The Chambers Brothers

The Time Has Come

( English translation by Google Translation by Google )

CD-Review

Reviewdatum: 13.08.2008
Jahr: 2003

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Redakteur(e):

Christian Gerecht


The Time Has Come, Columbia/Sony Music Entertainment, 1967/2003
George ChambersVocals, Bass
Joe ChambersVocals, Gitarre
Lester ChambersGitarre, Harmonica, Vocals
Willie ChambersVocals, Gitarre
Brian KeenanDrums
Produziert von: 1967: David Rubinson, 2003: Bob Irwin Länge: 55 Min 08 Sek Medium: CD
01. All Strung Out Over You08. Please Don't Leave Me
02. People Get Ready09. What The World Needs Now Is Love
03. I Can't Stand It10. Time Has Come Today
04. Romeo And Juliet11. Dinah [Bonus] (Mono)
05. In The Midnight Hour12. Falling In Love [Bonus] (Mono)
06. So Tired13. Love Me Like The Rain [Bonus] (Mono)
07. Uptown14. Time Has Come Today/Single Version [Bonus] (Mono)

Es begab sich (oh je, wenn 'n Review schon so anfängt...) Mitte der 1950er Jahre herum, als sich die vier Brüder George, Joe, Lester und Willie Chambers aus Lee County/Mississippi mitsamt ihrer Restfamilie in Richtung Los Angeles aufmachten um dort ihr Glück zu versuchen.
Vornehmlich die vier Brüder setzten große Hoffnungen in den Ortswechsel, wollten sie doch, mit ihrem, über viele Jahre erlernten und Chor-erprobten, Harmoniegesang in L.A. ihren Deal machen. Natürlich war das außerhalb des schwarzen Ghettos nicht so ganz einfach, doch kam ihr Folk- und Gospelbetonter Soul innerhalb der damaligen Musikszene relativ gut an. Schon 1961 erfolgten erste Auftritte außerhalb des Ghettos, womit sich die Brüder eine gewisse Reputation sichern konnten.
Mitten in der Zeit der Blumenkinder, in der alles in Bewegung war und sich scheinbar alles auf den Kopf stellen ließ, stieß der in New York geborene, ex Manfred Mann Schlagzeuger Brian Keenan als einziger Weißer zu den vier Brüdern. Ob er nun den Knackpunkt innerhalb des Musikkonzepts der Brüder darstellte, lässt sich nicht mehr so genau feststellen. Auf jeden Fall änderte sich der bisherige, eher Gospel-orientierte Stil der Brüder zu Gunsten einer (nennen wir es mal) düster dahin stampfenden Soul-Beat-Rock-Mixtur.
-Und das funkte! Es funkte und funzte ganz gewaltig, denn beim Newport Music Festival 1965 gelang den schwarzen Brüdern mit dem weißen Drummer, deren Sound sich ein wenig den bekannten SLY AND THE FAMILY STONE angenähert hatte, der große Durchbruch.
Innerhalb kürzester Zeit hatten die CHAMBERS BROTHERS beim kleinen Label Vault ihre ersten Plattenaufnahmen unter Dach und Fach. Anfangs coverten sie noch Soulstandards und verbanden sie mit ihrem gelungenen Harmoniegesang und den o.g. Beat- und Rock-Rhythmen. Ihre erste Single, "People Get Ready" erschien noch 1965 und erzielte mit ihren schleppenden, düsteren Rhythmen durchaus eine gewisse Aufmerksamkeit.
Mit "The Fabulous Chambers Brothers" folgte 1966 die erste LP der Band, die sich von da an immer mehr in Hippie-Kreisen bewegte und sich musikalisch immer tiefer in gelungene, geradlinige Psychedelic-Elemente verstrickte.

