommt das leicht vertrackte Strings mit starken Soul- und leichten Funk-Anteilen. Dazu noch ordentlich Streicher… ja, bisschen was zum Schwelgen. Trotzdem bleibt das knackig. Was auf Love Isn‘t Fair, mit seinem karibischen Flair dann nicht mehr zutrifft. Hätte in den 70ern Dieter Thomas sicher auch gerne in seine “Hitparade“ aufgenommen. Was für den Vorabend-Cocktail an der Strandpromenade.

Zurück in die Rockspur mit Macho Man  und seinem ZZ TOP-Riff. Suzi hat den Song bereits zum perfekten Konzert-Opener erklärt. Warten wir ab, ob es so kommt. Regler hoch, das Ding rockt gut!

Nicht nur Miss Quatro haben ein Riff, wie das in Easy Pickings lange Zeiten auf ihrer Gitarre gespielt. Bei den wenigsten ist aus der simplen Tonfolge ein Song geworden, der nach anderthalb Minuten direkt zum formidablen Blues-Rocker wird.

Bass Line hat sich nicht wenig beim SHOCKING BLUE-Hit Venus bedient, allerdings das komplett anders in Szene gesetzt und erinnert dann nur noch durch die Melodie daran. Ein groovender Soul-Pop-Song zu dem man gern Auto fährt. Oder was in der Richtung. Sogar mit einem kleinen Bass-Solo!

Don‘t Do Me Wrong war die erste Nummer, die für dieses Album geschrieben wurde und die Sache ins rollen brachte. Auch das ein bluesbeeinflusster, glamifizierter Rocksong, der mit seinem Stopp-and Go Rhythmus Akzente setzt. Geile Blues-Harp! Die volle Glam-Kelle gibt‘s dann mit Heavy Duty. Das klingt wie in den 70ern, hat ein heißes Sax-Solo und einen Drive, wie ihn eine JOAN JETT auch liebt.

Laut Suzi, ist I Can Teach You To Fly ein Rückblick (und eine Rückkehr) auf die 60er Jahre. Ja, das hat einiges vom Stil der KINKS und ähnlichen Brit-Rockern.  Der finale Blues-Boogie Going Down Blues erinnert mich an manche Single-B-Seite aus den frühen 70ern. Die waren häufig “erdiger“ als die A-Seite und die Band konnte sich abseits vom Charts-Futter ein bisschen in Szene setzen. So hat auch das hier einen leichten Jam-Charakter, der ansteckt und die Party eigentlich wieder von Vorne starten lässt.

Letztlich hat Suzi Quatro hier ein bemerkenswertes Album aufgenommen. Mit den paar Ausflügen in seichtere Gefilde muss man wohl nehmen, aber der Rest ist absolut in Ordnung und dürfte  nicht nur bei den Langzeit-Fans gut ankommen.

 

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