Tedeschi Trucks Band

Let Me Get By


CD-Review

Reviewdatum: 14.03.2016
Jahr: 2016
Stil: Blues, Blues Rock, Soul

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Redakteur(e):

Epi Schmidt


Tedeschi Trucks Band
Let Me Get By, Fantasy/Universal Music, 2016
Susan TedeschiVocals, Guitar
Derek TrucksGuitar, Slide Guitar
Doyle Bramhall IIGuitar, Vocals, Bass
Kofi BurbridgeGrand Piano, Hammond Organ
J.J. JohnsonDrums, Percussion
Tyler GreenwellDrums, Percussion
Kebbi WilliamsSaxophone
Maurice BrownTrumpet
Saunders SermonsTrombone
Tim LefebvreBass
Mike Mattison, Mark Rivers, Alecia ChakourVocals
Produziert von: Derek Trucks Länge: 56 Min 34 Sek Medium: CD
01. Anyhow06. Just As Strange
02. Laugh About It07. Crying Over You / Swamp Raga
03. Don't Know What It Means08. Hear Me
04. Right On Time09. I Want More
05. Let Me Get By10. In Every Heart

Gleich mit der Tür ins Haus fallen? Okay: Anwärter auf Scheibe des Jahres. Punkt.
Das ist einfach eine ganz geile Scheibe, die Susan Tedeschi und Gatte Derek Trucks in ihrem bandeigenen Studio in Jacksonville da eingespielt haben. Allein schon, dass diese beiden herausragenden Musiker sich zur Partnerschaft gefunden haben, ist ein Geschenk für jeden, der auch nur andeutungsweise etwas für Blues, Soul, R&B…, und überhaupt den ganzen “Southern Kram“ übrig hat. Dazu kommt noch, dass Derek Trucks wahrscheinlich der herausragende Slide-Gitarrist auf unserem Planeten ist. Ich würde sagen, niemand aus der Nachkommen- und Verwandtschaft der ALLMAN BROTHERS BAND da heranreicht.
Nicht zu vergessen Ehefrau Susan Tedeschi, die anscheinend mit jedem Album eine noch bessere Sängerin wird.

Aber zum Album. Kollege Frankie hat es bei ”Made Up Mind” schon angedeutet, und auch hier trifft das großflächig zu: Diese Band bringt die glorreichen Zeiten Claptons in den 1970er Jahren zurück. Und das vielleicht sogar noch besser. Ansichtssache. Das ist einfach eine hervorragende Mixtur aus Blues, Soul, Gospel, ein bisschen Funk und R&B, und das Ganze auf mittlerer Hitze durchgehend am Köcheln gehalten.
Auf akustischen Instrumenten schafft man Eingangs eine Atmosphäre, die sofort an die ALLMANS erinnert, steigt Susan Tedeschi mit ihrer wunderbaren, vollen und leicht angerauten Stimme ein, zieht die Aufmerksamkeit auf sich, während sich ganz sachte Bläser hereinschleichen und Ehemann Derek kleine Slide-Sprenkel dazwischen wirft. Da steckt schon ein kleines Geheimnis für die Klasse dieses Albums drin: Sehr gut und ausgewogen wird dosiert, was, wann, wo, gespielt wird. Da denkt man gleich auch ein bisschen an die STONES zu “Sticky Fingers”- und “Exile”-Zeiten.
Bluesig bleibt es auch bei Laugh About It, mit leichten Jazz-Verweisen und leichtem funky Groove. Erneut ist man sofort von Tedeschis Gesang gebannt, der noch bestens harmonierende Background-Stimmen zur Unterstützung bekommt, und wieder blitzt Derek Trucks grandioses Talent auf. Das steht den frühen ALLMAN-Geschichten in nichts nach!

Erster Höhepunkt – wenn man überhaupt etwas hier besonders hervorheben muss – ist Don’t Know What It Means. Den Song muss man eigentlich gleich noch einmal hören. Und noch einmal. Aber bereits nach dem ersten Mal, ist der in die Hirnrinde eingeschnitzt! Das groovt, leicht funky, Dank sei den beiden Drummern und Tim Lefebvres Bass-Spiel, wie die Hölle, das wird von Frau Trucks – sorry, Tedeschi! – so grandios gesungen, als stünde eine schwarze Blues-Mummy hinter dem Mikro, da pumpen die Bläser den Soul containerweise hinein, sodass dieser in dicken Tropfen herausquillt, und Derek Trucks fällt schon fast nicht mehr auf in diesem Happening, welches schon fast zwangsweise in einen A Capella-Teil mündet und hinten raus zur Jam-Nummer mutiert. Einfach klasse!
Hinüber nach New Orleans “ge-walzt“, mit Right On Time. Hier singt Tedeschi im Duett mit Mike Mattison, während die Bläser den Mardi-Gras-Blues spielen und Kofi Burbridge locker dazwischen-klimpert. Auch hier wiegt man sich gern dazu und driftet vor dem geistigen Auge den Mississippi hinunter.
Etwas sperriger wird’s wohl beim Titelsong. Das entwickelt sich ein bisschen experimenteller, aber auch diese funkige Nummer ist von so großer Qualität, dass man sich ihr nicht entziehen kann oder mag.
Vielleicht fehlt dem ein oder anderen Gitarren-Freak etwas mehr Dominanz von Herrn Trucks, aber, keine Sorge, der ist schon präsent! Nur hält er sich zurück, wo nicht zwingend von Nöten, bzw. liefert den Background, wie in dem Hypnotischen Swamp-Groover Just As Strange.

Dafür zieht er in dem lockeren Crying Over You / Swamp Raga sowohl mit, als auch ohne Slide gut vom Leder.
Selbst vermeintlich “nicht so spektakuläre“ Songs, wie Hear Me, erstrahlen nach kurzer Zeit durch die Güte dieser Musiker. Selbst ein Doyle Bramhall II ist da nur Teil des Ganzen und sticht nicht großartig hervor.
Bei I Want More wird es auch mal, nicht zuletzt durch die eingesetzte Querflöte, etwas experimenteller, aber das ist ja genau der Stoff, den die Jam-Heads brauchen und uns auf neue Ebenen hebt.
So schön und gehaltvoll, wie bei allen vorherigen Songs, bleibt es auch bei der abschließenden Soul-Ballade In Every Heart. Klein wenig BEATLES-Psychedelica, viel Soul und Gospel, ein bisschen Blues, jede Menge Feeling…, das Gebräu ist fertig, welches einen in einen wohligen Rausch versetzt, der gut gerne das restliche Leben, wenn nicht verändern, so doch bereichern kann. Herausragend auch hier Susan Tedeschis Gesang und das Solo von ihrem Angetrauten. Mit freundlicher Unterstützung ihrer Gehilfen!
Hier gibt’s ein paar absolut geniale Songs und selbst die, die in der zweiten Reihe folgen, sind immer noch so hochklassig, dass dieses Album keine Schwachstelle hat und ein Highlight des Southern-Blues-Soul’n’Swamp ist. Bin gespannt wie sie das beim nächsten Mal noch toppen wollen.

Epi Schmidt, 13.03.2016

 

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