Uriah Heep

Sweet Freedom


CD-Review

Reviewdatum: 26.06.2008
Jahr: 1996

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Redakteur(e):

Christian Gerecht


Sweet Freedom, Essential Records, 1973/1996
Mick BoxGuitars
David ByronLead Vocals
Ken HensleyKeyboards, Guitars, Vocals
Lee KerslakeDrums, Percussion, Vocals
Gary ThainBass
Produziert von: Gerry Bron, Remasterig by Mike Brown and R. M. Comb Länge: 50 Min 34 Sek Medium: CD
01. Dreamer07. Circus
02. Stealin'08. Pilgrim
03. One Day09. Sunshine (B-Side to Single Stealin')
04. Sweet Freedom10. Stealin' (Original edited Version)
05. If I Had The Time11. Seven Stars (previously unreleased Version)
06. Seven Stars

Die unglaublich kreative Kernbesetzung URIAH HEEPs mit Mick Box, David Byron, Ken Hensley, Lee Kerslake und Gary Thain wurde schon in den Frühsiebzigern gnadenlos unterschätzt. Was die gestandenen Musikmagazine (allen voran Rolling Stone und Sounds) damals über Heep von sich gaben, war der absolute Tiefpunkt der 1970er Rock-Journaille. -Ähnliche Tiefschläge trafen aber auch BLACK SABBATH und RAINBOW!

Dabei ist der o.g. URIAH HEEP Besetzung sowohl aus damaliger, als auch heutiger Sicht ein schier unerschöpfliches Kompositionstalent und perfektes Songwriting zu konstatieren. Wenn man sich dann noch vor Augen hält, dass die Band eine ganze Zeit lang hervorragende Alben im Halbjahresrhythmus veröffentlichte, kann einem geradezu mulmig werden...
Es war aber nicht der Gehörnte, der seine Finger im Spiel hatte! Nein, es hatten sich, über diesen Zeitabschnitt fünf Freunde gefunden, die sich perfekt ergänzten und (zu dieser Zeit noch) respektierten.
In David Byron (der 1985 am Alkoholismus scheiterte) sehe ich heute noch, neben Dio und Gillan einen der besten Hardrock-Vokalisten aller Zeiten. Der kleine Mick Box, oftmals als Möchtegern-Gitarrero belächelt, hatte weit mehr auf dem Kasten, als ihm damalige, wie heutige (überaus dämliche) Phrasierungen bescheinigten. Ken Hensley; über diesen Mann ein unlauteres Wort zu verlieren ist allenfalls zu seiner Zeit außerhalb URIAH HEEPs erlaubt. Er kann ohne weiteres zu einem der einflussreichsten Keyboarder der Rockhistorie gezählt werden. Gleiches gilt für Lee Kerslake, dessen perfektes Drumming den ausschweifenden Heep-Kompositionen ein eisernes Fundament bereitete. Und über Bassmann Gary Thain, der sich auf dramatische Weise aus dem Rockbizz verabschiedete: Er erlitt 1974 während eines Konzerts in Dallas einen mächtigen Stromschlag, konnte danach nicht mehr musizieren und starb, auch infolge seiner Heroinsucht, mit nur 27 Jahren am 08.12.1975 unter ungeklärten Umständen, muss ich ja nun wirklich nichts mehr sagen. Der Mann war schon zu Lebzeiten eine kleine Legende!

Für die Aufnahmen zu "Sweet Freedom" verließ die Band erstmals die britischen Landsdown Studios und mietete sich Juni/Juli 1973 im Chateau d' Herouville in der Nähe von Paris ein. In dieser, offensichtlich relaxten Athmosphäre wurde "Sweet Freedom" zum (heute eher unbeachteten) Meisterwerk geschliffen.
Und mit "Sweet Freedom" entstand wirklich ein fantastisches Album! Genauso aufregend wie seine unmittelbaren Vorgänger-Scheiben (und Heep Highlights) "Demons And Wizards" bzw. "The Magician's Birthday". -Erstklassiger, enorm orgellastiger Heavy Rock!
Natürlich dominiert (wie immer, möchte man sagen) Ken Hensleys schleppender Hammond-und Mellotron-Sound auch diese Scheibe, so dass fast jedes Take eine melancholische, bisweilen depressive Grundstimmung aufweist. Allerdings sind Hensley's Mellotron- und Moog-Schleifen weiniger aggresiv als bei den früheren Heep Scheiben, was der Musik zu einer nicht uninteressanten, fast sanfteren Note verhilft.

