Vengeance

"Es geht mir nicht um Erfolg. Die Musik hat mir gefehlt!"

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Interview

Reviewdatum: 16.09.2006

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Redakteur(e):

Martin Schneider


Vengeance
"Es geht mir nicht um Erfolg. Die Musik hat mir gefehlt!", Interview

VENGEANCE haben mit ihrem Album "Back in the ring" ein beachtliches Comeback gefeiert und inzwischen auch an der Live-Front bewiesen, dass wieder mit ihnen zu rechnen ist. Sänger und Kopf der Band Leon Goewie nahm sich die Zeit einige Fragen, die sich aufgestaut hatten per eMail zu beantworten.

HOM: Hallo Leon, wie fühlt es sich nach fünf oder sechs Jahren Pause denn an, wieder im Rampenlicht zu stehen?

Leon Goewie: Einfach großartig. Wir waren zu lange von der Bildfläche verschwunden, aber ich benötigte diese Auszeit um an den Punkt zu gelangen, wo ich heute wieder stehe.

HOM: Die Phrase 'Back in the ring' stammt ja aus dem Boxer-Jargon. Spontan fällt einem da natürlich auch der Spruch 'They never come back', bezogen auf ehemalige Champions ein. Glaubst du trotzdem an den Erfolg der zweiten VENGEANCE-Reunion?

LG: Natürlich, sonst hätte ich mir nicht wieder die Handschuhe übergestreift, aber ich mache das nicht um wieder erfolgreich zu sein. Ich mache es, weil ich das Gefühl habe das Richtige zu tun und die Zeit dafür reif zu sein scheint. Mir hat die Musik gefehlt.

HOM: Leon, du bist ja der 'letzte Überlebende' der ursprünglichen VENGEANCE-Besetzung. Magst du uns deine Mitstreiter in ein paar Worten kurz vorstellen?

LG: Barend Courbois: Mein guter Freund und musikalischer Partner. Er war es, der letztendlich dafür verantwortlich war, dass VENGEANCE wieder an den Start gingen. Sehr bodenständig, auf der Bühne genauso wie im Leben.
Hans in't Zandt: Ein Schlagzeuger, der nicht von dieser Welt zu stammen scheint. Er kann einfach alles spielen. Er spielt zusammen mit Barend in verschiedenen Projekten. Sehr zuverlässig, vertrauenserweckend und einfach ein großartiger Mensch.
Peter Bourbon: Ein echter Rock-Gitarrist, der perfekt versteht, wobei es bei unserem riffbetonten Sound ankommt.
In Balingen war noch unser alter Freund Jan Sommers dabei. Ein wahnsinnig talentierter Bursche, der hoffentlich bald erkennen wird, dass diese Band es wert ist, dauerhaft bei ihr einzusteigen. Er ist auch ein klasse Typ und ein erstaunlicher Gitarrist.

HOM: Wie du schon sagtest, habt ihr auf dem Bang Your Head in Balingen gespielt. So weit ich weiß, war das eure größte Show seit den späten Achtzigern. Was mich jedoch etwas verwundert hat, warum ihr nicht auf einem der großen niederländischen Festivals wie dem Arrows oder Bospop gebucht wart. Gilt der Prophet im eigenen Lande nichts? Oder anders gefragt: Gab es einen speziellen Grund, die erste große Festival-Show in Deutschland und eben nicht in den Niederlanden vor heimischem Publikum zu spielen?

LG: Es machte einfach Sinn. Wir haben das Album in Deutschland aufgenommen und sind bei einer deutschen Plattenfirma (Anm. des Verfassers: MTM) unter Vertrag. Ich bin sicher, die holländischen Festivals erleben uns im nächsten Jahr. Wir nehmen einfach die Dinge so, wie sie kommen. Der Auftritt in Balingen wurde uns noch während wir im Studio waren angeboten. So beschlossen wir die Veröffentlichung des Albums darauf abzustimmen. Das erschien uns die logischste Sache der Welt. Und: Es war großartig in Balingen.

HOM: Dem stimme ich zu. Meiner Meinung war euer Auftritt einer der Höhepunkte des Festivals und eine der Shows, die vom Publikum am besten angenommen wurde.

