The Heavy

Elle King

Berlin, Frannz Club, 06.11.2012


Konzertbericht

Reviewdatum: 16.11.2012
Stil: Alternative

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Redakteur(e):

Kristin Krauß


The Heavy, Elle King,
Berlin, Frannz Club, 06.11.2012

Support Acts bei Konzerten – speziell wenn diese an Wochentagen stattfinden – sind oft eher ein Ärgernis. Sie kosten Zeit und leider meist auch Nerven. Besonders ungemütlich fühlt es sich an, wenn dann der Support nicht pünktlich auf der Bühne steht. Immerhin kann man sich noch in Ruhe das ein oder andere Bier holen. Springt dann jedoch solch eine kleine dralle Blondine wie die US-Amerikanerin Elle King auf die Bühne, mit Akustikgitarre und schier unglaublicher Stimme, die irgendwas mit Folk und Rock und ziemlich direkten Texten macht, fallen einem beinah die imaginären Stöpsel aus den Ohren. Das Publikum goutiert's – von dieser Frau wird sicherlich noch zu lesen sein, wenn Anfang 2013 ihr erstes Album bei Fat Possum herauskommt.

Trotz dieser recht angenehmen Überraschung ist der eigentliche Anlass dieses aushäusigen Abendvergnügens aber nicht vergessen und als es dann endlich richtig los geht, tut es das mit einem gehörigen Paukenschlag.

THE HEAVY nehmen Berlin mit einem Handstreich ein. Sie eröffnen ihren Auftritt im kleinen, feinen, vollen, aber nicht überfüllten Berliner Frannz Club mit Can't Play Dead, dem Opener ihres aktuellen Albums "The Glorious Dead" und eigentlich ist der Verlauf des Abends in diesem Moment klar umrissen. Sänger Kelvin Swaby rennt wie infiziert von links nach rechts, er singt, springt, schwingt die Arme und das Publikum tut es ihm gleich, wie befohlen. Der Laden bebt bereits nach den ersten Takten und tut es mit steigender Frequenz bis zum Ende der Show.

Drei Alben haben die vier Briten bisher veröffentlicht, alle im wahrsten Sinne des Wortes großes Kino, welches sich auch live perfekt in Szene setzen lässt. Die unverschämt kraftvolle und tanzbare Mischung aus Rhythm 'n' Blues, Rock 'n' Roll und irgendetwas Verruchtem wird live ohne Abstriche dargeboten. Die vierköpfige Band lässt sich lediglich an den Tasten und durch zwei Baritonsaxophonisten unterstützen, ein bisschen Big Band Feeling für die rockende Meute.
Kelvin Swaby trägt mit seinem Gesang zwischen allen Stühlen satte 90 Minuten ohne Probleme die Show, singt in ein klassisches Iconic Unidyne Mic, singt in ein Megafon, lässt das Publikum singen und referiert zwischendurch beinah wie ein amerikanischer TV Prediger.

Gut die Hälfte der Songs an diesem Abend sind vom neuen Werk "The Glorious Dead", der Rest von "The House That Dirt Built" und "Great Vengeance And Furious Fire". Live und im Kontext der Animationstätigkeiten des Frontmanns wirken plötzlich alle Stücke wie Nummer 1 Hits. Zu recht treten THE HEAVY speziell auch in Bezug auf das neue Album selbstbewusst und stolz in Erscheinung. Die Wahrscheinlichkeit, diese Band noch einmal in so kleinem Rahmen zu sehen, tendiert gen Null, aber das muss keine schlechte Nachricht sein.

Kristin Krauß, 06.11.2012

 

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