Tanita Tikaram

Can't Go Back


CD-Review

Reviewdatum: 02.09.2012
Jahr: 2012
Stil: Pop, Roots Rock

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Redakteur(e):

Epi Schmidt


Tanita Tikaram
Can't Go Back, Ear Music, 2012
Tanita TikaramVocals
Mark CreswellAcoustic and Electric Guitars, Sequenzing, Background Vocals
Keefus CianciaPiano, Keyboards, Synth
Paul BryanBass, Mellotron M44, Chamberlain, Background Vocals
Jay BelleroseDrums, Percussion
Chavonne Stewart, Nava MorrisBackground Vocals on Dust In My Shoes
Sylvie Bardet, Ryan FreelandBackground Vocals on Keep It Real
Grant Lee PhillipsGuest Vocal on All Things To You and Keep It Real
Produziert von: Paul Bryan Länge: 38 Min 51 Sek Medium: CD
01. All Things To You06. Keep It Real
02. Dust In My Shoes07. Can't Go Back
03. Make The Day08. Heavy Pressure
04. Rock'n'Roll09. One Kiss
05. Science10. If The World Should Want For Love

Da hätt' ich sie doch ums Haar nicht wiedererkannt! Die sonst so ernst - oder zumindest sehr "gefasst" - dreinblickende und nicht minder ernst klingende Tanita Tikaram. Auch 2005, auf ihrem Album "Sentimental" klang sie recht …, na ja, wie der Titel schon sagt.
Auf dem Cover und im Booklet ihres aktuellen Albums - dessen Veröffentlichung nochmal verschoben worden war, da die Sängerin mit der Produktion noch nicht gänzlich zufrieden war - schaut sie richtig happy und gleich in der ersten Nummer rockt sie nahezu im Roots Rock-Stil. Das Piano wird hart angeschlagen, das Schlagzeug stampft wie eine Dampflok und im Hintergrund kräht eine Slide-Gitarre. Die dunkle Stimme Tanitas - schließlich ihr Markenzeichen - sorgt dafür, dass es nicht zu übersprudelnd wird, aber man wippt augenblicklich mit, freut sich an dem rockigen All Thing To You, welches mit seinem "Indianergesang" gegen Schluss fast ausgelassen wirkt. Hier und in Keep It Real bekommt Tanita übrigens gesangliche Unterstützung von Grant Lee Phillips. Ja, eigentlich auch nicht als Ausbund der Fröhlichkeit bekannt.
Die erste Single des Albums, Dust On My Shoes, verweist etwas mehr auf den bekannten Stil der Sängerin, aber auch diese Nummer hat wenig von der sonstigen Melancholie und die Produktion mit den eher "offen" gespielten Instrumenten kommt sehr ansprechend rüber. "I just got to see, how it feels to be free", singt Tanita Tikaram im Refrain und irgendwie klingt es auch nach einer neu gewonnenen/entdeckten Freiheit.

Ich kann mir nicht helfen, ich hör' dem Mädel einfach gern zu. Wenig Stimmen verzaubern mich so und wenn sie in der eher balladesken Ballade Make The Day "I'd talk endlessly" singt, bin ich der Letzte, der sich darüber beschwert. Das Warten hat sich gelohnt, denn die Scheibe klingt wirklich gut.
Die Worte "Rock'n'Roll" aus dem Mund Tikarams hätte man früher kaum erwartet und jetzt heißt gar ein Lied Rock'n'Roll? Natürlich geht das nicht Chuck Berry hau-drauf-mäßig ab, sondern etwas subtiler, mit einem guten Schuss Desert-Rock-Feeling, aber vibriert herrlich und klingt durch das Sixties-mäßige Orgelsolo herrlich altmodisch.
Science ist irgendwie unruhig und macht mich mit seinem wirren Gitarrenspiel ganz kribbelig. Die Textzeilen "It's the science that kills me" tragen auch nicht unbedingt zur Beruhigung bei, jedoch klingt der Song dann aber doch ruhiger aus und lässt einen zu Atem kommen, als hätte man gerade einen Spurt hinter sich.
Der Titelsong ist dann die erste richtige Ballade. Voller Schwermut, streicherverziert und ungeheuer ins Ohr gehend. Das klingt vielleicht am meisten nach den ersten Scheiben von Tanita, aber mit einem zeitgemäßeren Sound.

Der Sound ist es auch, der einen Großteil von diesem Album ausmacht. Wie herrlich old-fashioned das Gesangsduett von Tanita Tikaram und Paul Bryan One Kiss klingt, ist absolut bemerkenswert. Es rauscht und holpert und "lebt" wie eine Vaudeville-Nummer aus den 20ern. Auch die Stimmen passen hier perfekt zusammen, liefern sich jeweils den perfekten Widerpart und umtanzen einander verführerisch. Gehört für mich zu den Höhepunkten hier.
Auch die letzte Nummer, If The World Should Want For Love klingt nach weit entfernten Tagen, irgendwie etwas sphärisch und wieder einmal nach etwas, was Nick Cave-Fans gut gefallen dürfte. Unglaublich schön und trotzdem mit einer Art "dunklen Unterton". Wie es halt meist bei Tanita Tikaram so ist und wofür sie ihre Fans lieben. Dieses Album dürfte nach all den Jahren ihr einen größeren Fankreis erschließen.

Epi Schmidt, 30.08.2012

 

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