The Bottle Rockets

Lean Forward

( English translation by Google Translation by Google )

CD-Review

Reviewdatum: 04.08.2009
Jahr: 2009
Stil: Roots Rock, Alt.Country

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The Bottle Rockets Homepage



Redakteur(e):

Christian Gerecht


The Bottle Rockets
Lean Forward, Blue Rose Records, 2009
Brian HennemanGuitar, Vocals
John HortonGuitar
Keith VoegeleBass, Backing Vocals
Mark OrtmannDrums
Produziert von: Länge: 41 Min 53 Sek Medium: CD
01. The Long Way07. Kid Next Door
02. Shame On Me08. The Way It Used To Be
03. Nothin' But A Driver09. Get On The Bus
04. Hard Times10. Slip Away
05. Done It All Before11. Solitaire
06. Open Your Eyes12. Give Me Room

Wie es einstmals so kam, dass der langsam in die Jahre kommende Schreiber auf die BOTTLE ROCKETS aufmerksam wurde, wissen weder er, noch die BOTTLE ROCKETS ;-) so genau. 15 oder 16 Jahre ist das jetzt her (und große Mengen Alkoholika aus Tennessee's bekanntestem "Getränkemarkt" floss durch eine immer durstige Kehle und meuchelte dabei so manche Gehirnzelle). Immerhin war das Verlangen nach echter Ami-Musik damals riesengroß und nie wieder hatte der Rezensent sein Ohr so dicht an den USA. Es dauerte nicht lange, bis sich damals der Begriff Roots Rock etablierte und nicht weit danach, im Prinzip mit Erscheinen eines Albums Namens "24 Hours A Day", wurde die veröffentlichende Band vom hauseigenen Eichamt als Qualitätsstandard festgelegt, an dem sich alles, was irgendwie mit Roots, Red Dirt, Alt.Country oder Americana zu tun hatte, messen musste. Und auch heute noch zählt diese Musiksparte, neben Southern und Blues Rock zum Lebenselixier; sieht der Schreiber die BOTTLE ROCKETS immer noch als Maßstab allen Roots Rocks an. (Nichtsdestotrotz wird den DRIVE-BY TRUCKERS einmal wöchentlich ein Gedächtniskerzlein angezündet und für die RYAN BALES BAND lässt der olle Dampfplauderer regelmäßig eine Solo-La-Ola-Welle durch die gute Stub' rollen).
Woher all diese rückwärts gewandten Gedanken kommen? Tja, mächtig Roots Rock bollert seit Stunden durch die Boxen. Enorm Elektrischer! So elektrisch, dass der Schreiber immer wieder mit offener Klappe da sitzt. Es muss was passieren. Und zwar möglichst bald, denn Mundtrockenheit ist ein unmöglicher Zustand. Deshalb wird sich der Rezensent vorsorglich mal ein 0,2er Gebinde von, was hamma denn grad da... hach, was 'n Zufall... Jack Daniels einschenken...
So, und jetzt der Reihe nach:

Die erstgenannte Referenz-Band für Roots Rock und Alt.Country hat endlich, nach drei Jahren und jeder Menge US-Konzerte, dass lang ersehnte, neue Album am Start. "Lean Forward" heißt es doppeldeutig und ich sach' das mal gleich: Es rockt!
Für Reviews über Leib- und Magenbands zeigt sich (muss hin und wieder mal angesprochen werden) der Nachteil einer digitalen Bemusterung. Wer nun welchen Song geschrieben und welches Instrument gespielt hat, muss ich diesmal offen lassen. Beschränken wir uns also auf die Songs dieser CD und die Tatsache, dass Brian Henneman eh schon immer der Hauptsongwriter der BOTTLE ROCKETS war.
Für leichte Ernüchterung sorgte allerdings der Einstieg in den Opener The Long Way, der eine verblüffende Ähnlichkeit mit den ersten Akkorden von Kit Kat Clock (aus 1997) aufwies. Aber dann kam doch alles anders, denn The Long Way bollert, Riff hin Riff her, genauso aus den Boxen, wie eine gute BOTTLE ROCKETS Nummer bollern muss. Punkt!
Henneman's Ausstrahlung ist vom ersten Ton an geradezu spürbar, seine Stimme immer noch die beste in der gesamten Roots Rock Sparte; die Gitarren mächtig elektrisch, der Groove, den Voegele und Ortmann hinlegen, vom Feinsten. Roots-Herz, was willst du mehr!?
Weiter geht’s mit Shame On Me, ein trotzig-krachendes Take, das die Band nicht nur mit stampfenden Groove unterlegt, sondern auch mit einem herrlich schlüpfrigen Bar-Piano. Da kommt, spätestens nach dem Gitarrensolo, gleich mal eine enorme Erwartungshaltung bezüglich einer richtigen Deutschland-Tournee auf. Dabei wär's ganz schön, wenn Germany nicht nur aus Isernhagen bestünde!

