The Specials

Protest Songs 1924 - 2012

( English translation by Google Translation by Google )

CD-Review

Reviewdatum: 03.10.2021
Jahr: 2021
Stil: Ska, Reggae, New Wave
Spiellänge: 45:21
Produzent: Nikolaj Torp Larsen, Terry Hall, Lynval Golding, Horace Panter

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Plattenfirma: Island Records/Universal Music


Redakteur(e):

Epi Schmidt


s. weitere Künstler zum Review:

The Boomtown Rats

Pete Seeger

The Clash

Titel
01. Freedom Highway
02. Everybody Knows
03. I Don't Mind Failing In This World
04. Black, Brown And White
05. Ain't Gonna Let Nobody Turn Us Around
06. Fuck All The Perfect People
 
07. My Next Door Neighbour
08. Trouble Every Day
09. Listening Wind
10. I Live In A City
11. Soldiers Who Want To Be Heroes
12. Get Up, Stand Up
Musiker Instrument
Terry Hall Singing
Lynval Golding Electric/Acoustic Guitar, Singing
Horace Panter Bass Guitar, Stand-Up Bass
Nikolaj Torp Larsen Keyboards, Harmonica, Guitar, Accordion, Singing
Kenrick Rowe Drums, Percussion
Steve Craddock Electric/Acoustic Guitar, Singing
Tim Smart Trombone
Pablo Mendelssohn Flugelhorn
Jim Hunt Saxophone
Michael 'Bammie' Rose Repeater Drum
Tony 'Groco' Uter Bass Drum
Hannah Hu Guest Vocalist

THE SPECIALS wurden ursprünglich 1977 im englischen Coventry gegründet, womit man sich ungefähr vorstellen kann, in welche Richtung es musikalisch ging. Im Allgemeinen gilt 1977 als “The Year Punk Broke“, auch wenn es diese Musikrichtung schon davor gab und seine Anfänge sicher bis zu den Garage-Bands der 60er zurückreichen. Neben Punk kam aber auch die 2-Tone-Bewegung auf, die eng mit Punk, Ska und Reggae und dem, was bald als New Wave in Mode kommen sollte, verbunden war. Wie Punk steckte dieses Musik voller Energie und die Songs hatten häufig politische und/oder gesellschaftskritische Texte. Zu den Gründungsmitgliedern der SPECIALS gehörten Jerry Dummers, Lynval Golding, Terry Hall und Horace Panter.

 

Zeitweise waren THE SPECIALS Labelkollegen von MADNESS und später – nach ihrer Neugründung von UB 40. Auch musikalisch war man eng mit diesen Bands verbunden. Das Debütalbum wurde von Elvis Costello produziert und beinhaltete unter anderem die Hits Gangsters und A Message To You, Rudy. Hierzulande ist man mit dieser Musik ja selten so richtig warm geworden, aber in England kam die Band richtig gut an und hatte zum Beispiel mit Rat Race einen Top 5-Hit. Trotzdem erschienen nur zwei LPs bevor sie sich 1984 erstmals auflösten. Nach diversen Umbenennungen und Umgruppierungen erschien 1996 ein Album mit Coverversionen von Ska- und Reggaeklassikern. 2019 gelang dann mit “Encore“ das Comeback und das Album erreichte prompt Platz 1 der englischen Charts. Immer noch dabei: Golding, Hall und Horace.

 

Sah also eigentlich wieder ganz gut aus, für THE SPECIALS, aber auch hier spielte Corona bald eine Rolle. Covid-19 Erkrankungen, eine zur Untätigkeit und Abwarten verdonnerte Band, Lockdown..., und dann erschütterte der Tod von George Floyd nicht nur die Vereinigten Staaten. Politisch engagiert wie eh und je, kam die Idee auf ein Album mit Protestsongs einzuspielen. Grob sollte sich die Zeitspanne über die letzten 100 Jahre strecken und aus den ursprünglich 50 in Betracht gezogenen Songs wurden schließlich 12 ausgewählt. Und hier sind sie!

