Ten Years After

Watt


CD-Review

Reviewdatum: 19.05.2008
Jahr: 2008

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Redakteur(e):

Epi Schmidt


Watt, EMI, 2008 (Chrysalis, 1970)
Alvin LeeGuitar, Vocals
Leo LyonsBass
Chick ChurchillKeyboard
Ric LeeDrums
Produziert von: Chris Wright Länge: 38 Min 29 Sek Medium: CD
01. I'm Coming On05. The Band With No Name
02. My Baby Left Me06. Gonna Run
03. Think About The Times07. She Lies In The Morning
04. I Say Yeah8. Sweet Little Sixteen

Fragt mich nicht, warum "Watt" jetzt wiederveröffentlicht wird. Vielleicht will man dem 40. Bandjubiläum - immerhin noch drei Originalmitglieder, wie viele können da mithalten? - vom letzten Jahr noch was hinterher schleudern. Okay das Teil war wohl bisher nur als Japan-Import erhältlich und man hat auch am Sound noch mal herumgemastert, sodass, zumindest gegenüber meiner Vinylausgabe, deutliche Klangverbesserungen zu verzeichnen sind.
Bonustracks hat man sich allerdings gänzlich erspart, sodass eine halbe Stunde Spielzeit kaum überschritten wird. Na ja, wer hört sich heute noch ein Album am Stück an?
Jetzt ist "Watt" auch nicht unbedingt der TYA-Klassiker. Keiner der großen Hits, wie Love Like A Man, I Can't Keep From Cryin', Hear Me Calling oder gar I'm Going Home ist hier zu finden und doch hat das Teil seine Faszination, ja ist vielleicht das abwechslungsreichtste Album der Band.
Los geht's mit treibendem Blues-Rock, ganz im Stil der Zeit. Schon hier wird deutlich, welch ungeheure Bedeutung Leo Lyons Bassspiel für die Band und ihren Stil hatte und immer noch hat. Mir war ein Alvin Lee jederzeit lieber, als ein Hendrix. Schon allein, weil viel mehr Rock'n'Roll in dem Mann steckte. Natürlich finden sich im ausgedehnten Solo schon einige seiner Trademark-Licks. Soo innovativ war der Mann nicht, aber was er konnte, das konnte er. Erinnert mich auch etwas an GRAND FUNK RAILROAD.
My Baby Left Me hat nix mit Elvis Presley zu tun, sondern ist ein, zunächst gemächlicher, folkrockiger Song, der bald Fahrt aufnimmt und immer weiter stürmt. Das Riff ist wohl bei Bonnie Moronie geklaut und transportiert die Nummer zu immer neuen Höhen, in die sich Alvin Lee sowohl gesanglich als auch gitarristisch immer mehr reinsteigt und ein echtes Live-Feeling zelebriert. Allein dieser Song rechtfertig den Kauf des Albums. Das richtige für Johnny Winter-Fans. Über die Snythie-Spielerei am Schluss kann man heute nur müde lächeln.
Bei Think About The Times darf Chick Churchill etwas klassisch inspiriertes Klavier unter Lees Beatles-Gitarre legen. Da hängt man mit dieser Ballade noch sehr in den 60ern, mit all dem Psychedelic-Kram, der dazu gehörte. Nichtsdestotrotz auch heute noch eine gute Nummer.
Etwas in die Richtung von Hendrix, rückt man mit I Say Yeah, setzt auch ein paar Effekte ein, aber bleibt doch mehr dem Rock verbunden. Auch diese Nummer ist zum hemmungslosen Abgrooven bestens geeignet. Vor allem wenn sich die Band in den Solopart stürzt; beginnt sich alles immer schneller zu drehen und aufzuschaukeln. Abgefahr'n!

Die zweite Seite - so war's bei der LP - beginnt mit Alvin Lees ganz eigenem Spaghetti-Western Soundtrack-Instrumental: The Band With No Name. Könnte man problemlos in jedem Sergio Leone Film unterbringen und der stilechte Schuss ertönt auch. Dauert allerdings bloß anderthalb Minuten.
Mit Gonna Run begeben sich TYA zunächst in einen ihrer typischen Grooves, bevor Leo Lyons das Tempo, mit rasanten, jazzigen Läufen stark anzieht. Darüber kann Alvin Lee natürlich ebenso brillant solieren, wie sein Kollege Chick Churchill über die Tasten fegen kann. Könnte man sich noch einiges länger anhören.
Gleich darauf führt She Lies In The Morning wieder zum Beat und Folkrock der 60's und lässt Woodstock und Easy Rider Feeling aufkommen. Die kleine 'up-speed' Spielerei zwischendurch lies man sich nicht nehmen, um in einen völlig anderen Groove zu geraten und wieder mehr psychedelisch abzudriften. Hat stellenweise was von WISHBONE ASH zu "Pilgrimage" Zeiten.
Am Ende, weiß der Teufel warum, gibt's noch eine, relative Hauf-Drauf, Live-Version von Chuck Berrys Sweet Little Sixteen, die wohl viele Bands so nicht auf Platte rausgebracht hätten, aber ich schätze eigentlich genau das an der Band. Da wird auch mal geradeaus gerockt und einfach Spaß verbreitet. Als Basis für einige Soli langt's allemal und Stimmung beim Publikum wird offenbar auch entfacht.
Ich halte "Watt" durchaus für ein gutes Album und eine gute Anschaffung, zumal es die Scheibe relativ preisgünstig geben dürfte. Wer noch nicht hat, der darf jetzt wollen. Oder, anders gesagt: "Watt" mutt, dat mutt!

Epi Schmidt, 19.05.2008

 

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