Transatlantic

Frankfurt, Batschkapp, 04.05.2010

( English translation by Google Translation by Google )

Konzertbericht

Reviewdatum: 09.05.2010
Stil: Progressive Rock

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Transatlantic Homepage



Redakteur(e):

Marc Langels


Transatlantic,
Frankfurt, Batschkapp, 04.05.2010

Die „Batschkapp“ gehört zu den traditionsreichsten Veranstaltungsorten in Frankfurt. Hier haben schon zahlreiche Pop- und Rock-Größen gespielt, bevor sie zu Welt-Stars wurden. So gaben hier unter anderem schon Robbie Williams, Lenny Kravitz, DIE TOTEN HOSEN, NIRVANA und auch R.E.M. ihre Visitenkarten ab. Auch unter den Besuchern finden sich bekannte Namen vor allem aus der links-alternativen Szene wie Ex-Außenminister Joschka Fischer und der Europa-Abgeordnete Daniel Cohn-Bendit. In seiner langen Geschichte hat das „Batschkapp“ also schon eine Menge gesehen.

Aber so einen Andrang wie an diesem Abend hat wohl selbst das „Batschkapp“ eher selten erlebt, denn schon knapp eine Stunde vor Einlass bildete sich eine extrem lange Schlange vor der Tür. Dabei fällt vor allem auf, dass das Publikum extrem bunt gemischt ist. Hier stehen grau-melierte Hemd- und Sakko-Träger neben langhaarigen Jugendlichen mit Camouflage-Hosen und Band-Shirts. Das Altersspektrum reicht von geschätzten 14 bis 70 Jahre. Anlass für das Massen-Interesse ist der Auftritt von vier Herren ebenfalls bereits gesetzten Alters, die aber in Musik-Kreisen extrem hohes Ansehen genießen: Neal Morse (Ex-SPOCK’S BEARD), Roine Stolt (THE FLOWER KINGS), Pete Trewavas (MARILLION) und Mike Portnoy (DREAM THEATER) – zusammen besser bekannt als TRANSATLANTIC.

Schon vor dem Beginn des Konzerts ist die Stimmung unter den anwesenden Zuschauern gespannt, eine Mischung aus Vorfreude und nervöser Erwartung auf das, was da kommen mag. Mit etwas Verspätung betreten die Protagonisten um Viertel nach Neun die Bühne und alleine das reicht schon, um die Massen zu begeistern. Die Band steigt denn auch gleich mit Overture/Whirlwind vom aktuellen “Whirlwind“-Album ein und zieht das aktuelle Meisterwerk denn auch die nächsten 80 Minuten komplett durch. Eine konsequente und logische Entscheidung, denn “Whirlwind“ funktioniert eigentlich auch nur in seiner Gesamtheit.

Man merkt der Band sofort an, dass alle fünf Musiker – die Band hat noch Daniel Gildenlöw von PAIN OF SALVATION als Gast dabei – eine Riesen-Freude daran haben, zusammen auf der Bühne zu stehen. Es wird viel gelacht an diesem Abend und die einzelnen Musiker suchen immer wieder den Blickkontakt untereinander und verstehen sich dabei auch ohne große Worte. Ihre Musik präsentieren sie mit großer Hingabe und Perfektion.

Dabei reagiert das Publikum zumindest während des ersten Sets noch weitgehend verhalten. Sicher, die Begeisterung ist da, aber Szenen-Applaus gibt es eigentlich nur für das wiederkehrende Hauptmotiv des “Whirlwind“-Albums, ansonsten bleibt es überraschend ruhig, vielleicht auch weil jeder genau hinsehen will, die die Band das Werk live umsetzt. Das Ganze könnte aber auch den manchmal etwas ausufernden Instrumental-Passagen geschuldet sein, die live weniger zwingend und packend wirken, als noch auf der CD. Zudem ist der Sound während des ersten Teils der Show auch etwas basslastig, so dass Pete Trewavas’ Tieftöner und das extrem harte Drumming von Mike Portnoy das Gesamtbild etwas zu deutlich dominieren.

Aber das sind die einzigen Einwände, die man gegen eine ansonsten absolute Spitzenleistung finden kann, denn die Band bringt das Material wunderbar druckvoll und auf den Punkt exakt gespielt vor und kann bei den Satz-Gesängen sogar deutlich mehr Akzente setzen als noch auf der CD. Und mit der Zeit erwacht das Publikum auch immer mehr aus seiner ehrfurchtsvollen Starre. Dazu trägt natürlich die Performance und sympathische Art der Band bei.

