The Bottle Rockets

24 Hours A Day

( English translation by Google Translation by Google )

CD-Review

Reviewdatum: 04.09.2008
Jahr: 1997

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The Bottle Rockets Homepage



Redakteur(e):

Christian Gerecht


24 Hours A Day, Atlantic, 1997
Brian HennemanVocals, Guitars
Tom ParrGuitars, Vocals
Tom V. RayBass
Mark OrtmanDrums
Produziert von: Eric "Roscoe" Ambel Länge: 41 Min 06 Sek Medium: CD
01. Kit Kat Clock08. One Of You
02. When I Was Dumb09. Perfect Far Away
03. 24 Hours A Day10. Waitin' On A Train
04. Smokin' 100's Alone11. Dohack Joe
05. Slo Toms12. Rich Man
06. Indianapolis13. Turn For The Worse
07. Things You Didn't Know

Heiland, was war das für ein Kracher, als 1996 bekannt wurde, dass die BOTTLE ROCKETS einen Deal mit Atlantic in der Tasche hatten. Wer hätte das von dieser kleinen, bis dahin völlig unbeachteten Band aus (damals noch) Festus/MO. gedacht?!
Ich muss offen gestehen, dass mir damals nicht so ganz wohl bei der Sache war, denn immerhin hatten die BOTTLE ROCKETS mit ihrem liebenswert-schnodderigen Roots-Alt.Country-Rock eine ganz eigene Nische geschaffen, die es m.A. nach zu verteidigen galt!
Die Anfänge der Band reichten ja bis UNCLE TUPELO zurück, bei denen Brian Henneman zunächst als Rowdie, dann als Gitarrist einsprang. Mit Gründung der BOTTLE ROCKETS (1992) gelang es Henneman von Beginn an eine deutliche Distanz zu seinem ehemaligen Brötchengeber herzustellen. Sein Grundsatz lautete "weniger ist mehr" und das schlug sich auf wunderbare Weise in einem überaus klaren und doch knorrig-rauen Sound und herrlich schnodderigen Texten nieder.
-Ob all das mit dem Major-Deal bei Atlantic zu halten war...?
Um es vorwegzunehmen: Es war! Die BOTTLE ROCKETS scherten sich einen Dreck um die möglichst Radio kompatiblen Vorgaben des neuen Labels. Sie machten das, was sie von 1993 an gemacht hatten: Bottle Rockets Music!

Natürlich bestärkte dieser Deal die Band ungemein und da es den Jungens ohnehin nie an Kreativität mangelte, kam es nicht von ungefähr, dass "24 Hours A Day" zu einem wahren Klassiker im BOTTLE ROCKETS Repertoire wurde!

Das Album beginnt mit einem regelrechten Gute-Laune-Song: Kit Kat Clock! Ein Take der Couleur, mit dem einige die BOTTLE ROCKETS oftmals und fälschlicher Weise zur "Bar-Band" abstempelten.
Das nächste Take (When I Was Dumb) wurde aus dem Stand heraus zu einem echten Klassiker der Band und fehlt auch heute bei keinem Konzert. Eine feine, nachdenkliche, aber immer straight nach vorne losgehende Nummer.
Ebenfalls ungemein nach vorne losgehend ist der rockige Titeltrack, der so gar nichts mit dem Begriff Alt.Country zu tun haben möchte. Einfach nur geil!
Ihm folgt mit Smokin 100's Alone eine der schönsten Balladen der Band. Ein wunderschönes Stück, sparsam instrumentiert, mit einfühlsamen Text und deshalb auf den Punkt nachzuvollziehen. Absolut glaubwürdig, absolut fantastisch!
Danach der nächste Klassiker: Slo Toms! Eine krachende Hommage an die Lieblingskneipe (gibt es bis heute) der Band. Deren Standort am Stadtrand von St. Louis, zwischen Tanklager, Schrottplatz, Anschlussgleisen, dem Fluss und typisch amerikanischer Vorstadtbebauung verdeutlicht mehr als alle Worte den Musikstil der BOTTLE ROCKETS!
Nach dieser mächtig abgehenden Nummer scheint erstmal keine Steigerung mehr möglich. Doch erfolgt die postwendend mit der großartigen Trucker-Hymne Indianapolis! Dieses Take ist auch heute noch die Nummer, die ich jedem, der mal einen BOTTLE ROCKETS Song hören möchte, durchs Ohr bollern lassen würde. Herrlich! Musik, wie auch der autobiografische Text (...is this Hell or Indianapolis?), von Henneman: Beides vom Allerfeinsten!
Mit Things You Didn't Know bewies auch Tom Parr seine Qualitäten als Songschreiber. Eine wunder, wunderschöne Ballade mit demselben, vielleicht sogar noch größeren Gänsehaut-Effekt wie Henneman's Smokin 100's alone! Dafür adelt Henneman Things You... mit einer herrlich knödeligen, dermaßen exzellent gespielten Gretsch, dass es dem Rezensenten, bei jedem Mal Hören aufs Neue, die Schuhe auszieht. Allein das Solo, mit dem der Song ausklingt, ist zum niederknien! Kurzum: Das Album ist voller Perlen, diese hier ist die Größte!

