Sweettooth

Sweettooth


CD-Review

Reviewdatum: 01.01.2000
Jahr: 2008

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Sweettooth Homepage



Redakteur(e):

Jürgen Ruland


Sweettooth, Idynomite Media, 2008
Matt SilviaGuitars, Vocals
John McBrideGuitars, Piano, Synthesizer
Jeff JohnsonBass
Robert GarbowskiDrums, Percussion
Jeff BerkleyDjembe, Backing Vocals
Neil McPhersonClavinet, Electric Wurlitzer Piano, Hammond Organ
Bill CoomesBacking Vocals, Congas, Percussion, Tambourine
Cathryn BeeksLead & Backing Vocals
Barbara NesbittBacking Vocals
Rebecca NewmanVocals
Marcia ClaireUpright Bass
Christopher DaleBacking Vocals
Produziert von: Jeff Berkley & John McBride Länge: 62 Min 39 Sek Medium: CD
01. Part Of We08. Bleeding Nerve
02. All Wrong09. Holding Back The Rain
03. There And Back Again10. The Rain
04. Lovergirl11. Pushing You Away
05. The Crutch12. Bring On The Love
06. El Cajon13. TV
07. No Big Mystery

SWEETTOOTH. Süßer Zahn? Was kommt da auf den Rezensenten zu? Herzchen und Totenkopf auf dem Cover einträchtig nebeneinander, die Erwartungshaltung geht schon bis in Richtung Girlie Rock...
Das Booklet ausgepackt und die Welt sieht gleich klarer aus. This Is A Rock Album - Wear Headphones - Play Loud. Vier Herren mittleren Alters blicken dem Betrachter freundlich bis skeptisch entgegen. Was bitte ist bzw. sind denn SWEETTOOTH genau?

Das gleichnamige Debut der Band, im Juni dieses Jahres veröffentlicht, bietet eine Kombination diverser musikalischer Backgrounds und Erfahrungen von Musikern, welche in der Summe einen "authentischen Rock" pflegen, wie Drummer Robert Garbowski es gerne bezeichnet.
"SweetTooth" überzeugt die Hörerschaft mit einem deftigen Mix aus der Musik alternativer Power Bands der frühen Neunziger, psychedelischen Nuancen und klassischen Rock Elementen, welche von "foot stomping, headbanging" Momenten bis hin zu melodischen Phasen (There And Back Again) reichen.
Selbst betrachtet man sich gerne als Fans der Musik vergangener Jahrzehnte, die das Erlebte in die neue Zeit herüber transportieren möchten und zeitgemäß umzusetzen versuchen.
Promotet wird "SweetTooth" als ein Werk der Verschmelzung jener treibenden Klänge SOUNDGARDENs mit den spacigen Momenten PINK FLOYDs. Darüber hinaus lassen sich jedoch erheblich mehr Einflüsse festmachen, welche dieses Album zu einem wahren Hörerlebnis werden lassen.

Anno 2003 gegründet, blieben SWEETTOOTH über die Jahre hinweg eines der bestgehüteten Geheimnisse der südkalifornischen Metropole San Diego. Ursprünglich als Power Trio gegründet und angeführt vom Lokalhelden Matt Silvia (Gitarre, Vocals), trat die Gruppe seitdem auf sämtlichen Bühnen der Stadt auf. Nachdem man vor zwei Jahren das Gitarren-Genie John McBride in die Band aufnahm, veränderte sich der Sound SWEETTOOTHs nicht nur auf der Bühne. McBride stellte sich ebenfalls im Proberaum als das fehlende Teil des grossen musikalischen Puzzles der Gruppe heraus. Seine atmosphärische, kosmische Arbeit an den sechs Saiten öffnete dem Vierer vollkommen neue klangliche Welten.

Bereits der Opener Part Of We zeigt dieses nur zu deutlich auf. Verhaltene Wah-Wahs steigern sich im Verlauf des Songs zu einer bedrohlichen Soundorgie, in welcher selbst Töne aus dem Southern-Lager unüberhörbar bleiben.
Lovergirl hingegen zeigt SWEETTOOTH in einem völlig anderen Licht. Schwere Grooves prägen einen Track mit dem Zeug zum Stadion-Rock.
"SweetTooth" hat alles, was ein großes Album haben muss. Oder musste? Wäre es in den Siebzigern veröffentlicht worden, es würde wohl als Klassiker gelten. In den heutigen Tagen, in welchen Musik allzu oft zu einem Wegwerfartikel verkommen ist, dürfte es die Band mit einem Album, welches dem Hörer zuweilen einiges an Geduld abverlangt, ungleich schwerer haben. The Crutch mag als Beispiel dafür herhalten. Peter Gabriel zur Musik PINK FLOYDs mit Heavy-Attitüde in etwa, hat das noch Zukunft?
Ich sage ja, denn wer anschließend das verzerrte El Cajon mit seinen treibenden Beats vernimmt, dürfte im stillen Kämmerlein womöglich headbangend durch die vier eigenen vier Wände hampeln.

No panic, wir werden ja alle nicht jünger und brauchen hier und da eine Pause. Das diese trotzdem ansprechend ausgefüllt werden kann, beweist man mit dem relaxten No Big Mystery. Wurlitzer Electric Piano, Hammond Orgel sowie eine Gastsängerin sorgen für eine erneute Erweiterung des musikalischen Spektrums des Vierers aus dem Sonnenstaat an der Westküste.
Bleeding Nerve kommt trotz vertracktem Riffing wie eine Dampfwalze daher. Nicht nur hier sollte man der Aufforderung SWEETTOOTHs (Play It Loud!!) unbedingt folgen. Die Reise geht weiter. Holding Back The Rain entführt Dich in die Welt einer kalten Wüste bei Nacht. Verhallende Töne, Wah-Wahs, die Tour scheint ins Nichts zu führen. Die dezenten Chorusse im Hintergrund sorgen für eine geradezu unheimliche Stimmung.

The Rain und Pushing You Away gehen als Doppel-Stück durch. Das erstklassige Arrangement mit seinen häufigen Tempowechseln sorgt für ein Wechselbad der Gefühle, bis Cathryn Beeks mit ihren grandiosen Vocals dem PINK FLOYD-orientiertem Pushing... die Krone aufsetzt.
"Sweettooth" hatte viele Mitwirkende. Unter großer Beteiligung wurde Bring On The Love eingespielt; ein Heavy Rocker, welcher zum Abschluss in eine Soundcollage mündet.
Den Schlusspunkt unter ein phantastisches Album setzt das bewegende Duett von Matt Silvia und Barbara Nesbitt, welches die Scheibe perfekt abrundet.

Fazit: Ein Meilenstein der Rockmusik, welcher es verdient hätte, hoffentlich viele weitere Fans neben mir zu finden. Die Höchstwertung!!!!

Jürgen Ruland, 07.10.08

 

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