Neal Morse gibt den hemdsärmeligen Prediger des Prog-Rock, der mit dem ihm eigenen großen Pathos und Gestus mitreißt. Roine Stolt ist der schöngeistige Professor, der hier seine Lesung hält und sich darüber freut, dass der Hörsaal so voll ist. Pete Trewavas gibt den Richy Müller-Verschnitt, der lässig seinen Job macht und sich von einem österreichischen Getränkehersteller „beflügeln“ lässt (Anmerkung: der Rest der Band begnügt sich mit Wasser). Mike Portnoy gibt den über und über tätowierten Prog-Arbeiter, der aber immer für Späße und Grimassen zu haben ist und somit zum Liebling der Massen wird. Und Daniel Gildenlöw ist der Student der Musikwissenschaft im Hintergrund, der aber schon durchaus seinen eigenen Beitrag zum Gelingen zu leisten weiß.

Nach den durchaus gelungenen ersten 80 Minuten gibt es dann eine knapp 20-minütige Pause, um das bereits Gesehene zu verarbeiten, ehe die Band für einen zweiten Set auf die Bühne zurückkehrt. In der Zwischenzeit ist das Publikum denn auch nun vollends bereit sich mitreißen zu lassen. Der zweite Teil des Konzerts besteht zwar nur aus fünf Stücken, aber die haben es in sich.

Denn TRANSATLANTIC bieten nun einen Best-Of-Set, der bei anderen Bands ein komplettes Konzert darstellen würde. Die Longtracks All Of The Above, Duel With The Devil und Stranger In Your Soul werden jeweils in ihrer Gesamtheit präsentiert, was alleine schon anderthalb Stunden Musik bedeutet - bei nur drei Songs. Dazu noch die beiden kurzen Bridge Across Forever und We All Need Some Light und ein fantastisches Konzert ist nach mehr als dreieinhalb Stunden beendet. Dabei wurde der „Zugabenteil“ frenetisch gefeiert und enthusiastisch mitgesungen. Auch der Sound war dann deutlich ausgewogener. Insgesamt haben TRANSATLANTIC abgesehen von kleinen Schönheitsfehlern ein Konzert geboten, das keine Wünsche offen lässt und den Andrang mehr als rechtfertigt.

Einige der Fans haben das „Batschkapp“ allerdings bereits vorzeitig verlassen, was bei einer Spielzeit, die weit nach Mitternacht endet kaum verwundern kann, schließlich ist der nächste Tag ein Werktag und viele Zuschauer werden zur Arbeit müssen. Daher sollten sich die Veranstalter schon fragen, ob die Anfangszeit mit 21 Uhr nicht ein wenig spät gewählt war. Hinzu kommen noch der Umstand von mehr als vier Stunden (inklusive der Wartezeit vor dem Konzert) stehen müssen und die schlechten klimatischen Verhältnisse im Saal, die den Zuschauern kaum das Durchatmen erlaubt. Da ist es umso verständlicher, wenn einige Fans bereits vor dem Ende des Konzerts die Frischluft suchen und das Konzert am Merchandising-Stand vor der Halle ausklingen lassen.

Eine letzte Anmerkung noch aus Sicht des Fotografen. Es ist schon ok, uns noch einmal darauf hinzuweisen, dass nach zehn Minuten das Knipsen einzustellen ist und man sowieso keinen Blitz verwenden darf – das haben wir ja auch bereits zuvor zugesichert. Aber wenn die Security am Eingang fordert, dass man dann die Kamera nach den ersten zehn Minuten am Eingang abzugeben habe und andernfalls die Bilder auf der Speicherkarte gelöscht würden, ist das einfach nur eine Frechheit. Zumal dann wenn man keine privilegierte Position (Fotograben) zum arbeiten hat, und auf der anderen Seite aus dem Publikum immer wieder mit Blitz fotografiert werden kann oder gar ganze Passagen des Konzerts mit Digicams und Multimedia-Handys abgefilmt werden. Sollte das so weitergehen verzichte ich zukünftig auf das „Privileg“, fotografieren zu dürfen, bringe mein Handy mit 8-MP-Kamera mit und schieße damit ein paar Fotos und filme ein paar Songs. Das kann es ja nun auch nicht sein, denn wir wollen schließlich „nur“ möglichst gut über das Konzert berichten können, aber ohne gegängelt zu werden.

Marc Langels, 04.05.2010

 

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