Tori Amos

Strange Little Girls


CD-Review

Reviewdatum: 27.11.2001
Jahr: 2001

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Redakteur(e):

Martin Schneider


Tori Amos
Strange Little Girls, Atlantic Records/ EastWest Records, 2001
Tori Amos Vocals, Piano
Matt Chamberlain Drums
Justin Meldal-Johnsen Bass
Jon Evans Bass
Andrew Belew Guitar
John Phillip Shenale Synthesizer, String Arrangements
Dr. Edison Amos, Daniel Bocking, George W. Bush, George Bush Voices
Produziert von: Tori Amos Länge: 62 Min 03 Sek Medium: CD
1. New Age7. Time
2. '97 Bonnie & Clyde8. Heart Of Gold
3. Strange Little Girl9. I Don't Like Mondays
4. Enjoy The Silence10. Happiness Is A Warm Gun
5. I'm Not In Love11. Raining Blood
6. Rattlesnakes12. Real Men

Mittlerweile gehört es fast schon zum guten Ton eines Künstlers, der etwas auf sich hält, irgendwann im Laufe seiner Karriere ein Album mit Coverversionen auf die Musikwelt loszulassen.
Die qualitative Bandbreite reicht dabei von schlichtweg genial (SIX FEET UNDER) bis hin zu eher ärgerlich und überflüssig (SIMPLE MINDS).
Der eine spielt einfach seine Lieblingssongs nach (Charlie Daniels), andere widmen sich nur einer Band, die sie maßgeblich beeinflusst hat (GREAT WHITE) und wieder andere greifen eine für sie bedeutende musikalische Epoche auf (ATROCITY).
Von einer innovativen Künstlerin wie Tori Amos kann man natürlich auch etwas Besonderes erwarten. Auf "Strange Little Girls" interpretiert Tori typische Männersongs, um die Welt des vermeintlich starken Geschlechts zu erkunden, wie Männer Frauen sehen, wie Männer sich selbst sehen und wie sich die Perspektive ändern kann, wenn eine Frau interpretiert, wie sich Männer ausdrücken.

Eine Warnung gleich vorneweg: "Strange Little Girls" ist ein Album, das einige konzentrierte und intensive Hördurchgänge, braucht um sich dem Hörer zu erschließen. Mit ein Grund ist die erfreuliche Respektlosigkeit mit der Tori Amos die Originale angeht und zu ihren eigenen Werken transformiert.
Einige der Aufnahmen, wie beispielsweise Neil Youngs Heart of gold, sind nur noch anhand des Textes zu identifizieren, bei Raining blood, das zur düsteren, unheilsschwangeren Pianoballade mutiert, erahnt man nur schwer, dass die Nummer von der Thrashlegende SLAYER stammt.
Ob BOOMTOWN RATS, 10CC, BEATLES oder EMINEM - am Ende steht doch immer wieder Tori Amos selbst im Fokus.
Selbst süßlichste, fast schon flache Popnummern werden plötzlich zu sperrigen Meisterwerken mit ungeahntem Tiefgang, und in der Metamorphose des Bekannten zu etwas Fremdartigem besteht die wahre Kunst dieses Albums.
Im Mittelpunkt steht natürlich die einzigartige Stimme der wandlungsfähigen Sängerin, die einmal mehr alle Register ihres Könnens zieht und Stimmungen schafft, die das gesamte Spektrum menschlichen Empfindens abdecken: Von peinigenden Höllenvisionen eines Hieronymus Bosch, zur friedvollen, lichten Schönheit, die die Werke eines Caspar David Friedrich dominiert.

Wer Tori Amos bislang noch nicht kennt, sollte auf "Strange Little Girls" als Einstiegsdroge zunächst verzichten und stattdessen sich lieber über das eingänigere "To Venus And Back" an die außergewöhnliche Künstlerin heran tasten.
Eine Vertrautheit mit dem Schaffen von Kate Bush, BJÖRK oder aber auch MILA MAR ist sicher hilfreich, um sich von Tori Amos verzaubern zu lassen.
Über kurz oder lang sollten sich alle Liebhaber experimenteller, mystischer Klänge voller Emotion und Atmosphäre ein Herz fassen und sich der Magie dieses Albums hingeben.

Oder besser einer Flasch Schnaps... und zwar vorher!
[Nachsatz von Bärbel Scholz - der leidgeprüften Gattin]

Martin Schneider, 27.11.2001

 

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