The Tangent

The Music That Died Alone


CD-Review

Reviewdatum: 15.06.2004
Jahr: 2004

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Redakteur(e):

Martin Schneider


The Tangent
The Music That Died Alone, InsideOut Music/SPV, 2004
Roine StoltGuitars, Vocals
David JacksonSaxophone, Flute
Andy TillisonKeyboards, Organ
Gäste:
Jonas ReingoldBass
Zoltan CsörszDrums
Sam BainePiano
Guy ManningAcoustic instruments, Vocals
Länge: 48 Min 00 Sek Medium: CD
"In darkest dreams"9. Cantermeorabilia
1. Prelude - Time for you10. Chaos at the Greasy Spoon
2. Night terrors11. Captain Manning's mandolin
3. The midnight watershed12. "Up-hill from here"
4. In dark dreams"The music that died alone"
5. The half-light watershed13. A serenade
6. On returning14. Playing on...
7. A sax in the dark15. Pre-history
8. Night terrors Reprise16. Reprise
"The Canterburry Sequence"

TANGENT verfolgen einen interessanten theoretischen Ansatz. Man nehme drei Generationen progressiver Tonkünstler, sperre sie zusammen eine Weile in ein Aufnahmestudio und wartet einfach mal ab, was dabei herauskommt.
Natürlich steht und fällt solch ein Projekt mit den Beteiligten und, jede Wette, unter Beteiligung von Rick Wakeman, Fish und Steve Wilson wäre etwas völlig anderes entstanden, als bei TANGENT.

TANGENT sind David Jackson (VAN DER GRAAF GENERATOR), Roine Stolt (FLOWER KINGS) und der mir bislang unbekannte Andy Tillison (PARALELL OR 90 DEGREES), wobei der Chef der Blumenkönige gleich noch die komplette Rhythmussektion seiner Stammband mit ins Boot geholt hat.
Und damit ist eigentlich der spannende Ansatz des Projekts auch schon hinfällig geworden. Bei dieser geballten Konzentration an FLOWER KINGS-Mitgliedern, einer Band die bekannterweise auch eher damit beschäftigt ist die progressive Musik der Siebziger weiter zu kultivieren, schlägt das stilistische Pendel natürlich gehörig in diese Richtung aus.

So darf es nicht wundern, dass die vier Kompositionen vom Geist der Siebziger beseelt sind. An allen Ecken und Enden trifft man auf Zitate früher GENESIS und YES, hier mal ein bisschen BEGGAR'S OPERA, dort noch etwas GENTLE GIANT und oben drauf packt man dann noch eine Portion Jazz-Rock.
Wie so oft bei Produktionen dieser Art kann ich mich des Eindrucks nicht erwehren, dass es den beteiligten Künstlern mehr um solistische Selbstbeweihräucherung geht, als um für Außenstehende, sprich den Hörer, nachvollziehbare Songstrukturen.

Was TANGENT in den exakt achtundvierzig Minuten abliefern, ist spieltechnisch auf einem enorm hohen Niveau, kompositorisch allerdings äußerst schwerverdauliche Kost, die viel Geduld erfordert um mit ihr vertraut zu werden.
Lediglich das relativ straffe, immer noch siebenminütige und auch für Anhänger komplexer Arrangements befriedigende, Up-hill from here zeigt auf, was bei einer Vorgehensweise, die den Song in den Mittelpunkt stellt, für TANGENT möglich gewesen wäre.

An "The Music That Died Alone" werden sich die Geister scheiden. Für Anhänger filligranen, verspielten Siebziger-Jahre-Progs ist dieses Album eine Offenbarung. Andere werden das Album als nachhaltiges Argument betrachten, dass Punk nicht ganz zu Unrecht Mitte der Siebziger dieser Art von Musik den Todesstoß versetzen wollte, letztendlich aber scheinbar gescheitert ist.

Martin Schneider, 15.06.2004

 

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