LG: Danke. Ich hatte nicht viel Zeit mir andere Bands anzusehen, weil ich viel zu sehr damit beschäftigt war die Situation zu genießen und selbst Spaß zu haben. Für mich war es eine unheimlich intensive Erfahrung. Wir wussten ja nicht, was uns erwarten würde. Wir wussten es gibt da draußen ein paar VENGEANCE-Fans, aber wir hatten nie und nimmer damit gerechnet, dass es so viele sind, Alte wie Neue. Es war die perfekte erste Show nach der langen Pause, und es waren die Fans, die sie dazu gemacht haben. Wir hätten uns keinen besseren Empfang wünschen können, und ich danke von ganzem Herzen allen Fans die dazu beigetragen haben.

HOM: Ihr hattet für die Show einen besonderen Gast angekündigt: Arjen (Anm. des Verfassers: Lucassen, Ex-VENGEANCE, AYREON), was ja auch naheliegend war. Warum kam die Sache nicht zu stande?

LG: Arjen hatte an dem Tag einen eigen Auftritt, so dass er leider nicht kommen konnte. Jan Sommers war allerdings auch nicht unbedingt eingeplant. Wir fragten ihn eine Woche vorher, ob er Lust hätte, die Geschichte mit uns durchzuziehen und er sagte spontan zu. Mit ihm haben wir Arjens Abwesenheit ausgeglichen.

HOM: Ihr hattet ja ein paar Tänzerinnen als Nummerngirls mit auf der Bühne. War das ein spezieller 'Gimmick' für diese Show, oder darf man sich auch bei zukünftigen VENGEANCE-Konzerten auf die Mädels freuen.

LG: Das war eine einmalige Angelegenheit. Wir dachten, dass ist ein netter Gag.

HOM: Plant ihr weiter Konzerte in den nächsten Monaten? Wie sieht es mit einer eigenen Club-Tour aus?

Vengeance LG: Wir sind als Support für die Herbsttournee von Axel Rudi Pell gebucht. Vorher spielen wir noch zwei Shows in Holland als Anheizer für UFO und Y&T. Das klingt für mich nach einer Menge Spaß.

HOM: VENGEANCE waren schon immer für ihre unterhaltsamen und spannenden Live-Shows bekannt, und mit dem Auftritt in Balingen habt ihr das eindrucksvoll untermauert. Hast du das Gefühl, dass eure Alben vom Publikum auch entsprechend gewürdigt werden, oder siehst du eine Diskrepanz zwischen euerem Ruf als Live- und Studio-Band?

LG: Nein. Da sehe ich keinen Unterschied. Wenn wir an unseren Alben arbeiten, dann haben wir immer die Konzertsituation im Hinterkopf. Das ist und war schon immer unsere Stärke. Manchmal schreibt man natürlich auch einen Song, von dem man weiß, der wird live nicht so perfekt funktionieren, aber die meisten unserer Stücke sind klar auf die Bühne ausgerichtet. Das ist ein Teil dessen, was VENGEANCE eigentlich ausmacht, und immer ausmachen wird.

HOM: Habt ihr jemals daran gedacht ein Live-Album zu veröffentlichen um das hohe Energielevel eurer Auftritte für die Nachwelt festzuhalten?

LG: Das wird mit großer Wahrscheinlichkeit in der Zukunft geschehen. Vielleicht sogar eher früher wie später. Ein Live-Album fehlt uns auf jeden Fall noch in unserer Veröffentlichungsgeschichte.

HOM: Wir haben das Thema schon am Rande angeschnitten: Ihr habt mit "Back in the ring" ein neues Studioalbum veröffentlicht. Bist du mit den bisherigen Reaktionen von Fans und Medien soweit zufrieden?

LG: Die Reaktionen waren unglaublich. Ich bin unheimlich glücklich und fühle mich durch die vielen großartigen Reviews geehrt. In dem Umfang hatte ich damit nie gerechnet.

HOM: Wie würdest du denn das Album im Vergleich zu den früheren Veröffentlichungen beschreiben. Ich würde sagen es ist der typische VENGEANCE-Kick-Ass-Rock 'n' Roll mit zeitgemäßem Sound und Ausstrahlung.

LG: Du nimmst mir die Worte aus dem Mund. Genau das ist es und ich kann es kaum erwarten das nächste Album nachzulegen.

HOM: VENGEANCE werden oft als die europäische Antwort auf VAN HALEN bezeichnet. Würdest du dem zustimmen?

Vengeance LG: Der Vergleich ehrt mich. Ich spüre, wir haben die selbe Art von Energie und die lockere Art die Dinge wie VAN HALEN anzugehen. Und garantiert haben wir Spaß auf eine Art und Weise, die auch für VAN HALEN typisch war...