Weiter mit "Lean Forward", auf der es erstmal krachend bleibt. Die BOTTLE ROCKETS stimmen ein überaus raues, geradezu fantastisches Nothin' But A Driver an. Hier arbeitet Brian Henneman sicherlich ein Stück seiner Vergangenheit auf, denn als (Fern-)Fahrer verdiente er einstmals, bevor er bei UNCLE TUPELO als Rowdie (und später als Gitarrist) einsprang, seine Brötchen. Zum Glück hat der spindeldürre Mann mit der einzigartigen Stimme danach aber genau das getan, was er tun musste: Die BOTTLE ROCKETS gegründet!
Das folgende Hard Times schließt sich von Stimmung und Inhalt weitgehend Nothin' But A Driver an. Auch hier gibt es satt eins auf die Mütze. Der funkige Einstieg, die schleppenden Riffs, ein harter Groove und die herrlich schnodderigen Vocals; da passt einfach alles! Scheint tatsächlich so zu sein, dass sich "Lean Forward" der Härte von "Brand New Year" anschließt. Klasse auch wie sich John Horton als zweiter Gitarrist immer mehr in die Band einbringt und ihr einen, irgendwie mehrdimensionalen, Stempel aufdrückt.
Mit Done It All Before schieben die BOTTLE ROCKETS eine Gute-Laune-Nummer mit leichtem Alt.Country-Einschlag hinterher. Eins dieser liebenswürdigen Takes, wie es auf jeder Scheibe der Band vertreten ist und über das man sich, außer dass man vielleicht mal ein bisschen Whiskey nachgießen könnte (was ja kein Nachteil sein muss), keine weiteren Gedanken macht.
Ganz anders dagegen das melancholische Open Your Eyes. Wie bei vielen anderen, eher getrageneren BOTTLE ROCKETS Songs lebt auch dieser Song in erster Linie durch Henneman's eindrückliche Vocals und Stimme. Nur wenige Musiker können mich derart berühren, wie er. Zwar erreicht Open Your Eyes bei weitem nicht die Intensität, wie z.B. Cross By The Highway ("Blue Sky") oder Smokin' 100's Alone ("24 Hours A Day"), aber dennoch geht der Song unter die Haut und liegt weit über dem, was uns das umtriebige Musikbizz als "sensible Ballade" auf's Ohr drücken würde.
Noch eindrücklicher: The Kid Next Door! Henneman und Voegele singen die Nummer großteils zweistimmig, was schon mal allein für einen Gänsehautschauer sorgt. Die depressive Grundstimmung des Songs und der bewegende Text lassen dann so ziemlich alle Borsten strammstehen. Dass sind die BOTTLE ROCKETS wie sie leiben und leben. 1a!
Natürlich muss nach so einem, eher bewegenden Take ein Ausgleich geschaffen werden. Voila! The Way It Used To Be brettert durch die Membranen, dass es eine wahre Freude ist. Seit "Brand New Year" hat die Band nicht mehr so auf die Kacke gehauen. Fett elektrisch, mit sattem Groove und gebotener Härte zeichnet sich der Song als regelrechte Glanznummer aus!
Mit einer (dezenten) CHARLIE DANIELS Gedächtnis-Fiedel wartet der überaus witzige Alt.Country Song Get On The Bus auf. Henneman schnoddert die Nummer so herrlich vor sich hin, dass man ihn, auch als ein, der Band nicht unbedingt gewogener Hörer, einfach lieb haben muss. Kannste sagen was'de willst: Die Herrschaften können nicht nur exzellent musizieren, sie bringen auch eine ganze Menge Ironie/Sarkasmus, Charme, aber auch Sehnsucht, Melancholie und Tristesse in ihre Texte ein. All diese Facetten, die in so unglaublich fein nuancierten Song-Novellen zu tragen kommen, sind genau das, was die BOTTLE ROCKETS (für mich) so einzigartig macht. An American Dream of Music!
So, Endspurt! Wo war'n wir noch gar nicht?! Richtig: Karibik! War'n wir da überhaupt schon mal? Egal, die BOTTLE ROCKETS nehmen uns mit auf eine imaginäre Reise Namens Slip Away. Die Nummer hat mit gut zweieinhalb Minuten perfektes Single-Format und diese Zeit nutzen Henneman und Band für einen sympathischen Gute-Laune-Trip. Allein die feine Hammond (vmtl. von Eric "Roscoe" Ambel gespielt), die hier zwischen jeder Ritze des Songs hindurch blubbert, ist aufmerksames Zuhören wert. Erstaunlich, wie wandlungsfähig die Band inzwischen wurde. Songs wie diesen oder auch das richtig funkige I Quit vom Vorgängeralbum "Zoysia" hätte man ihnen vor zehn Jahren nicht zugetraut.
Beim eher nachdenklichen Solitaire schaltet die Band ein, zwei Gänge zurück. Wir hören eine dieser absolut typischen Balladen, die Henneman wie auf den Leib geschrieben sind und die den Rezensenten wehmütig an die frühen LITTLE FEAT erinnern. Herrgott, was waren Brides Of Jesus, Trouble oder Long Distance Love für Perlen; was konnte LOWELL GEORGE für einzigartig-sensible Songs schreiben - und wie nahe kommt ihm, mit den Jahren immer mehr, Brian Henneman! Irgendwie stellt sich hier das ganz manifeste Gefühl ein, dabei zu sein, wie sich ein sehr früh begonnener und lange unterbrochener Kreis langsam wieder schließt...
"Lean Forward" endet mit Give Me Room. -Und den sollen sie haben. Henneman genauso, wie Mark Ortmann, Keith Voegele und vor allem auch John Horton. Denn dadurch entstehen solche leicht vor sich hin köchelnde Songs, von denen der Freund der Band niemals genug bekommen kann. Bei Give Me Room sind es stampfende Rhythmen, rezitativ-ähnlicher Gesang und eine paar feine Gitarrensoli, die den Hörer ans Gerät bannen. Mit der Ausdrucksstärke eines Brian Henneman versehen, reicht so eine Nummer aus, um Millionen an potentiellen (und geistig verwirrten) DSDS-Anwärtern in die Wüste zu schicken. (Oh Herr mögen sie dort verbleiben, ihrem Guru -dessen Name hier, der Rechte wegen, nicht ausgesprochen werden darf- huldigen und nie mehr wiederkehren)!

