Ten Years After

Roadworks


CD-Review

Reviewdatum: 31.08.2005
Jahr: 2005

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Redakteur(e):

Epi Schmidt


Ten Years After
Roadworks, Eigenvertrieb, 2005
Joe Gooch Vocals, Guitars
Leo Lyons Bass
Chick Chruchill Keyboards
Ric Lee Drums
Länge: 99 Min 19 Sek Medium: CD
CD 1:
1. King Of The Blues5. Working On The Road
2. Hear Me Calling6. Big Black 45
3. Good Morning Little Schoolgirl7. The Hobbit
4. (When It) All Falls Down8. Living It Up
CD 2:
1. Love Like A Man5. I'm Going Home
2. I'd Love To Change The World6. Reasons Why
3. Time To Kill7. Choo Choo Mama
4. I Can't Keep From Crying Sometimes

Dann schaun wir uns diese Geschichte, mit etwas Abstand, also noch mal an. Man (ich) lässt sich von "neuen" Sachen ja immer gern anstecken und überrumpeln und ich war ja auch recht angetan von dem, was ich von der aktuellen TEN YEARS AFTER Besetzung bisher gesehen/gehört habe. Tatsächlich haben sie mich aber auch erst in diesem Sommer auf dem 'Würth - Open Air' erst wieder beeindruckt. Obwohl da der Sound nicht hundertprozentig war (Gitarre zu leise).
Mit "Roadworks" (da denkt man gleich an den Song Working On The Road vom Album "Cricklewood Green", 1970) legt die Band nun ihr erstes "richtiges" Live-Album vor. Zwar gab es mit "One Night Jammed" schon eine Live-CD, aber das war, wenn auch kein schlechter, ein Schnellschuss, der auch gedacht war die Band mit ihrem neuen Gitarristen/Sänger Joe Gooch dem Publikum zu präsentieren.
Wer die Band in den letzten Jahren auf der Bühne erlebt hat weiß, dass die vor nicht mehr für möglich gehaltener Spielfreude strotzen. Mit Ric Lee am Schlagzeug und Leo Lyons am Bass weist die Truppe wohl eines der besten Rhythmus-Duos im Blues-Rock Bereich auf. Da können sich Chick Churchill und Joe Gooch mühelos ein- und ausklinken.

Wie das prächtig abgeht, zeigt schon der Texas-Shuffle King Of The Blues vom aktuellen Album "Now". Der Sound ist eine ganze Ecke besser als bei "One Night..." und positiv fällt auch auf, dass Joe Goochs Stimme, wohl durch das permanente Touren, deutlich an Rauheit zugelegt hat und so besser zum Stil von TEN YEARS AFTER passt. Die Lead-Passagen sind natürlich von nahezu einzigartiger Güte. Meine Herren, wenn der Typ loslegt brennt's auf der Bühne. Und wie das seine Kollegen anstachelt, ist auch gut zu erleben. Ob Chick Churchill schnell mal ein paar Pianosalven hinterher schießt oder Leo Lyons sich aus seinem Basssolo in Good Morning Little Schoolgirl heraus auf ein Gitarre-Bass Duell/Duett einlässt, das klingt alles hochmotiviert. Übrigens spitzenmäßig, was der Leo auf dem Bass noch drauf hat!
When It All Falls Down, einer meiner Favoriten von "Now", kommt live sogar noch besser. Macht richtig Spaß dem Zusammenspiel von Joe und Chick in diesem treibenden Rocker zuzuhören.
Ja, natürlich ist Working On The Road auch mit drauf und Publikum wie CD-Hörer freuen sich, diesen galoppierenden Titel wieder zu hören. Wenn jemand einen Anspieltipp zu diesem Album braucht: Hier ist er.

Natürlich ist Joes Spiel gespickt mit den Trademark-Licks und -Riffs von Alvin Lee, aber da kommt weder er noch wir dran vorbei: Das gehört nun mal zum Mythos TEN YEARS AFTER. Vom puren Kopieren aber ist Joe Gooch meilenweit entfernt. Dazu hat er viel zu viel Talent und eigene Ideen.
Ganz offensichtlich war das Publikum hier bei bester Laune, was ihm nicht zu verdenken ist. Mit welchem Elan sich die Band und natürlich vor allem Ric Lee in The Hobbit stürzen, ist schon ungeheuer anmachend. Ich halte im Konzert schon nicht viel von Drum-Soli und entsprechend auf Konserve noch weniger und doch schafft es Ric Lee mit seinem Solo meine Aufmerksamkeit oben zu halten. Hut ab, der Herr!
Ich kann mir nicht helfen, dieses Teil macht Spaß und nach dem Rock'n'Roller Living It Up werde nicht nur ich flugs die zweite CD einwerfen.
Da wird man denn auch gleich mit einem aufbrodelnden Love Like A Man bestens empfangen. Klar Sache, dass hier wieder ausgiebig soliert wird bis die Funken aus dem CD-Player fliegen. Neu im Set auf der letzten Tour hatten TYA das mit akustischer Gitarre beginnende I'd Love To Change The World, welches sich aus seinem folkigen ersten Teil zu einer Gitarren-Eruption wandelt, in der Joe Gooch ein weiteres Mal glänzt.
Zwei weitere Titel vom letzten Studio-Album sind mit Time To Kill und Reasons Why vertreten. Bei ersterem muss man im Intro an NAZARETH denken. Deren Manny Charlton konnte Songs mittels Rückkopplungen ähnlich gut einleiten. Wie gehabt entfernt man sich hier etwas von den Blues-Wurzeln, aber die Soli halten die Zuhörer bei der Stange.
In dem fast 1/4stündigen Can't Keep From Crying Sometimes brennt, nach bekannt bluesig-langsamen Beginn, erneut die Luft. Joe Gooch lässt ein paar Läufe aus seinem Jazz-Kästchen vom Stapel und wenn die Band richtig am kochen ist, zitiert man kompetent eine Anzahl Musikerkollegen, von CREAM über Hendrix und AEROSMITH bis zu DEEP PURPLE. In so kurzen Auszügen macht das durchaus Laune, ist nicht nur zur Selbstdarstellung geeignet.
Klar, da muss I'm going Home hinterher kommen.

In der Zugabe mit Reasons Why einen der neuen Songs und keinen Klassiker zu präsentieren, spricht für das Selbstbewusstsein dieser Band. Tatsächlich ist der Titel aber auch bestens geeignet, kurz vor Schluss noch mal richtig Power zu machen und das, wahrscheinlich doch nicht mehr so junge Publikum zu neuer Euphorie zu treiben.
Dessen Rufe nach Choo Choo Mama werden nahezu umgehend erhört und schon geht's wieder in die Vollen. Gallagher-Fans, die auf Messin' With The Kid abfahren dabei? Das ist ein Titel für euch!

Also mir gefällt "Roadworks" richtig gut, sowohl was Songs als auch Interpretation und Rüberbringen der Live-Atmosphäre angeht.
Kritikpunkte? Gut, der Anfang von Hear Me Calling ist mir etwas zu lässig runtergespielt und I'm Going Home, ich kann nicht anders, ist mir in der Woodstock-Fassung immer noch am liebsten. Ansonsten rockts bestens und über die ganze Spielzeit ist für beste Unterhaltung gesorgt. Wenn man Blues-Rock mit z.T. langen Gitarrensoli mag.

Epi Schmidt, 31.08.2005

 

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