Überhaupt: Was Psychedelia anbelangt, waren die CHAMBERS BROTHERS die ersten Schwarzen, die sich intensiver diesem Stil zu wandten. In der Welt der "Blumenkinder" fand solch lust- und harmoniebetonte Psychedelia immer mehr Freunde. Das Ansehen der Band, die sich immer mehr, vor allem kleidungstechnisch, in die Hippiebewegung zu integrieren wusste, stieg. Natürlich blieb das eher suboptimale musikalische Vermögen der Brüder nicht unentdeckt (sie waren nun mal nur "Chorknaben"). Dennoch waren die CHAMBERS BROTHERS mit ihrer Musik damals so nah am Zahn der Zeit, dass sie kurz darauf samt ihres Schlagzeugers zu Columbia Records wechseln konnten. -Was für ein Deal!

Für Columbia arbeiteten die fünf Musiker 1967 ihr größtes Werk "The Time Has Come" aus. Ihre Soul-Beat-Kombi wurde dabei einerseits immer mehr von einem wahrhaft glänzenden Psychedelic-Sound durchwirkt und stampfte andererseits noch düsterer und schleppender voran.
Diese Musik-Kombination fand innerhalb der Westcoast-Szene höchste Anerkennung! Die CHAMBERS BROTHERS genossen, nicht nur innerhalb der Blumenkinder-Fraktion, in kürzester Zeit eine Reputation, die, verglichen mit den wirklich hochkarätigen Bands dieser Zeit (ich erinnere nur mal an die DOORS), fast ein wenig überschwänglich ausfiel.
Immerhin waren die Brüder auf den damaligen, oft gegebenen Festivals gern gesehene Gäste und erhielten, allerdings vorrangig wegen "The Time Has Come", überdurchschnittlich gute Kritiken.

Nun fragt sich mancher sicherlich schon unruhig, was an diesem Album denn so besonders sein könnte. Ich kann das leider nicht richtig definieren. Es ist merkwürdig: Es können drei, vier Jahre vergehen, ohne dass ich Notiz von dieser Scheibe nehme. Taucht sie dann unverhofft aus der staubigen, linken Ecke meines Musikschrankes auf, drängt sie aber mit einer dermaßenen Gewalt und Häufigkeit in den Player, dass mir das manchmal regelrecht "spanisch" vorkommt!
Es ist vermutlich diese eigenwillige Mischung aus Psychedelic, Soul, Beat und Rock, der gelungene Harmoniegesang (der hie und da auch mal kleine Gimmicks, höre z.B. Intro zu In The Midnight Hour, einbaut) und diese wirklich düstere Grundstimmung, die diesem Album zu Grunde liegt. Anders kann ich es mir nicht erklären. (Wegen all dieser Düsternis verschwindet das Album nach ein paar Hördurchgängen wieder in der staubigen linken Ecke. Verweilt dort, bis es dereinst wiederentdeckt wird).

"The Time Has Come" bietet einige kurze, im o.g. Stil überaus gelungen interpretierte Soul-Standards, die in der suizidgefährdenden Version von Mayfield's People Get Ready ihren absoluten Höhepunkt findet. Weiter bemerkenswert sind auch In the Midnight Hour sowie Uptown und What The World Needs Now Is Love. Gleichauf die erstklassigen Eigenkompositionen I Can't Stand It und vor allem So Tired!
Das Sahnestück von "The Time Has Come" wird jedoch immer das grandiose Titelstück Time Has Come Today bleiben: Ein genial arrangierter Longtrack (allein das Gänsehaut verursachende, den Takt der Zeit vorgebende Drumming, dass sich innerhalb des Songs geradezu verschärft, schrammt an der Genialitätsgrenze), der alle, wirklich alle damaligen Psychedelic-Register zieht.
Ich will nicht behaupten, dass es diese Nummer alleine war, die dieser Scheibe ihren, auch heute noch verdienten, Kult-Charakter verlieh. Aber ein so herrlich aufgebautes, verspieltes, ja lustvolles und nach vorne treibendes Psychedelic-Highlight, wie dieses findet man in der gesamten Rockmusikhistorie nicht mehr oft.

