Tori Amos

Night Of Hunters


CD-Review

Reviewdatum: 10.11.2011
Jahr: 2011
Stil: Neoklassik

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Redakteur(e):

Martin Schneider

Tim C. Werner


Tori Amos
Night Of Hunters, Deutsche Grammophon, 2011
Tori AmosVocals, Piano
Gäste:
Laura LucasFlute
Nigel ShoreOboe, English Horn
Andreas OttensamerClarinet
Peter WheelanBassoon
Luke WhiteheadContra Bassoon
The Apollon Musagrète Quartett
Pavel ZelejskiViolin
Bartosz ZachlodViolin
Piotr SzumiedViola
Piotr SkweresCello
Produziert von: Tori Amos Länge: 71 Min 40 Sek Medium: CD
01. Shattering Sea08. Nautical Twilight
02. Snowblind09. Your Ghost
03. Battle Of Trees10. Edge Of The Moon
04. Fearlessness11. The Chase
05. Cactus Practice12. Night Of Hunters
06. Star Whisperer13. Seven Sisters
07. Job's Coffin14. Carry

Die Ausnahmekünstlerin wirft wieder einmal alle Konventionen über Bord und veröffentlicht mit "Night Of Hunters" ein Album, das große Teile ihrer eingeschworenen Anhängerschaft überraschen und fordern wird.

Schon das Label Deutsche Grammophon gibt einen entsprechenden Hinweis: Tori Goes Classic. Inspiriert von klassischen Komponisten wie Schubert, Chopin und Bach hat Amos einen Liedzyklus geschaffen, der in akustischen Arrangements die Geschichte einer Frau erzählt, deren Liebesbeziehung erkaltet und versucht zu sich selbst zurück zu finden. Dazu ist "Night Of Hunters" die Rückkehr von Tori Amos zu ihren künstlerischen Anfängen als klassische Pianistin.

Das Album benötigt einige Durchläufe um sich dem Hörer zu erschließen. Erwartungsgemäß steht Toris Stimme und Pianospiel im Mittelpunkt. Mit mal mehr mal weniger Unterstützung durch die klassischen Mitstreiter illustriert sie damit die Handlung um die Protagonistin Annabelle.

"Night Of Hunters" verbreitet eine düstere, unheilschwangere Atmosphäre und setzt eher auf das Erzeugen von Stimmungsbildern, wie auf Kompositionen mit für ein Rock- und Popgeprägtes Publikum nachvollziehbaren Strukturen.

Natürlich könnte Tori Amos auch das Telefonbuch von Castrop-Rauxel vertonen und daraus ein fesselndes Hörerlebnis machen, doch in manchen Momenten vermisst man die Leichtigkeit ihrer Frühwerke. Einfach mal ein großartiger Song von einer fantastischen Künstlerin… wer sich danach sehnt wird mit "Night Of Hunters" nicht glücklich. Der Schmusekurs mit der E-Musik mag große Kunst darstellen, er hat durchaus seine magischen Momente, allerdings auch einige Längen. Zu selten sind Stücke wie Job's Coffin oder der Titelsong, die auch aus dem Gesamtkontext herausgelöst ihren Reiz entfalten.

"Night Of Hunters" ist insofern ein typisches Amos-Album, dass die Künstlerin sich ohne Rücksicht auf eventuelle Erwartungshaltungen ihres Publikums selbst verwirklicht. Technisch ist es natürlich wieder allererste Sahne, kompositorisch bietet ihr Backkatalog sicher aufregendere Alben.

Martin Schneider, 07.11.2011


Fast meint man, der Kollege Schneider verortet das jüngste TORI AMOS-Album irgendwo im Mittelfeld ihrer Diskografie, irgendwo im Mittelfeld ihres künstlerischen Schaffens, ihres kreativen Potenzials, schnell gekauft, ein-, zweimal durchgehört, dann weggelegt.

Ich muss widersprechen und ich widerspreche vehement. Es ist das bislang beste Album von TORI AMOS, dies aus drei Gründen.

Erstens: Die Doppel-LP erschließt sich dem Hörer – entgegen der Auffassung des Kollegen Schneider – sofort. Die Stücke faszinieren sofort, die bedrohliche Stimmung nimmt einen sofort gefangen, und auch die Kompositionen brennen sich sofort ein in die Erinnerung des Hörers (Star Whisperer, Job‘s Coffin, The Chase).

Zweitens: Ich sehe hier mehr als einen “Schmusekurs mit der E-Musik“, wie es der Kollege Schneider nennt, ich sehe eine echte Verschmelzung von populärer und klassischer Musik. Tori Amos sprengt die Ketten der ohnehin unsinnigen Abgrenzung zweier nur vermeintlicher Gegenpole. Dafür muss ihr Tribut gezollt, dafür muss sie gefeiert werden!

Drittens: Ich erkenne durchaus Leichtigkeit, trotz aller Trauer in Moll. Denn: Das Album wirkt als Ganzes, lässt sich wunderbar am Stück durchhören. Es hat eine klare Linie, ist stringent. Vorbei die Zeiten von “Boys For Pele (1996) oder „The Choirgirl Hotel (1998), die dem Hörer doch einiges zugemutet hatten. Die instrumentalen und gesanglichen Eruptionen der Wahlengländerin waren zwar künstlerisch wertvoll, oft aber schlicht nicht zu ertragen (Caught A Light Sneeze). “Night Of Hunters“ hat keine Längen. Würde ich ein Heavy-Metal-Album besprechen, so würde ich sagen “Just Killers, No Fillers“.

Schließlich – und ich füge einen vierten Grund hinzu – ist die gesangliche Leistung von TORI AMOS‘ Tochter Natashya Hawley (* 5. September 2000) nicht von dieser Welt. Wir reden hier von einem Kind! Wo soll das hinführen?

Tim C. Werner, 09.11.2011

 

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