The Amber Light

Play


CD-Review

Reviewdatum: 28.03.2008
Jahr: 2008

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Redakteur(e):

Jürgen Gallitz-Duckar


Play, Superball Music / SPV, 2008
Louis GabbianiVocals, Guitar, Keyboards
Rabin DasguptaBass
Jan SydowGuitar
Gäste:
Robert FischerDrums
Peter EdererDrums
Produziert von: Jean-Michel Tourette & Jens Nickel Länge: 49 Min 59 Sek Medium: CD
01. Moody (5:55)07. Fire Walk With Me (2:41)
02. All Over Soon (3:29)08. Still Going Nowhere (3:43)
03. Waste (3:12)09. Does It Ever Get Better (3:07)
04. Drake (5:24)10. Play (3:48)
05. Never Fade Out (3:23)11. No Love Lost (6:06)
06. The Deep Twist (4:51)12. ...And Then It Stopped Raining (4:15)

Oh oh, don't judge a book by it's cover - heißts ja immer und man versucht das auch tapfer so handzuhaben, denn Vorurteile gehören sich nicht, das hab ich schon im Kindesalter gelernt. Es gibt aber manche Cover, da blinken meine jahrelang geschulten Alarmlampen im wilden Flackerlicht. Allerwelts Pop-Rock irgendeines Major-Labels, das damit Kunst signalisieren will. Erster Eindruck. Der tiefsinnige Titel Play ist ein weiteres Zeichen, das mir sofort Magengrummeln verursacht.

Goodbye To Dusk, Farewell To Dawn hieß schön poetisch ihr bisher letztes (und erstes) Album aus 2004. Ein Jahr später kam noch die Stranger & Strangers EP mit dem großartigen Titelstück. Und ganz davor, im Jahr 2002 gabs die Debut-EP mit dem noch klangvolleren Titel As They Came They Slightly Disappeared. Und nun heißts Play. Dieser hilfreichen Anleitung folg ich jetzt einfach mal und drück den Knopf der für das Wort steht.

Knapp sechs Minuten später: Modern, eingängig, rockig-belanglos, schick. Für so ne stylishe Bar was Feines, wenns mal Rock sein soll. Ich guck nochmal im Waschzettel ob das AMBER LIGHT sind, aber bis auf die Tatsache, dass Drummer Peter Ederer nun nur noch als Gastmusiker aufgeführt wird hat sich nix getan. Fairerweise möchte ich aber gleich hinterherschieben, dass das Stück Moody schon zu den besseren gehört, kann man gut mal beim Duschen nebenbei hören. Der Rest der Stücke läuft ganz ordentlich gezähmt dann so dahin. Alles ganz nett, ganz eingängig aber solche Musik hat das Verfallsdatum schon aufgedruckt. Das sind eher Gebrauchs- denn Genußklänge, in die du dich reinwühlen musst, die du dir erarbeitest damit sie dir so richtig ans Herz wachsen. Das hier kramst du nicht nach Jahren nochmal raus, weil da ein paar besonders saugute Stücke drauf sind. Denn in ein paar Jahren hast du hundertfach solche Stücke wie hier woanders schon wieder gehört. Hier passiert einfach nix besonderes. Rock wie er heute so üblich ist im Radio, in MP3 Playern oder im Tatort, wenn mal der Kommissar in der hippen "Jungen Szene" ermitteln darf.

Veränderung ist wichtig und nach so langen Jahren Pause welche die Herren hinter sich gebracht haben auch logisch. Wenn aber dann derart Durchschnittsklang dabei herauskommt bleibt nur Enttäuschung. Eine sehr hohe Erwartungshaltung des Rezensenten war hier zweifelsohne vorher vorhanden, hielte ich doch sowohl das Debut, ihr erstes Album und die zweite EP für so gut, dass ich Freunden gegenüber von der größten deutschen New-Art Rock Entdeckung geredet hatte, damals. Und wenn jetzt was komplett Neues aber kreativ Spannendes herausgekommen wäre, wär ich der Letzte der sich darüber nicht freuen könnte. Pop und Art-Rock gehen durchaus wunderbar zusammen, siehe die großartigen Kollegen PINEAPPLE THIEF oder ARCHIVE, die erst auf dem jüngsten Album etwas zuviel pop-schwächeln. An sich aber gibt es in beiden Fällen Anspruch, Atmosphäre und Ohrwurm.

Leider ist dergestalt hier nix vorhanden. Fast alles läuft brav und schön dezent rockig-poppig rein und wieder raus aus dem Ohr. Könnte auch bei "Tor der Woche" in der Samstags-Sportschau als Hintergrundberieselung laufen. Richtig auffällig sind nur die beiden Schlußstücke. No Love Lost ist ein schleppend elektronischer, sehr guter Art-Rock Brocken, der den schon erwähnten ARCHIVE ebenso gut zu Gesicht stehen würde. .And Then It Stopped Raining eine mit elektronischen Schlieren verwaschene Ballade für die Nacht. Sie habens also nicht verlernt das mit den guten Songs, schlugen aber lieber den Gefälligkeitsweg ein.

Produziert hat das hier übrigens Jean-Michel Tourette, der Gitarrist der Band WIR SIND HELDEN. Ob das nun der Grund für diesen Kommerzschwenk war ?

No more heroes anymore !

Please !

Jürgen Gallitz-Duckar, 28.03.2008

 

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