Ten Years After

Now


CD-Review

Reviewdatum: 25.07.2004
Jahr: 2004

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Ten Years After Homepage



Redakteur(e):

Epi Schmidt


Ten Years After
Now, Eigenvertrieb, 2004
Joe Gooch Vocals, Guitars
Leo Lyons Bass
Chick Chruchill Keyboards
Ric Lee Drums
Produziert von: Leo Lyons Länge: 45 Min 09 Sek Medium: CD
1. When It All Falls Down (3:27)6. King Of The Blues (3:34)
2. A Hundred Miles High (7:05)7. Long Time Running (6:13)
3. Time To Kill (4:31)8. Reasons Why (4:10)
4. I'll Make It Easy For You (5:32)9. Changes (5:14)
5. The Voice Inside Your Head (4:32)

Na, das scheint doch eine längere Zusammenarbeit zwischen den drei "alten Recken" Chick Churchill, Leo Lyons und Ric Lee und dem "Kücken" Joe Gooch zu werden. Gut, es sind erst zwei Jahre, die die neue TEN YEARS AFTER-Besetzung jetzt zusammen ist, aber einige Touren wurden bereits absolviert und ein Live-CD ist ja auch schon auf dem Markt.
Skepsis ist immer angebracht, wenn so eine Truppe plötzlich den dritten Frühling zu verspüren glaubt und mittels einer jugendlichen Injektion die alten Zeiten herbei beschwört. Oft genug mündet das ins stupide aufkochen alter Hits, oder man spielt eine CD mit Coverversionen seiner vorgeblichen Lieblingssongs ein.

Der Enthusiasmus, den die verbliebenen Originalmitglieder von TEN YEARS AFTER zur Schau tragen, kommt aber ganz offensichtlich von einem neu erwachten Elan und anscheinend sieht auch Gitarrist/Sänger Joe Gooch die Band nicht bloß als hilfreiches Sprungbrett für eine Solokarriere. Wollen wir hoffen, dass es so bleibt. Denn: Mit ihrer aktuellen CD liefern sie ein beeindruckendes Album ab. Live konnte ich mich ja schon von den Qualitäten dieser Besetzung überzeugen, doch erst mal musste man sehen, was sie zusammen im Studio an neuen Songs kreieren können und die sind überwiegend klasse geworden. Eine lange nicht gehörte Spielfreude, weder bei dieser Band noch bei dem anderen Herrn Lee, kommt da zu Tage.

Gleich mit When It All Falls Down stürmt die Band in höllischem Tempo los und klingt bei diesem Zusammenspiel zwischen Gitarre und Orgel fast wie Herrn Blackmores Regenbogen-Band zu besten Zeiten. Joe Gooch hat es an den sechs Saiten wirklich drauf. In halsbrecherischem Tempo flitzen die Finger und trotzdem bleibt das ganze nachvollziehbar und überwiegend songdienlich.
Ich sag's schon jetzt: Wenn man überhaupt was aussetzen will, ist es die stellenweise einfach "zu jung" klingende Stimme. Bei solcher Musik erwartet man halt etwas mehr Rauheit, aber das kann ja noch kommen. Leute wie Aynsley Lister müssen mit ähnlichen Vorbehalten leben und machen das ganz gut.
Verweise an die psychedelischen 60er und die BEATLES gibt es in A Hundred Miles High, bei dem die Stimme sehr gut dazu passt. Da gibt's auch eine akustische Gitarre aber ansonsten ist weniger Flower und mehr Power angesagt. Ich meine, muss man über die Rhythmusgruppe Ric Lee und Leo Lyons viel Worte verlieren? Da sind zwei Profis am Werke, die wohl keiner so schnell in den Schatten stellt. Den typischen Orgelteppich webt Chick Churchill wie es sonst nur noch bei wenigen üblich war (Jon Lord etwa) und es heutzutage kaum noch zu finden ist.

