The Bottle Rockets

Bit Logic


CD-Review

Reviewdatum: 31.12.2018
Jahr: 2018
Stil: Roots Rock, Americana

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Redakteur(e):

Epi Schmidt


The Bottle Rockets
Bit Logic, Blue Rose Records, 2018
Brian HennemanVocals, Guitars
John HortonGuitars, Slide
Mark OrtmannDrums, Percussion
Keith VoegeleBass, Vocals
Additional Musician:
Eric AmbelGuitars, Keyboards, Vocals
Produziert von: Eric "Roscoe" Ambel Länge: 37 Min 14 Sek Medium: CD
01. Bit Logic07. Human Perfection
02. Highway 70 Blues08. Knotty Pine
03. Lo-Fi09. Way Down South
04. Maybe Tomorrow10. Doomsday Letter
05. Bad Time To Be An Outlaw11. Stovall's Grove
06. Saxophone12. Silver Ring

Heutzutage ist es für eine “kleine Band“ nicht unbedingt einfach, die Kosten für ein neues Album zu stemmen, aber mit den vereinten Kräften von Fans und Freunden haben es THE BOTTLE ROCKETS (auch wenn das “The“ inzwischen meist wegbleibt) geschafft, nach dem wunderbaren “South Broadway Athletic Club“ von 2015, einen Nachfolger einzuspielen. Die Unterstützer finden ihren Namen denn auch im Booklet aufgelistet.
Für mich – bekennender Fan der Band – war bisher noch jedes ihrer Alben gut bis sehr gut. Selbst Scheiben wie “Zoysia“, die man vielleicht nicht als Erste aus dem Regal zieht, haben ihre Qualitäten mit der Zeit offenbart und die Klasse der Band mit einem weiteren Ausrufezeichen versehen. “Bit Logic“, ihr neuestes Werk, braucht evtl. auch ein klein wenig Zeit.
Das liegt am modernen Cover (Clint Eastwood im PC-Spiel?), dem Namen des Albums (erwartet man nicht unbedingt Roots Rock dahinter) und auch am ungewohnten Sound.
Produziert erneut von Eric “Roscoe“ Ambel (der Mann IST eine Legende, Original-Gitarrist von Joan Jett & The Blackhearts, Mitglied bei den YAYHOOS und Produzent zahlloser großartiger Alben), überrascht zunächst der Sound, der von Effekten (Phaser, Chorus) stark verfremdet wird. Der Titelsong erinnert mit der Zeit etwas an die BEATLES Mitte der Sechziger Jahre, aber der Stil ist – allein schon wegen Brian Hennemans einzigartigem Gesang – gewohnter Country-Roots Rock. Und so gewöhnt man sich auch sehr schnell an diese munter sprudelnde Nummer, deren Refrain auch sehr schnell ins Ohr geht.

Der Highway 70 Blues präsentiert genau den Stil, weshalb die BOTTLE ROCKETS so genial sind. Brian Henneman braucht nichts, als eine Gitarre die auf ein, zwei Saiten einen Rhythmus vorgibt und schon fesselt er allein mit seinem Gesang und dem Text den Hörer und erzeugt einen einmaligen Spannungsbogen, der unmissverständlich klar macht: Hier ist man die nächsten Minuten bestens unterhalten!
So auch hier: Gang einlegen, Kupplung langsam kommen lassen und ab rollt die Zugmaschine. Mark Ortmann und Keith Voegele lassen den Motor schnurren und John Horton wirft herrlichste Country-Licks mit beiden Händen von der Ladefläche. Dem Song prognostiziere ich schon jetzt eine glorreiche Live-Karriere.
Man kann sich ja kaum eine bessere Reisebegleitung denken als die Musik der BOTTLE ROCKETS und Hennemans Texte. Lo-Fi demonstriert das wieder einmal unnachahmlich. Spätestens beim zweiten Refrain ist man in dieser Halb-Ballade dabei, wenn sich Henneman in seiner ihm eigenen Art nach dem Sound von 1972 zurücksehnt.
Maybe Tomorrow ist eine weitere Country-Roots-Nummer, die uns auf der Fahrt über den Highway begleitet und in gute Laune versetzt. Und ähnlich ergeht es uns bei Bad Time To Be An Outlaw. Leicht funky aber auch mit wundervollen Chicken-Pickings und etwas ungewohnten Sounds versehen, kommt man nicht umhin hier mitzugrooven. Der Song spielt auf den Country-Outlaw Merle Haggard an, wie man überhaupt, wie gewohnt, bei den Texten genauer hinhören sollte. Henneman und Kollegen sind auf der Suche, wie man in der aktuellen Zeit leben und diese - mit der Hoffnung auf eine bessere Zukunft – ohne zu Verzweifeln übersteht, die Vergangenheit aber bewahrt. Vor allem musikalisch.

Bassist Keith Voegele hat Saxophone mitgeschrieben, ein Saxofon kommt allerdings nur im Text vor und Henneman macht dieses sparsam instrumentierte, hauptsächlich von Akustikgitarren getragene Nummer zu einer zauberhaften Ballade, die einen völlig vereinnahmt.
Die halbe Scheibe vorbei und schon erscheint sie mir unverzichtbar im Gesamtwerk der BOTTLE ROCKETS. Das straighte Human Perfection, der muntere Scheunen-Schunkler Knotty Pine (wieder herrlichste Country-Licks von John Horton), das kernig-rockende Way Down South und das ansteckende Stovall's Grove, allesamt prädestiniert einem eine vergnügliche Zeit zu verschaffen. Ob vor der heimischen Stereo-Anlage oder im Konzert.
Bei der Gelegenheit möchte ich mal anmerken, dass eine Live-Scheibe mal wieder dringenst angebracht wäre. Zumal die ROCKETS, Brian Hennemans Flugangst geschuldet, den Weg über den großen Teich nicht mehr finden.
Großartige Balladen, wie Silver Ring erhalten wir zum Glück trotzdem und dürfen diesen verträumt lauschen.
Also: Nicht von ein paar neuen Sounds verschrecken lassen. “Bit Logic“ ist erneut ein verdammt gutes BOTTLE ROCKETS-Album geworden und wer noch einen kleinen Musiktipp für die ersten Tage des neuen Jahres braucht, dem empfehle ich Doomsday Letter von diesem sowie Brand New Year vom gleichnamigen Album.
Prosit Neujahr!

Epi Schmidt, 30.12.2018

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