Uriah Heep

Your Turn To Remember - The Definitive Anthology 1970-1990


CD-Review

Reviewdatum: 10.09.2016
Jahr: 2016
Stil: Classic Rock

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Redakteur(e):

Epi Schmidt


Uriah Heep
Your Turn To Remember - The Definitive Anthology 1970-1990, BMG, 2016
David Byron, Bernie Shaw, John Lawton, John Sloman, Peter GoalbyVocals
Mick BoxGuitar, Vocals
Ken HensleyKeyboards, Vocals
Paul Newton, Gary ThainBass
Alex Napier, Keith Baker, Iain Clark, Lee Kerslake, Chris SladeDrums
Colin Wood, John Sinclair, Gregg DechertKeyboards
John Wetton, Trevor Bolder, Bob DaisleyBass, Vocals
Produziert von: Gerry Bron, Richard Dodd, Ashley Howe, Ken Hensley Länge: 150 Min 04 Sek Medium: CD
CD 1:
01. Gypsy09. Sunrise
02. Come Away Melinda10. Sweet Lorraine
03. Bird Of Prey11. Stealin'
04. Lady In Black12. Sweet Freedom
05. Look At Yourself13. The Shadow And The Wind
06. July Morning14. Suicidal Man
07. Easy Livin'15. Return To Forever
08. The Wizard16. Devil's Daughter
CD 2:
01. Weep In Silince10. No Return
02. Can't Keep A Good Band Down11. Too Scared To Run
03. Sympathy12. Chasing Shadows
04. Firefly13. Straight Through The Heart
05. Free 'N' Easy14. The Other Side Of Midnight
06. Free Me15. Rockarama
07. Woman Of The Night16. Poor Little Rich Girl
08. Come Back To Me17. Voice On My TV
09. It Ain't Easy

Im Rahmen der Wiederveröffentlichung der wichtigsten Alben der Band gibt es – gleichzeitig mit der Neuauflage des Debütalbums “…Very ‘Eavy …Very ‘Umble” - auch diese “Anthology” mit der Aufforderung an die Fans, sich zu erinnern: “Your Turn To Remember”.
Im schmucken Digi-Pack wird die Zeit von 1970 bis 1990 retrospektiert und noch einmal auf die 17 Alben (!) geblickt, die URIAH HEEP in dieser Zeit veröffentlicht haben.
Wobei – und das geht den meisten Bands so! – die ersten Jahre schon und zurecht den größten Teil des Kuchens einnehmen. So hat man gerade an 1975 geknabbert, da ist die erste CD bereits abgelaufen.

Aber das waren halt auch die großen und prägnanten Scheiben der Band: Eben zitierter Erstling, das Follow-Up “Salisbury“, “Look At Yourself“, “Demons And Wizards“ …, sechs Alben in den ersten fünf Jahren!
Und – auch das muss gesagt sein – wenige Bands können auf ein Debüt verweisen, das gleich so einen Hit wie Gypsy beinhaltet. Das liegt natürlich auch an Künstlern wie dem Sänger David Byron, Gitarrist Mick Box und Organist Ken Hensley. Keiner von denen konnte den Gegenspielern von, sagen wir DEEP PURPLE das Wasser reichen, aber oft genug macht’s die Kombination und das richtige Näschen.
Klar, für manche Nummer braucht’s beim Hörer auch gute Nerven, aber die werden ja auch wieder “verarztet“, mit folkigen Nummern wie Come Away Melinda oder dem ewigen Lagerfeuer-Klassiker Lady In Black. Wenn man’s im Original mal wieder hört, kann man sich der Faszination des Songs trotz allem kaum entziehen.
Ansonsten gibt, bzw. gab, man sich auch gern progressiv und nutzte Solopassagen zu psychedelisch angehauchten Exkursionen.
Trotzdem sprangen immer wieder Hit-Songs, wie Easy Livin‘ heraus, die den Zugang zum Mainstream sicherten und somit die entsprechenden Einnahmen.

Beim Rockpublikum punktete man indes mit genialen dynamischen Nummern, wie Stealin‘, welche Jahre später u.a. von TESLA hervorragend gecovert wurde. Ein Rockklassiker wie er im Buch steht!
Die zweite CD beginnt mit Weep In Silence und somit mit dem Album “High And Mighty, welches gleichzeitig das letzte Album mit Sänger David Byron war. Ja, da war manche Hörer schon nicht mehr so sehr von der Qualität der Band überzeugt, auch wenn diese sehr amerikanisch-rockend behauptete You Can’t Keep A Good Band Down.
Auf “Firefly“ gab man sich, mit dem neuen Sänger John Lawton, etwas orientierungslos, wilderte teilweise in QUEEN-Gewässern – wie man im Titelsong hören kann - , schaffte es mit dem Nachfolger, “Innocent Victim“ (1977), aber doch wieder alte und neue Fans zu gewinnen. Das lag an energetischen Rockern, wie Free ‘N‘ Easy, und, natürlich, am Mega-Hit Free Me. Manch Fan der ersten Stunde dreht sich zwar der Magen, angesichts der Tatsache, dass die Band plötzlich auf manchem Disco-Sampler vertreten war, aber, ich kann mir nicht helfen, der Song ist eine Meisterleistung.
Auf Fallen Angel, vom gleichnamigen Album, hätte aber nicht nur ich gerne verzichtet. Da muss man schon genau hinhören, wenn man eine E-Gitarre und rockige Töne hören will. Auch Come Back To Me unterstreicht …, naja, ich glaub‘, das Cover war noch das Beste am ‘78er Album.

1980 war für manche Rockband ein verdammt gutes Jahr. URIAH HEEP ließen sich wohl zu sehr von den neuen Soundmöglichkeiten beeinflussen. Jedenfalls hätte man No Return wohl eher SUPERTRAMP überlasse. Liegt wohl auch an John Sloman, der mittlerweile für den Gesang zuständig war. Aber auch Mick Box klingt eher wie ein Keyboarder, denn wie ein Axe-Man.
Man kriegte wieder die Kurve, auch wenn man mit dem Sänger Peter Goalby auf “Abominog“ – besonders bei Chasing Shadows - mehr nach mancher ‘80er Pop-Rock-Kapelle klang.
Das klang auch auf “Head First“ (und nicht nur bei diesem Titel) stark nach FOREIGNER, hatte mit den Anfängen also praktisch nix mehr zu tun. Fans jener Tage sollten sich vielleicht Rockarama ersparen…
Auch beim abschließenden Song – ach ja, Bernie Shaw ist mittlerweile am Mikro – sollte man besser keinen Direktvergleich zu den Ursprüngen herstellen.
Zur Ehrenrettung muss man sagen, dass auch nach 1990 durchaus noch gute Alben der Band erschienen und sie vor allem im Konzert noch immer zu begeistern wussten und wissen. Erst in Kürze gehen sie zusammen mit STATUS QUO wieder auf Tour. Da wird es sicher ausreichend Gelegenheit geben, sich zu erinnern. Zumindest an etliche Songs auf diesem Doppel-Album.

Epi Schmidt, 04.09.2016

 

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