Ulla Meinecke

Die Luft ist rein

( English translation by Google Translation by Google )

CD-Review

Reviewdatum: 01.01.2000
Jahr: 2002

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Redakteur(e):

Frank Ipach


Ulla Meinecke
Die Luft ist rein, The-Berliner/SPV, 2002
Ulla Meinecke Stimme
Reinmar Henschke Flügel, Keyboards, Programming, Stimme
Leemann Gitarren, Stimme
Ingo York Bass, Gitarren, div. Slides, Keyboards, Drum-Programming, Stimme
Gäste:
Till Brönner Trompete (In Berlin)
Danny Dziuk alle Instrumente auf Wer will schon Becky Thatcher sein?
Rainer Kirchmann Stimmen
Thanassis Zotos Stimmen
Produziert von: Gareth Jones Medium: CD
1. In Berlin7. Geh mir aus dem Licht
2. Tierfilmer8. Töchter
3. Nur Gerede9. Wer will schon Becky Thatcher sein?
4. Wenn Du mich nicht verstehst10. Schlaf
5. Sonntag morgen11. The Dancer
6. Marlene

Darf man in Ulla Meineckes Fall von einem Comeback sprechen? Schließlich hatte sie sich auf dem deutschen Tonträgermarkt recht rar gemacht. Erschien doch ihr letztes reguläres Album ("An") vor sage und schreibe acht Jahren; lässt man ihre 99er-Live-Compilation "Kurz nach Acht" mal außen vor. Mutter SONY (ihre damalige Firma) bekundete in der Folgezeit nur noch geringes Interesse an einer weiteren Zusammenarbeit, so dass Ullas aktuelles Album nun bei dem ungleich kleineren SPV-Label erscheint.

Aber Comeback? Nein! In unzähligen Konzerten innerhalb der gesamten Republik konnte man sie gemeinsam mit ihrer kleinen Band bewundern.
Diese permanente Präsenz bescherte ihr, im Vergleich zu früheren Erfolgszeiten, eine sicherlich geschrumpfte, dennoch loyale und dauerhafte Gefolgschaft. Eine echte Musikerin lässt sich eben nicht so schnell aus der Bahn werfen. Und irgendwann reiften dann auch wieder neue Songs, war Erntezeit. Das Ergebnis wurde "Die Luft ist rein" betitelt.

Frei von atmosphärischen Störungen, mit neuer Firma im Rücken, schenkt uns Frau Meinecke neun Eigengewächse und zwei Exoten. Suzanne Vegas Marlene on the wall und Charles Aznavours Tu te laisses aller kommen mit deutschen Versen runderneuert zu unerwarteten Ehren. Die kongeniale Umsetzung der amerikanischen bzw. französischen Vorlagen gelingt ihr und den Musikern auf sehr erfrischende Weise.
Auf ihrem 91er-Album "Löwen" unternahm sie ja schon einmal einen Ausflug außer Landes. Das taufrisch perlende Piano-Solo auf Marlene an der Wand sei hier besonders hervorgehoben. Ob Bruce Hornsby dort Pate stand? Durchaus möglich.

Der komplette Verzicht auf Drums, besser gesagt drum-programming kommt den beiden Cover-Versionen sehr zu Gute. Womit wir bei einem wunden Punkt angelangt sind! Mit Verlaub, Herrschaften, musste denn die komplette Produktion mit Drum-Computer eingespielt werden? Wer hat das zu verantworten? Etwa Gareth Jones, der namhafte Produzent, der sich durch die Zusammenarbeit mit so illustren Künstlern wie Depeche Mode, Erasure, Nick Cave, Rio Reiser und Ideal seine Sporen verdient hat? Oder lag es schlicht und einfach am zu gering bemessenen Budget? Ulla wird's wissen!

Manche Titel wie Gerede oder The dancer grooven etwas hölzern, so dass die Essenz dieser guten Songs ein wenig geschmälert wird. Schade!
Stücken wie In Berlin und Schlaf kann Kollege Computer allerdings nichts anhaben. Meineckes Lobhudelei auf ihre Heimatstadt Berlin hat durchaus das Zeug zu einem allgemeingültigen Radio-Hit. Warum nicht? Heiter, beschwingt, mit viel Verve heißt es dort: "Am Ozean lieg ich ganz still im Sand, aber dann brauch ich das Pflaster über'm Strand und so komm ich wieder". Das muss wahre Liebe sein.
Und hat überhaupt schon irgendwer jemals einen Song über unsere scheinbar doch zu Unrecht unterbewertete Energiequelle, den Schlaf, geschrieben? Dafür gehört die Künstlerin gedrückt. "Die Seele geht spazieren und sieht sich alles an, und trifft die anderen Seelen in einer Achterbahn". Da lächelt meine Haut, Ulla.

Ja, Songtexte zelebrieren, das kann Frau Meinecke wirklich gut. Emotionen und Situationen des alltäglichen Lebens werden von ihr bis ins Detail ausgelotet. Konkurrenzlos, wie ich finde. Zumindest im Bereich des, sagen wir, Mainstream-Pop. Quasi das weibliche Pendant zu Herbert Grönemeyer.
In den herausragenden Stücken dieses Albums übertrifft sich Meinecke gar selbst, indem sie Text und musikalische Umsetzung mit Hilfe ihrer Musiker in beneidenswerter Weise auf den Punkt bringt. Ingo Yorks Arrangement und Bass-Spiel bei Töchter ist wirklich filigran.
In Wirklichkeit ist Töchter ein Outtake von Rickie Lee Jones' "Pirates" - Album, oder etwa nicht?

Wer will schon Becky Thatcher sein? brilliert mit den Textzeilen: "Wenn Du mich fragst, wer ich wirklich bin; dann war ich meistens Tom Sawyer, der träumt er wäre Huckleberry Finn". Danny Dziuks musikalische Umsetzung bringt eine angenehme, raue Frische in diesen Fünf-Sterne-Song.

Für's nächste Mal wünsche ich mir ein Roots-Pop-Album mit Cover-Versionen von Lucinda Williams und Aimee Mann und den passenden Eigenkompositionen dazu. Und als Produzent, mmhh, Ethan Johns oder T-Bone Burnett. Wäre das in ihrem Sinne, Frau Meinecke?

Frank Ipach, 13.11.2002

 

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