Mit einem schwer groovenden Rhythmus legt Time To Kill los und wendet sich zwischenzeitlich doch immer mal, einem eingängigeren Refrain zugunsten, Richtung Mainstream. Trotzdem bleibt noch genügend Raum für die Interpreten sich in Solo-Ausflüge zu begeben. Da sind zwar im Bass ein paar eigenartige Effekte eingeblendet, aber allein Chick Churchills Tastenarbeit macht schon Spaß.
Hin und wieder muss ich auch mal an das COMPANY OF SNAKES-Projekt der Herren Marsden, Moody etc. denken. Das ist manchmal nicht so weit weg und hatte ja ähnliche Vorzeichen. Nur scheint mir hier mehr Substanz dahinter zu sein.

Mit I'll Make It Easy For You ist eine Powerballade hier am Start, die würde auch Mr. Coverdale nicht schlecht stehen. Der hätte die bessere Stimme, aber solche Musiker findet und will er wohl auch nicht mehr.
Verweise an alte Zeiten? The Voice Inside Your Head erzählt zu einem Blues-Boogie was von Hear Me Calling, ich will Love Like Man. Klar ist der Ablauf bei so einem Song unspektakulär - es sind halt die Interpreten, die so einen Titel am Leben halten und die machen das perfekt.
Richtig krachen tut's dann wieder beim King Of The Blues, der in rockender Texas-Blues-Rock-Manier mit den entsprechenden ZZ TOP-Riffs reinfegt. Die rollende Pianoarbeit und die Gitarrensoli scheinen sich gegenseitig übertreffen zu wollen. Die Methode, alle gleichzeitig im Studio zu spielen und dabei aufzunehmen, hat sich hörbar bewährt.
Long Time Running bewegt sich wieder mehr im Power-Balladen Bereich und zwar so wie ihn diverse Southernrock-Bands gern spielen, oder spielen würden. Dieser Vergleich wird durch die einsetzende Slide-Gitarre noch unterstützt. Powerchords und Melodieläufe wechseln sich ab, alles untermalt von einer Heavy-Orgel und wenn dann das Gitarrensolo, z.T. mit der Slide gespielt, ertönt, wähnt man sich vollends in den Sümpfen Floridas. Natürlich tobt sich Joe Gooch hier etwas aus, wobei er doch nie über das Ziel hinaus schießt und seine Möglichkeiten sicherlich nicht voll ausschöpft. Ich freu mich heute schon, diesen Song, hoffentlich, im Konzert zu erleben.

Und ein weiteres Mal heißt es "time to boogie": Reasons Why hat sein Hauptriff etwas bei Race With The Devil angelehnt und Rory Gallaghers Hands Up kommt mir auch öfters in den Sinn. Doch was sollen die Vergleiche - hier geht's einfach gut ab. Chick Churchill lässt jegliche Zurückhaltung sein und hämmert ein fetziges Pianosolo in die Tasten und als man schon, etwas unsicher, auf den Schlussakkord zusteuert, ruft einer "One, two, three" und die Band steigt mit Vehemenz noch mal voll in den Song ein und tobt sich eine weitere Minute aus.
Bei Changes bin ich lediglich vom Refrain nicht so überzeugt (vielleicht weil ich so ein Fundamentalist bin?), ansonsten ist auch das eine richtig gute Nummer. Etwas Akustikgitarre mit drin und Joe Goochs E-Gitarren-Licks perlen munter darüber. Sound und Akkorde der Rhythmusgitarre rufen mir doch immer mal die Herren der klassischen WHITESNAKE-Besetzung in Erinnerung. Chick Churchill streut ein weiteres Pianosolo so locker mal zwischen rein und die Sololäufe von Joe Gooch sind unbestreitbar ein Genuss. Da findet einer den richtigen Weg zwischen Technik und Feeling. Eigentlich schade, dass er etwas überraschend ausgeblendet wird. Wollte man partout bei der LP-Längen-Spielzeit bleiben?

Wie auch immer, "Now" ist ein prima Album geworden, welches bei mir noch öfter im Player rotieren wird und mich gespannt auf die weitere Zukunft von TEN YEARS AFTER blicken lässt.

Epi Schmidt, 25.07.2004

 

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