 

Zu jedem Titel gibt’s im Booklet eine kurze Hintergrundgeschichte. Der Freedom Highway ist natürlich der Weg von Selma nach Montgomery, den die Protestbewegung für die Rechte der farbigen Bevölkerung in den Vereinigten Staaten 1965 beschritt. Die SPECIALS erinnern zu Beginn an die Ursprungsversion der STAPLES SINGERS, wenden sich dann aber einer Mischung aus Boogie-Rock, Ska und Blues zu. Erinnert mich auch etwas an THE CLASH und kommt jedenfalls sehr gut. Leonard Cohens Everbody Knows spricht mich hier mehr an, als das Original. Vielleicht weil es nicht ganz so melancholisch daher kommt, hoffnungsvoller klingt. Dazu kommen die sachten Ska-Klänge auch ansprechend und laden zum Tanzen ein. Ein echter Anspieltipp.

 

Die politische Aktivistin und Songschreiberin Malvina Reynolds ist die Urheberin von I Don't Mind Failing In This World und die SPECIALS entfernen sich auch nicht so weit von ihrer Fassung. Mit I Live In The City folgt später sogar noch ein zweiter Titel von Reynolds und auch hier bleibt die Band nahe an der Vorlage, die in der Tradition der Protest-Folk-Sänger im Stile von Pete Seeger angelegt ist. Big Bill Broonzys Black, Brown And White Protest gegen die Diskriminierung von Schwarzen Amerikanern wurde weltweit schon im Unterricht über Rassismus verwendet. Bei Broonzy wird sich das sicher etwas angehört haben, die SPECIALS lassen die anklagende Nummer fast ein bisschen nach “Don't Worry, Be Happy“ klingen. Die Message geht aber nicht verloren.

 

Bereits 1924 veröffentlicht, wurde Ain't Gonna Let Me Nobody Turn Us Around und ist damit der älteste hier vertretene Song. In den 1960er Jahren griff die amerikanische Bürgerrechtsbewegung diesen Titel wieder auf. Es verwundert wenig, dass er bei Künstler/innen wie Joan Baez zu hören und von diesen aufgenommen wurde. Eine sehr bewegende Version lieferten THE FREEDOM SINGERS übrigens im Weißen Haus vor Präsident Obama und Vizepräsident Biden ab (auf den einschlägigen Video-Plattformen leicht zu finden). Und auch THE SPECIALS bringen hier eine sehr dynamische gospelmäßige Version, die bald einen gehörigen Schuss 2 Tone und Ska bekommt. Ein weiterer Anspieltipp!

Der neueste Titel hier ist Chip Taylors Fuck All The Perfect People. Zu süßlichem Pianospiel wendet sich Sänger Terry Hall im Sprechgesang, wie es im Booklet heißt “against all those people who are So. Damn. Right.“ Weitaus flotter kommt Jerry McCains My Next Door Neighbor, bei dessen flotten Boogie-Blues wieder nahe am Original gearbeitet wird. 1957 so gut wie heute noch.

 

Frank Zappas Trouble Every Day hat schon George Thorogood, auf seinem Album “Rockin' My Life Away“ gut gecovert. THE SPECIALS bieten eine lärmende Punk- und Garage-orientierte Fassung. Den Charakter von Listening Wind, der Kollegen von den TALKING HEADS, haben THE SPECIALS beibehalten, allerdings etwas “Wave“ herausgenommen und mehr “African Drum“ reingebracht. Hier wie da hypnotisch.

 

Meine Recherchen haben eine deutsche Version von Soldiers Who Want To Be Heroes gefunden, die bei Daliah Lavi dann Meine Art, Liebe zu zeigen heißt. Da fragt man sich wirklich, ob manchen Leuten gar nichts heilig ist?! Einen Protestsong, der sich gegen den Vietnamkrieg wendet skrupellos als Blaupause für ein banales Liebeslied zu verwenden. Die SPECIALS bringen ihn zwar auch geringfügig flotter als Urheber Rod McKuen, mit leichtem Irish Folk-Touch, aber erweisen sich der Vorlage würdig. Fehlen darf bei so einer Ansammlung nicht Bob Marleys (und Peter Toshs) Get Up. Stand Up. Der Versuchung, Marleys Reggae zu folgen, widersteht die Band größtenteils und lässt die Botschaft noch eindränglicher wirken, indem nur eine Akustikgitarre zu den Lyrics gezupft wird.

 

Ein bemerkenswertes Album, welches jedem Hörer zu vielen neuen Eindrücken und – womöglich – Einsichten verhilft.

 

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