Tyler Thompson

Living On The Border


CD-Review

Reviewdatum: 07.12.2003
Jahr: 2003

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Redakteur(e):

Epi Schmidt


Tyler Thompson
Living On The Border, Blue Buffalo Records, 2003
Mike Tyler Guitar, Vocals
Wade Thompson Bass, Vocals
Paul Thompson Drums, Vocals
Jake Berhow Guitar
Produziert von: Kirk West Länge: 76 Min 50 Sek Medium: CD
1. Space9. Don't Forget To Say Goodbye
2. Back On The Highway10. The Door
3. Blind11. Joseph Thomas
4. Moonshine's Glare12. Peach Cobbler
5. It's Alright13. Sparrow
6. Living On The Border14. Everyday Situations
7. Silence Of A Secret/Gerard's Theme15. All The Way Home
8. Soul In Hand

Also, Southern-Rock-Zugeneigte, ich sag's gleich: Um diese Scheibe kommt man eigentlich nicht drum rum. Es sei denn, man reduziert diese Musik auf Reibeisenstimmen und "boogie evermore". Wer mit den etwas ausgetüftelteren Songs der früheren ALLMAN BROTHERS oder den Jam-Parts von... sagen wir GOV'T MULE Spaß hat, der ist hier richtig.
Eigentlich kein Wunder, wurde "Living On The Border" doch in den legendären Capricorn-Studios in Macon, Georgia aufgenommen und um ganz sicher zu gehen, waren mit Kirk West und Chuck Leavell noch zwei Typen aus dem ALLMAN BROTHERS BAND Umfeld beteiligt.

Wurde ihr Debut, "Fine Young Man" (1999), noch als Trio aufgenommen, verfügen TYLER THOMPSON seit dem letzten Jahr über einen zweiten Gitarristen, Jake Berhow, der sich perfekt in die Band einfügte und für zusätzlichen Schub sorgte.
Das hört man schon gleich bei dem flotten Einstieg Space, das zwar etwas "härter" und "gröber" zu Werke geht, aber ansonsten sehr an JUPITER COYOTE erinnert.
Die ALLMAN-Linien in Back On The Highway fallen einem sofort ins Ohr. Leicht funky und mit Chuck Leavell am Piano, sowie einem absolut typischen Slide-Solo, würde die Nummer auf jedem Brothers-Album eine gute Figur machen.
Blind, mit seinem unwiderstehlichen Groove und den "crunchy" Rhythm-Riffs schlägt dann mehr in die BLACK CROWES-Ecke, so um deren 2., 3. Scheibe herum. Der Mittelteil könnte fast direkt aus Songs wie Wiser Time stammen.

Sofort "im Sattel" wähnt man sich beim Beginn von Moonshine's Glare. Leicht wirbelnde Drumsticks und Country-Anleihen bilden einen Rhythmus-Parcours, durch den die Gitarren wuseln, als wenn sie den besten Weg durch die Prärie suchten und auch finden.
In Songs wie It's Alright und Silence Of A Secret/Gerard's Theme wird's noch ein ganzes Stück atmosphärischer, mit wabernden Gitarren und leierndem Gesang scheint man sich fast in Zeitlupe zu bewegen. Bei letzterem Song mündet das dann noch in einen ausgiebigen Jam-Part.

Wie schon angedeutet, ist Mike Tyler kein "Schreihals" und im Titelsong Living On The Border hört er sich sehr nach Mark Knopfler an. Tatsächlich würde dieser Swamp-Groove ganz gut zu Spielweise und Programm des DIRE STRAIRS-Leaders passen.
Mit Soul In Hand sind wir dann wieder mitten im JUPITER COYOTE-Lager angekommen. Ich kenne sonst eigentlich nur wenige Bands, die einen dermaßen locker-flockigen Rhythmus mit einem so dichten Sound kombiniert rüber bringen.
Hoppla, Rock'n'Roll? Möchte man fast beim Intro zu Don't Forget To Say Goodbye denken. Es wird aber gleich mit Wah-Wah-Gitarre und Chuck Leavells schwebender Orgel deutlich, dass es hier psychedelischer zugeht. Klasse Orgelsolo von Chuck und ein aufpeitschender, auf- und abschwellender Rhythmus sorgt für reichlich Spannung. Mit nicht mal vier Minuten ist dieser Song allerdings nicht ausreichend gewürdigt - wird live wohl anders aussehen.

Wenn die Slide-Gitarre so herrlich in einen Song einsteigt wie bei The Door, kann man als Ausrede bestenfalls Taubheit anführen, sollte man da nicht vom ersten Ton an gefangen sein. Goose Goodrich ist der Mann, der das mit seiner Pedal Steel Guitar dann noch genial untermahlt und wenn es zu beschaulich wird, streut die Band mal kurz einen Heavy-Part ein, bevor man wieder zu den Slide-Klängen träumen darf. Die sind auch eines der herausragenden Elemente in der Mid-Tempo-Southern-Ballade von Joseph Thomas. Also von Klang und Spielweise her sagen mir wenig Slide-Spieler mehr zu.
Der Country-Anteil erhöht sich dann ein ganzes Stück in Peach Cobber für das Col. Bruce Hampton ein paar "Erzähl"-Vocals beisteuert. Ansonsten nicht sonderlich spektakulär, aber schön.

Früher hat man die Einnahme bewusstseinserweiternder Substanzen unterstellt wenn solch schwebende, flirrende Sounds zutage kamen wie die in Sparrow. Vielleicht braucht man aber auch nur die richtige Umgebung oder die richtigen Personen: "I never wished I could fly, 'til I met you" singt Mike Tyler und unversehens setzt ein heavy Sound und Groove ein und verschafft ihm gehörigen Auftrieb.
Deutlich rockiger, wenn auch nicht viel schneller, geht's durch die Everyday Situations. Das Riff erinnert mich sogar etwas an RAINBOW.

All The Way Home ist rein titelmäßig schon der passende Abschluss. Hier darf Chuck Leavell noch mal in die Tasten greifen und tut das sowohl an Orgel wie am Piano in gewohnt genialer Manier. Der Song ist genau von jener Art, die einen unwillkürlich die Jacke anziehen, die Autoschlüssel greifen und den Highway ansteuern lassen. Um bis nach Georgia (oder, alternativ, Spreewald) zu kommen, reichen die 3 1/2 Minuten zwar nicht, aber diese CD sollte man sowieso dabei haben.
Übrigens: Nicht zu früh ausschalten! Ein paar Minuten nach dem regulären Ende beginnt plötzlich die Zugabe...

Epi Schmidt, 07.12.2003

 

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