Natürlich versprüht das gesamte Album den Geist der Spätsechziger. Anders darf man es auch nicht hören, denn dann funktioniert es einfach nicht mehr. Will damit sagen, dass die angefetteten, neuzeitlichen Produktionen in Sachen Psychedelic natürlich einen vollkommen anderen Sound entfachen, als die mit einfachsten Mitteln aufgenommene "The Time Has Come".
Geht man von derlei Vergleichen unvorbelastet an die Scheibe heran, ist sie aber immer wieder ein einzigartiger Gewinn. Egal ob es der treibende Beat, der düst're Soul, der stampfende Rock, die wabernde Psychedelia oder der schöne Harmoniegesang sind: "The Time Has Come" zündet spätestens mit Take Nummer 2, der wirklich besten Version von People Get Ready die jemals aufgenommen wurde.
Und dann baut sich das Album langsam auf, bis es im düster-traurigen So Tired einen zweiten, überragenden Höhepunkt findet.
Die nächsten Nummern haben nur einen Zweck: Sie bereiten den Weg für das Masterpiece dieses Albums und halten den Spannungsbogen, den die reichlich depressiven, vorgenannten Nummern aufbauten, aufrecht.
Tja, und dann isses endlich soweit: "Tick - Tock - Tick - Tock - (Cuckoo) - Tick - Tock... Leut', dass ist als käme man von ganz weit weg zurück nach Hause; als knipste jemand nach langer Dunkelheit wieder das Licht an. Das ist Leben, dass ist Aufbruch, dass ist Tod, dass ist der Urknall, dass sind die Weiten des Universums, dass ist Wiedergeburt, dass ist Heimat.
Das ist Time Has Come Today!

Wer mit Soul und Beat nicht soviel anzufangen weiß, dem sei, ganz im Vertrauen gesagt, dass allein Time Has Come Today den Kauf dieses Albums rechtfertigt! Wer den Geist der Spätsechziger wirklich mal intensivst inhalieren möchte, dem sei vor allem die 2003 neu herausgegebene Digipack-Version von "The Time Has Come" empfohlen, denn die wartet zudem noch mit vier Bonustracks auf. Darunter auch die, nicht minder interessante, Single-Ausgabe von Time Has Come Today. Alle Bonustracks sind jedoch noch in Mono aufgenommen und werden so natürlich auch wiedergegeben. Der Vollständigkeit halber und als überaus sympathischer Gimmick wurde der CD am Ende noch der Original 1967er Werbetrailer der Columbia angehängt.

"The Time Has Come" galt Ende der 1970er Jahre als ein echter Meilenstein der Rockmusikhistorie. Als sehr frühes und sehr empfehlenswertes Psychedelic-Soul-Beat-Rock-Frühwerk kann man es sicherlich auch heute noch in diese ruhmreiche Ecke stellen.
Wem es gelingt sich ein klein wenig dem Geist der damaligen Zeit auszuliefern, von mir aus auch unter Zuhilfenahme von WOODSTOCK oder der JEFFERSON AIRPLANE Doku, der kann sich zu 100 Prozent sicher sein, dass "The Time Has Come" auch heute noch erstklassig "funktioniert".
-Wenn auch nur alle paar Jahre...
Ein Album jedenfalls, dass in jede ambitionierte Musiksammlung gehört. -Punkt!

Mit ihren weiteren Scheiben demontierten sich die Brüder letztendlich selbst. Diese LPs sind zwar heute gesuchte Sammlerstücke, bieten aber nur noch Durchschnittskost bis hinab zur Banalität. 1975 löste sich die Band, nach einigen Umbesetzungen, endgültig auf. Seit einiger Zeit versuchen sich die Brüder (ohne Keenan, der bereits 1986 verstarb) an einer Reunion. Sie sind aber nur noch ein Schatten ihrer selbst.

Christian "Grisu" Gerecht, 13.08.2008

 

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