Obwohl der Opener Dreamer erstmal eine mächtige Dosis Testosteron ablässt, gilt er weithin als schwächstes Take des Albums. Relativ betrachtet ist der Song aber ganz gewiss kein schlechter. Im Vergleich zu den anderen Nummern der "Sweet Freedom" fällt er aber dennoch leicht aus dem Rahmen.
Eine wahre Glanzleistung dagegen ist Stealin'! Mit einem der einfachsten, aber absolut coolsten und einprägsamsten Bassläufe der Musikgeschichte! Schon allein deshalb hat sich Gary Thain unsterblich gemacht!
Mit dem kurzen One Day legt die Band ein weiteres, herrliches Stück ihres Könnens ab. Der einzigartige Gesang Byrons, die epischen Keyboards, treibende Gitarren, das mächtige Schlagzeug, Thains angerissener Bass und perfekt einsetzender Chorgesang machen das Stück zu einer kleinen, überaus eingängigen Perle!
Das schwermütige Sweet Freedom gilt heute noch als einer der großen URIAH HEEP Klassiker. Ein wunderbares Take, mit einer Melodie, die man, einmal gehört, nur mehr schwer aus dem Gehörgang bekommt. Gänsehautverdächtige Orgelläufe treffen auf eine treibende Rhythmussection und feine, nie überambitionierte Gitarren auf perfekten Harmoniegesang. -Das Take ist Spitzenklasse!
If I Had The Time kann man beinahe schon klassischem Prog Rock zuordnen. Ebenfalls eine eher depressiv-schleppende Nummer, die mit herrlichem Satzgesang und Chorus aufwartet.
Die kürzeren Nummern, Seven Stars ist ein klassisch-fetzender Heep-Rocker a la Easy Livin' und Circus, eine wunderbar hingezauberte Akustik-Perle mit interessantem Text und einem besonders einfühlsamen David Byron, zeigen einmal mehr das musikalische Vermögen der Heep'schen Kernbesetzung auf.
Hammerhart und schwer drogengeschwängert beginnt das epische Monumentalwerk Pilgrim, dessen Intro mir selbst heute noch die Gänsehaut rauf und runter laufen lässt! Mehr will ich gar nicht verraten, denn die Nummer ist ein Erlebnis! -Saustark!

Je nach CD-Ausgabe erhält der Hörer heute diverses Bonusmaterial aus den "Sweet Freedom" Aufnahmen. Auf dem hier besprochenen 1996er Castle-Remastering kommt das m.A. nach am besten zur Geltung. Diese CD bietet mit Sunshine (ex Single B-Side von Stealin'), der original edited Version von Stealin', einer unreleased Version von Seven Stars und dem Original-Cover die beste, heute erhältliche "Sweet Freedom"-Ausgabe. Wer mehr Bonus möchte, muss auf das O-Cover verzichten und zur 2006er Sanctuary-Ausgabe greifen.
Die Qualität der Bonusnummern ist durch die Bank sehr gut. Man muss URIAH HEEP aber auch konstatieren, definitiv die richtigen Songs auf's Album gepackt zu haben!

Für meine Generation, also denjenigen, die noch die alte Vinylscheibe (vom kargen Taschengeld zusammengespart!) im Plattenschrank stehen haben, sind diese erstklassig remasterten "Sweet Freedom" CDs ohnehin ein Pflichtkauf und ich denke, dass auch die junge Generation, die sich teilweise wieder dem Hard- und Heavy Rock der 70er zuwendet, mit diesem Album nichts falsch machen kann. Sicher darf man die zu Ruhm und Ehren gekommenen Heep-Alben (allen voran) "Demons And Wizzard", "Look At Yourself", "Salesbury" und natürlich "The Magician's Birthday" nicht vergessen.
Zusammen mit der einstigen Do-Live-Scheibe sind sie heute eine Grundsäule, teilweise sogar eine Essenz damaligen Hardrocks!

Mensch Leute, 35 Jahre sind vergangen, seit diese Scheibe erstmals erschien. DM 15,95 steht auf dem Preisetikett meiner LP, die ich damals noch (mit zitternden Fingern) im kleinen Elektro-Geschäft um die Ecke erwarb...
Es ist erschreckend, wie schnell die Jahre vergehen!

Christian "Grisu" Gerecht, 26.06.2008

 

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