Auch Drummer Mark Ortmann verewigte sich mit einem feinen Song auf dieser CD. Sein One Of You, eine ruhige Alt.Country-Nummer, hat mehr Tiefgang, als es die 2:07 Minuten vermuten lassen. 1a!
Im folgenden Perfect Far Away geht es wieder stramm nach vorne. Das ist ein stampfender Rootsrocker wie aus dem Lehrbuch!
Waitin On A Train ist ein weiterer Klassiker der Band und steht wohl bei jedem Gig auf der Set-List. Allein für das Gespür, aus so kleinen alltäglichen Geschichten Songs entstehen zu lassen, die sowohl musikalisch als auch vom Text auf den Punkt kommen, kann man den BOTTLE ROCKETS nicht genug danken!
Das folgende Take Dohack Joe zeigt einmal mehr die Country-Wurzeln der Band auf. Kein Nashville-Geplärre, sondern eine ruhig dahintreibende, sympathische Nummer mit "Echtheitszertifikat"! Rich Man ist dagegen eine typisch Henneman'sche Minimalnummer. Eindrucksvolle Vocals, sparsamste Instrumentierung. Ein nachdenklich-ruhiges Take, das die CD, so vermutet man, langsam ausklingen lässt...
Aber weit gefehlt, denn der letzte Titel, Turn For The Worse ist wieder ein Rootsrocker in Perfektion. Besser konnte es Neil Young auch nicht. Das ist Top!

Unter dem Strich bleibt folgendes Resümee:
Die BOTTLE ROCKETS ließen sich auch vom Major-Label nicht in die Suppe spucken und machten das, was sie immer machen wollten. Genau ihre Musik!!
Dass Atlantic da nicht lange fackeln würde war abzusehen. Sie ließen die Band innerhalb kürzester Zeit fallen wie eine heiße Kartoffel. Doch auch davon ließen sich die BOTTLE ROCKETS nicht beeindrucken (siehe Folge-CD "Leftovers"). Sie zogen und ziehen ihr Ding durch!
Egal was Henneman und seine Band bisher anpackten: Es wurde genial!
Was mich nachdenklich stimmt, ist, dass bei uns kaum ein Mensch Notiz davon nimmt. Unser Leben ist inzwischen so von Kakophonie beherrscht, dass es ein wahrer Graus ist!
-Merkt das denn keiner?
Ich will hier sicher nicht als Kreuzritter zwischen Radiogesülze und Supermarktberieselung auftreten, aber es darf einfach nicht angehen, dass Bands, die sich zwischen all der Kommerz-Scheiße immer auf ihre Werte besonnen haben, untergehen wie die bleiernen Fische!

So, diese Standpauke musste mal sein!
Kommen wir aber nochmal kurz zur "24 Hours A Day", denn die ist neben der "Brand New Year" und dem "Live-Album" der beste Einstieg in die überaus liebenswerte Alt.Country-Roots-Rock-Welt der BOTTLE ROCKETS. Ein Album, wie man es kaum besser machen kann. Vielleicht ist es ein wenig ruhiger als das harte, elektrische "Brand New Year", aber ich finde, dass die Synthese aus Gute-Laune-Songs, nachdenklich-depressiven Balladen, geradeaus los rockenden Gassenhauern und wahren Trucker- und Kneipen-Hymnen den ganz besonderen Reiz dieses Albums ausmachen.
Auf den Punkt gebracht könnte man auch sagen: Atlantic wollte Mainstream und bekam "24 Hours A Day"!

...Atlantic...zzz...

Christian "Grisu" Gerecht, 04.09.2008

 

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