Eine Zusammenfassung für "Lean Forward" ist bei der Qualität dieser Scheibe keine große Sache. Jeder Song des Albums ist (wie immer eigentlich) eine Perle. Manchmal eine große runde von herrlicher Ausstrahlung, manchmal eine eher kartoffelförmige, die ihren Reiz erst bei mehrmaligem Betrachten (bzw. Hören) offenbart. Jede dieser Perlen erzählt kleine, meist unkapriziöse, manchmal überaus ironische, machmal aber auch zu tiefst bewegende, ja gänzlich melancholische Geschichten. Die Kunst Henneman's, alltäglich passierende Augenblicke festzuhalten und darüber diese herrlich schnodderigen Songs zu schreiben, rückt ihn ganz ganz nah an die ganz großen amerikanischen Songwriter in deren goldenen Hallen heran. Bei seiner Bescheidenheit könnte es aber durchaus passieren, dass sich der olle Knitterkopp mit irgendeiner seiner alten Gitarren in ein billiges Hotel-Zimmer zurück zieht. Eins neben irgendeiner, im 10-Minuten-Takt vorbei ratternden, Hochbahn oder eins mit Blick auf einen tristen Hinterhof; voll gestellt mit Mülltonnen und Sperrmüll. Hier finden Brian's Gedanken vermutlich am ehesten den Stoff, der in dem Einen oder Anderen Song verbraten werden könnte. Der Rest, da bin ich mir ziemlich sicher, entsteht auf der Veranda seines Hauses. Dort, wo man sich Abends mit einem "Zweifachen auf Eis" in den Schaukelstuhl fläzt, die Beine hochlegt und die Gedanken beim großen Konzert der Grillen und Zikaden fliegen lassen kann.
Wer nun immer noch nicht begriffen hat, wie die Welt der BOTTLE ROCKETS funktioniert, der darf und sollte sich trotzdem an dieses feine Album heran trauen. Die Gedanken, die ich seit ungefähr zehn Minuten verstreue, lassen sich von jedem, der sich in diesen kleinen, feinen, manchmal schönen, manchmal aber auch depressiven Mikrokosmos Namens "Lean Forward" hinein hört, nachvollziehen. Einfach nur trauen, es funktioniert!
Für alle, die die BOTTLE ROCKETS seit Jahren begleiten, muss man im Grunde nichts weiter sagen als: Wunderbares Album; könnt ihr blind kaufen!

Christian "Grisu" Gerecht, 03.08.2009

 

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