Tarja

Act I


CD-Review

Reviewdatum: 17.08.2012
Jahr: 2012
Stil: Symphonic Metal

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Redakteur(e):

Marc Langels


Tarja
Act I, Edel, 2012
Tarja TurunenGesang, Piano & Keyboards
Alex ScholppGitarre
Kevin ChownBass
Christian KretschmarKeyboards & Cello
Mike TerranaSchlagzeug
Max LiljaCello
Gastmusiker
Doug WimbishBass
Julian BarrettGitarre
Diego ValdezGesang (Phantom Of The Opera)
Produziert von: Tarja Turunen Länge: 124 Min 01 Sek Medium: CD
Disc 1Disc 2
01. Anterrom Of Death01. Boy And The Ghost
02. My Little Phoenix02. Lost Northern Star
03. Dark Star03. Ciaran's Well
04. Naiad04. Tired Of Being Alone
05. Falling Awake05. Medley: Where Were You Last Night/Heaven Is A Place On Earth/Livin' On A Prayer
06. I Walk Alone06. Underneath
07. Little Lies07. Oasis/The Archive Of Lost Dreams
08. Into The Sun08. The Crimson Deep
09. Nemo09. The Phantom Of The Opera
10. Never Enough10. Die Alive
11. Still Of The Night11. Until My Last Breath
12. In For A Kill12. Over The Hills And Far Away

Tarja Turunen ist das Poster-Girl für die Female-Fronted-Metal-Bands mit symphonischem Einschlag. Sie war jahrelang das optische wie vokale Aushängeschild der Finnen NIGHTWISH und schaffte es sogar mit “Once“ bis in die Top-Ten in zahlreichen europäischen Ländern, darunter sogar bis an die Chartspitze in Deutschland. Nach der folgenden Tournee trennten sich die Wege der Band aber von der Frontfrau, die seitdem als Solo-Künstlerin ihren Weg beschreitet.

Nach den beiden erfolgreichen Studio-Alben “My Winter Storm“ (Deutschland Platz 3) und “What Lies Beneath“ (Deutschland Platz 4) und zahlreichen gut besuchten Tourneen legt die kühle Schöne nun ihr erstes Live-Werk mit dem Titel “Act I“ vor, das sowohl als Doppel-CD und als Kombination Doppel-CD plus DVD erhältlich ist. Zur Rezension lag mir die reine CD-Version vor, daher vermag ich nichts über die Qualität der Video-Aufnahmen zu sagen. Aber den Reaktionen während und zwischen den Songs nach zu urteilen, hat das Publikum an den beiden Abenden die Auftritte voll und ganz genossen.

Akustisch ist auf jeden Fall alles in Ordnung. Der Sound ist wirklich gut eingefangen und druckvoll. Über allem thront jedoch die elfengleiche Stimme von Tarja, die einfach unbestritten zu den besten Sängerinnen im Bereich Heavy Metal gehört. Zudem kann sich Tarja hier die besten Stücke ihrer beiden Solo-CDs aussuchen und diese dann um zwei bisher unveröffentlichten Liedern (Into The Sun & Never Enough) sowie einem NIGHTWISH-Song (natürlich Nemo) und ein paar Cover-Versionen von solch unterschiedlichen Künstlern wie WHITESNAKE, Gary Moore, BON JOVI, Andrew Lloyd Webber, Belinda Carlisle und Anki Bagger erweitern.

Leider liegt der Veröffentlichung kein kompletter Konzert-Mitschnitt zugrunde. Vielmehr wurden zwei Konzerte verwendet, die in Rosario, Argentinien mitgeschnitten wurden. Stattdessen wird auf “Act I“ zwischen den Stücken immer wieder ausgeblendet, bevor es mit dem nächsten Song weitergeht. Dadurch bleibt leider das richtige Konzert-Feeling komplett aus. Das stört schon ein wenig.

Dabei drängt sich mir auch live wieder der Eindruck auf, dass Tarja musikalisch ein wenig zu sehr auf Nummer sicher geht und die bekannte NIGHTWISH-Masche einfach fortsetzt. Eine künstlerische Weiterentwicklung oder gar musikalische Wagnisse, wie sie bei ihrer Ex-Band seit dem Ausstieg durchaus vorhanden sind, bleiben bei ihr aus. Aber dem anwesenden Publikum gefällt das offensichtlich sehr, wenn der Applaus, wovon ich ausgehe, nicht technisch aufgebauscht wurde.

Tarja ist natürlich nach wie vor eine erstklassige Sängerin, die auch hier keine Zweifel an ihrem Können aufkommen lässt. Aber bei einer ansonsten recht perfekten Sängerin fallen kleine Fehler dann manchmal sogar noch deutlicher auf: so stören einige Unsauberkeiten in der Aussprache dann zumindest mich doch sehr (zum Beispiel bei dem BON JOVI-Cover Livin’ On A Prayer). Einfach nur brutal ist hingegen, was Tarja und ihre Band dem WHITESNAKE-Klassiker Still Of The Night antun. Nicht nur geht der instrumentale Teil der Band sehr grob und mit wenig Gefühl mit diesem Juwel des Heavy Metal um, auch Tarjas Stimme passt einfach überhaupt nicht zu diesem Song, zumal ihr auch jegliches Gefühl für die Melodieführung und die Betonung abgeht. Ähnlich hatte sie ja auch schon auf ihrer Platte Poison von Alice Cooper ruiniert. Das sind einfach keine guten Stücke für ihre Opernstimme, von denen die Sopranistin einfach die Finger lassen sollte.

Denn wenn sie sich auf ihre eigenen Stücke konzentriert, zeigen Tarja und ihre Musiker ihre wahre Qualität: eingängige, symphonische Metal-Musik mit Melodien, die ideal zu ihrer Stimme passen. Die Band spielt die sicherlich nicht einfachen Songs grandios sauber herunter, so dass das Album trotz der beschriebenen Mängel durchaus Spaß macht. Für die Zukunft würde man sich eben ein zusammenhängendes Konzert wünschen, bei dem sich Tarja nur auf ihre eigenen oder aber NIGHTWISH-Songs konzentriert, denn die kann sie singen wie keine Zweite.

Marc Langels, 15.08.2012

 

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