Tito And Tarantula

Back Into The Darkness


CD-Review

Reviewdatum: 14.06.2008
Jahr: 2008

Links:

Tito And Tarantula Homepage



Redakteur(e):

Epi Schmidt


Back Into The Darkness, It-Sounds, 2008
Tito LarrivaVocals, Guitar
Lucy La LocaBass
Rafael GayolDrums
Steven HufsteterGuitar
Produziert von: Markus Praed & Martin Englert Länge: 35 Min 11 Sek Medium: CD
01. Come Out Clean06. Darkness
02. Pretty Wasted07. Murder
03. Monsters08. Not Enough
04. Dust And Ashes09. In My Car
05. Machete10. If You Love Me

Ob Tito Larriva ohne den Auftritt in Quentin Tarantinos "From Dusk Till Dawn" zu solch großer Bekanntheit gelangt wäre, ist wohl eher unwahrscheinlich. Es haben ja damals die meisten - jedenfalls hierzulande - gar nicht geglaubt, dass es sich bei diesen Gestalten um eine "echte Band" handelte, die da den Titty Twister Club mit dem passgenauen Soundtrack versorgte.
Und doch war es so und in weiteren Filmen tauchte die Musik von TITO & TARANTULA auf und sorgte für die richtige Stimmung. Man muss die Band aber live sehen/gesehen habe, um sich völlig der Faszination hingeben zu können. Man fühlt sich da wirklich wie in besagtem Club, oder sonst wo in der Unterwelt, und die freakige Band auf der Bühne zieht den Besucher problemlos in ihren Bann. Tito hat immer ein paar Frauen in der Band - und oft genug sind welche aus dem Publikum bei Songs wie After Dark mit auf die Bühne getanzt - und meist einen abgedrehten Leadgitarristen. So wie eigentlich die ganze Band ist.
Das auf Platte zu bringen ist kaum möglich und wenn "Tarantism" (1997) noch vom Filmruhm zehren konnte (und es ist wahrlich eine schweinegeile Scheibe!), so sank das Interesse der Hörer naturgemäß mit den Jahren und so oft war der Mexikaner ja dann auch nicht mehr in den Medien vertreten.
Mit "Back Into The Darkness" meldet sich die Band zurück und Come Out Clean liefert den unverkennbar typischen Stil gleich als Einstieg. Lasziv, stöhnend, nuschelnd kommen die Worte über Larrivas Lippen, während die Gitarren wummern und wabbern und man schmerzvoll verzückt zuhört. Obwohl nicht so powervoll, erinnert mich das doch etwas an Back To The House von besagtem Erstlingsalbum.

Die bereitete Stimmung wird gehalten. Atmosphärisch, psychedelisch und stark nach D-A-D, bei deren ruhigeren Stücken, flirrt Pretty Wasted äußerst haftend in die Ohrmuschel. Obercool und gar nicht so weit von den ROLLING STONES entfernt (sagen wir mal, a la Love Is Strong), kommen Tito und Band bei Monsters rüber. Lediglich Titos Gesang ist noch Schlüpfriger als bei Ol' Mick. Kommt gut!
Treibender, unterschwellig brodelnd, folgt Dust And Ashes und bringt auch ein paar härtere Sounds mit sich. Zur folkloristisch gezupften Gitarre schmeichelt sich Tito auf spanisch - meinetwegen mexikanisch - beim Hörer ein und man mag sich schon gemütlich zurücklehnen und der Fernweh frönen als in Machete plötzlich der Soundtrack zu "Kill Bill", oder einem anderen Tarantino-Gemetzel losbricht, um dann unwillkürlich in einen Leone-Spaghettiwestern zu münden. Schön und eigentlich viel zu kurz.
Erneut typisch atmosphärisch baut sich Darkness auf. Von cleanen zu verzerrten Gitarren, von gemächlich zu brutal. Da reicht man auch schon an die Punkrockvergangenheit Larrivas heran. Das setzt sich mit Murder noch stärker fort und ein paar Wave-Sounds kommen auch dazu, und trotzdem erinnert es mich auch an manch frühen Titel von Tom Petty und seinen Heartbreakers.

Schwer, drückend wie die mexikanische Mittagssonne, kriecht Not Enough über den Sand und erzeugt seinen ganz eigenen Film im Hirn des Zuhörers. Gibt es Viele, denen man in so einem schmerzlich-quälenden Song noch verzückt zuhören möchte? Ich bezweifele es.
In My Car lädt Tito ein, aber das unheilvolle Voodoo-Getrommel im Hintergrund verspricht schon keine Vergnügungsfahrt und erneut scheinen mir die STONES - diesmal allerdings mehr die Richards-Dirty-Work Zeit - nicht weit entfernt. Mit dem lockenden Backgroundgesang und wirbelnder Musik versetzten sie einen jedenfalls in einen leicht hypnotisierten Zustand.
If You Love Me beendet mit einer Mischung aus Beat, Punk, Surf und Garage das Album. Fällt mit seinem flotten Drive und fast aus dem Rahmen, bis Tito plötzlich das Tempo rausnimmt, wieder ins Spanische verfällt und zum kleinen Tänzchen auffordert. In der einen Hand das passende Getränk. Zum Schluss wird aber noch mal ordentlich Gas gegeben und den Gästen ordentlich Beine gemacht. Das dürfte auch im Konzert bestens funktionieren.
Auf den vorherigen Alben hatte die Musik Larrivas stellenweise mehr Power, aber die Fähigkeit gute Songs zu schreiben hat er nicht verloren. Nichtsdestotrotz bleibe ich dabei: Nur live im Konzert erlebt man diese Band und ihre Musik richtig. Für die Zeit bis zum Sonnenaufgang, taugt ja dann dieses Album.

Epi Schmidt, 14.06.2008

 

(C) 2008 - 2019 by Hooked on Music