HOM: Wie wir alle wissen, waren die Neunziger eine Art 'dunkles Zeitalter' für traditionellen Heavy Rock und damit auch für Bands wie VENGEANCE. hast du dich jemals als Opfer dieses Grunge- und Alternative-Hypes empfunden, der diese Zeit dominierte?

LG: Nein, nicht als Opfer. Die Neunziger waren einfach die Zeit des Grunge, wie die Achtziger die Zeit für unsere Art von Musik waren. Das ist etwas, das man nicht beeinflussen kann und es macht keinen Sinn sich darüber zu beschweren. Die Neunziger hielten andere Höhen und Tiefen für mich bereit. Aber das ist jetzt Vergangenheit und wir sind zurück! Wir nehmen es wie es kommt und versuchen uns nicht von irgendwelchen musikalischen Trends aus der Bahn werfen zu lassen.

HOM: Zwischen dem Webmaster von http://www.vengeance-online.tk/ und der Band scheint es einige Missverständnisse zu geben. Magst du dazu etwas sagen? Ist das eure offizielle Homepage oder eher eine Fan-Seite?

LG: Es ist eine Fan-Seite, und genau darin liegt das Missverständnis begründet. Aber das ist inzwischen geklärt. Uns ist jeder Fan, der Zeit und Energie aufbringt um die Band zu unterstützen mehr als willkommen.

HOM: Arjen hat dich in einem Interview mal als eine Mischung aus David Lee Roth und Bon Scott bezeichnet. Was hälst du denn davon, und um dir die Gelegenheit einer Antwort zu geben: Wie würdest du Arjen beschreiben?

LG: Er kann sagen, dass ich so auf der Bühne wirke, aber ich bin, wer ich bin und ich kopiere niemanden. Wir wollen hier doch keine Vorurteile und Schubladen aufbauen, in die man jemand einfach reinsteckt. Ich bin Leon Goewie, ich bin ich selbst und das ist auch gut so.
Arjen würde ich mit niemanden vergleichen. Er ist ein riesiges musikalisches Talent und hat sich in seiner Musik selbst wiedergefunden. Und keine Frage: Er ist natürlich auch ein ganz versierter Gitarrist.

HOM: Jetzt nur mal meine Meinung: Arjens Ruf begründet sich in erster Linie auf sein Schaffen nach VENGEANCE. Trotzdem wird immer wieder VENGEANCE als seine Band dargestellt. Wie empfindest du das?

LG: Arjen hat sehr viel in die Band eingebracht. Darüber brauchen wir nicht zu diskutieren, aber es war nicht seine Band. Die Besetzung mit Arjen war zu ihrer Zeit eine gute Kombination. Eine Band ist zu einem bestimmten Zeitpunkt immer nur ein Spiegelbild ihrer Mitglieder. Trotzdem scheint es so, dass der Sänger bei den meisten Bands ihren Charakter prägt. Die aktuellen Reviews deuten in eine ähnliche Richtung. Ob es auf VENGEANCE tatsächlich zutrifft oder nicht, das wird die Zeit zeigen. Ich will nach vorne schauen und vom jetzigen Punkt aus Spaß haben. Was einmal war ist nicht mehr so wichtig und auch schon so lange her.

HOM: 1995 hast du für die deutsche Band STONEWASHED das Album "Ways of thorns" eingesungen. Was hälst du heute von der Scheibe und wie denkst du über diesen Abschnitt deiner Karriere?

Vengeance LG: Es war etwas, was mir zum damaligen Zeitpunkt richtig erschien. Irgendwie war ich damals etwas orientierungslos nach so vielen Jahren mit VENGEANCE und ich suchte eine neue Richtung. Es war aber schwierig nach VENGEANCE etwas anderes zu machen.

HOM: Vielen Dank für die Beantwortung der Fragen. Gibt es noch etwas was du unseren Lesern sagen möchtest?

LG: Allen Lesern die in der Vergangenheit ihren Spaß mit uns hatten, und allen die mögen, was wir jetzt machen: Ich liebe euch dafür. Ihr seid auf der selben Wellenlänge wie ich und die Band es im Moment sind. Lasst uns das gemeinsam genießen. Vielen Dank für die Unterstützung. Wir sehen uns auf Tour! Und Danke dir, Martin, für das Interview. Viele Grüße, Leon.

Besonderer Dank an Sebastian Eder von MTM Music, der dieses Interview vermittelt hat.

Martin Schneider, 16.09.2006

 

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