The Jayhawks

Paging Mr. Proust

( English translation by Google Translation by Google )

CD-Review

Reviewdatum: 02.05.2016
Jahr: 2016
Stil: Americana, Pop

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Redakteur(e):

Holger Müller


The Jayhawks
Paging Mr. Proust, Sham Records, 2016
Gary Lourisvocals, guitar
Karen Grotbergkeyboards, vocals
Tim O'Reagandrums, vocals
Marc Perlmanbass
Scott McCaugheyguitar
Mike Millsvocals
Produziert von: Gary Louris, Peter Buck, Tucker Martine Länge: 45 Min 43 Sek Medium: CD
01. Quiet Corners & Empty Spaces07. Ace
02. Lost The Summer08. The Devil Is In Her Eyes
03. Lovers Of The Sun09. Comeback Kids
04. Pretty Roses In Your Hair10. The Dust Of Long Dead Stars
05. Leaving The Monsters Behind11. Lies In Black And White
06. Isabel's Daughter12. I'll Be Your Key

Gary Louris war schon immer der Schöngeist des Americana. Während Mark Olson einst die erdigen, akustischen Klänge in das Frühwerk der JAYHAWKS einbrachte, war Louris für die großen Melodien, die Chorstimmen, den Wohlklang verantwortlich. Zwei Meisterwerke erreichten sie miteinander, "Hollywood Town Hall" und "Tomorrow The Green Grass", dann mussten die beiden Kreativköpfe ebenso getrennte Wege gehen wie UNCLE TUPELOs Jay Farrar und Jeff Tweedy. „This town ain’t big enough for both of us…“

Seitdem rennt Gary Louris mit “seinen” JAYHAWKS dem Erfolg und der Anerkennung hinterher. Mal besser ("Smile"), mal weniger gelungen ("Sound of lies") und einmal noch mit einem kleinen Meisterwerk, dem beatleseken "Rainy Day Music". Doch immer fehlte ein bisschen die Magie der ersten Alben. Aber: Jedes neue JAYHAWKS-Album ist wie ein überraschendes Geburtstagsgeschenk - kann es das große Glücksgefühl auslösen?

Zumindest ein breites Lächeln zaubert "Paging Mr. Proust" gleich zu Beginn ins Gesicht. Quiet Corners & Empty Spaces dürfte einer jener „signature-songs“ der JAYHAWKS werden, der künftig in keinem Konzert fehlen wird. Alles ist da, was diese Band in ihren besten Momenten so einmalig macht: die an den BYRDS geschulten Gitarren, die Romantik mehrerer Stimmen, der entspannte Groove und die Erinnerung an die College-Zeiten, als auch REM und BIG STAR in den kleinen Clubs spielten und Kassetten verkauften…

Ein paar weitere Juwelen dieser Art hat "Paging Mr. Proust" noch zu bieten. In The Devil Is In Her Eyes singt Louris so melancholisch-herbstlich wie lange nicht mehr. Isabel’s Daughter hat den Front-Porch-Touch von "Hollywood Town Hall". Und Pretty Roses In Your Hair ist die Sorte Ballade, bei der man im Konzert unbedingt die Liebste ganz fest halten will, wenn Karen Grotbergs Stimme die von Louris umschmeichelt ohne dabei im geringsten kitschig zu klingen.

Aber Louris will mehr als die JAYHAWKS-Geschichte fortschreiben, er will der Welt beweisen, was für ein grandioser, vielseitiger Songwriter er ist. Und das geht in manchen Songs auch daneben – zwar mit Stil, aber dennoch. Dass Lost In The Summer klingt wie eine schlechte Kopie von THREE DOG NIGHTs Mama Told Me Not To Come, nun ja. Dass Ace allenfalls als schlechter Abklatsch eines Krautrocksongs durchgehen kann – da muss man durch. Dass Comeback Kids ein REM-Song ist, den REM vermutlich nur auf eine „Lost & Found“-Kompilation gepackt hätten – auch nicht so schlimm. Aber in Summe wird "Paging Mr. Proust" doch zu oft von Songs unterbrochen, die verhindern, dass das Album ein richtiges Meisterwerk wird.

Am Ende wollte Gary Louris wohl einfach zu viel auf einmal. Pete Buck und Tucker Martine als Co-Produzenten (und er selbst auch an den Reglern) – der Sound stimmt und ist doch uneinheitlich. Sein Interesse an Literatur als Albumtitel, der eine Referenz sein soll an Marcel Prousts „Suche nach der verlorenen Zeit“ – aber dann nimmt er diesen Faden nicht mehr auf, sondern schreibt in erster Linie Liebeslieder. Und ein Cover, das ein New Yorker Flughafenterminal aus den Sechzigern zeigt – die Sixties sind auch Teil der JAYHAWKS-Musik, aber dann eben doch nicht so richtig…

Trotzdem: Die Vorfreude auf die anstehende Tour ist groß und jene an Tom Petty angelehnten Songs wie The Dust Of Long Dead Stars dürften mit ihren Jingle-Jangle-Riffs und knackigen Gitarrensoli jeden Club in Sekundenschnelle in Ekstase versetzen.

Holger Müller, 30.04.2016

 

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