Dan Baird

Hot Lava

Tübingen, Sudhaus, 05.07.2002

( English translation by Google Translation by Google )

Konzertbericht

Reviewdatum: 05.07.2002

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Dan Baird Homepage



Redakteur(e):

Martin Schneider


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Jeder hat wohl in seiner Vergangenheit ein paar Konzerte, wo es ihn noch Jahre später reut, dass er sie nicht besucht hat. Bei mir gehören dazu die GEORGIA SATELLITES, als sie während der Open all night-Tour das LKA in Stuttgart in Grund und Boden gerockt haben sollen. Und wie das Leben so spielt, gehen manchmal ein paar Jährchen ins Land, in dem Fall waren es fast fünfzehn, bis sich die nächste Chance bietet.

Das passt: Das Wochenende steht vor der Tür, ein lauer Sommerabend, Biergartenwetter... und dazu eine geballte Ladung Rock 'n' Roll. An die 300 Besucher sehen das ähnlich und versammeln sich im Biergarten des Sudhauses in Tübingen. Das Ambiente ist ansprechend und hat einen ganz besonderen Flair. Das von Bäumen beschattete Areal lässt sogar ein wenig Klein-Loreley-Atmosphäre aufkommen.

Zunächst entern HOT LAVA die kleine Bühne, laut Info ein Trio aus Rottenburg, Tübingen und Reutlingen, mit internationalem Touch. Sänger und Gitarrist Steve Leiner ist in Paris geboren und in Seattle aufgewachsen, Basser José Téjada kommt aus Kolumbien und Schlagzeuger Chief hat wenigstens ein englisches Pseudonym. Kompakte Hippie-Musik verspricht das Info. Himmel hilf! Was soll das denn sein? Und wer lässt sich so eine Klassifizierung einfallen? Na ja, Kolumbien ist auch nicht so sehr wegen seiner Bassisten bekannt...

HOT LAVA kämpfen... zunächst mit technischen Problemen, danach um die Aufmerksamkeit des Publikums. Ersteres mit Erfolg, letzeres mit eher weniger. Die überdinemsionalen Steaks und das Bier sind momentan einfach wichtiger. Wenigstens löst sich das Rätsel, was man unter kompakter Hippie-Musik verstehen soll. Schnöder Blues-Rock, mal hart, mal funky und sogar mit dezenten Reggae-Einflüssen. In den besonders lichten Momenten lassen ein Ian Moore oder die ERIC GALES BAND grüßen und Michael von den Southern News zieht als Fazit: 'Ach, die konnte man sich ganz gut anhören'. Stimmt Michael, aber so was hat man auch schon tausend mal gehört. Druckvoller, spannender, energiegeladener... Es sind genau diese unzähligen HOT LAVAs, weshalb mich solche Musik mittlerweile zu Tode langweilt.

Kurz nach 21 Uhr betritt Dan Baird die Bühne. Im Schlepptau Original-GEORGIA SATELLITES-Drummer Mauro Magellan, seinen langjährigen Bassisten Keith Christopher und Ken McMahan an der Lead-Gitarre.

Das Quartett startet zu einem knapp zweistündigen Parforceritt durch die musikalische Historie der GEORGIA SATELLITES, ergänzt durch ausgewählte DAN BAIRD-Solonummern und die obligatorischen Coversongs. Die Songauswahl lässt kaum Wünsche offen. Natürlich Keep your hands to yourself, Sheila, I dunno, Railroad steel, Open all night und All over but the crying, aber auch I love you period, Dixie Beauxderaunt und Julie and Lucky.

Die Band ist verdammt gut drauf und legt eine perfekte Mischung aus Coolness, Humor, Lockerheit und Seriosität an den Tag.

Dan ist ein Frontman par excellence, ein Star, der ohne Starklischees auskommt. Die Fleisch gewordene Natürlichkeit. Ein Mann der den Eindruck erweckt, das Leben locker zu sehen und es zu nehmen, wie es gerade kommt, der Spaß mit seiner Musik auf der Bühne hat und diesen mit dem Publikum teilen möchte. Seine Ansagen sind spontan, unterhaltsam, angenehm pointiert und erfrischend. Sicher, er ist technisch kein übermäßig begnadeter Sänger, aber ein echtes Unikat. Einen Dan Baird hört man aus hunderten anderen Sängern heraus. Und ehrlich, seine Musik erzielt ihre Wirkung vor allem durch ihre Schlichtheit. Da braucht es auch keinen Sangesgott, aber Ausstrahlung hat noch nie geschadet. Die bringt Dan definitiv mit.

Ihm zur Seite stehen Musiker, von denen jeder auf seine Weise sein Scherflein zu einem facettenreichen, aber stimmigen Gesamtbild beitragen.

Keith Christopher ist ein Abziehbild von einem der beiden typischsten Basser-Klischees. Nein, nicht der Typ untersetzter, vollbärtiger Südstaaten-Yogi-Bär mit Hang zur Gemütlichkeit, sondern eher langer kettenrauchender Schlacks, dessen Bewegungen manchmal etwas hölzern wirken, der aber mehr Rhythmus im kleinen Finger hat als andere im ganzen Körper.

Ken McMahan, keine Frage ein ordentlicher Gitarrist, den ich vor allem als Solokünstler schätze. Keine schillernde Bühnenpersönlichkeit, eher ein zuverlässiger, solider Handwerker, der aber leider ab und an aus der Rolle fällt.

Bei All over but the crying kommt mir aber das Motto des Abends The heart of the GEORGIA SATELLITES wieder in den Sinn. Wenn Dan und Mauro Magellan das Herz der SATELLITES waren, waren dann Rick Richards und Rick Price die Seele? Ken McMahan drängt sich mit seiner Gitarre dermaßen penetrant in den Vordergrund, dass er den Song, immerhin eine Ballade, fast kaputt holzt. Weia... so was muss doch nicht sein. Gebt ihm doch lieber die Chance mit ein, zwei eigenen Songs zu glänzen.

Stichwort glänzen: Der eigentliche Star der Band ist Mauro Magellan. Was der Mann hinter seinem Schlagzeug der Marke Sparausführung leistet, ist fast unbeschreiblich. Wo andere sich hinter Unmengen von Equipment verschanzen, kommt Mauro mit dem Allernötigsten aus. Der Mann schuftet wie ein Besessener und beschert so dem Publikum einen mörderischen Drumsound. Eine Leistung, die nicht hoch genug zu würdigen ist.

Die Zeit vergeht wie im Flug und ehe man sich versieht hat die Band fast zwei Stunden Kurzweile verbreitet. 23 Uhr, und aus Rücksicht auf die Anwohner soll das Konzert schon zu Ende sein, dabei hat man das Gefühl, die Band hat sich gerade richtig warm gespielt. Das Publikum hat lange noch nicht genug, und wenn es nach Dan gegangen wäre, dann hätte er sicher noch weit mehr gespielt, als zwei weitere Songs unter dem Protest des Veranstalters.

Kommt doch einfach bald wieder und geht einfach schon eine Stunde früher auf die Bühne. Dem darf dann auch ruhig eine belanglose Vorgruppe geopfert werden.

Danke an JTC, für den Support

Martin Schneider, 25.07.2002

 

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