Walter Becker

Circus Money

( English translation by Google Translation by Google )

CD-Review

Reviewdatum: 03.08.2008
Jahr: 2008

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Walter Becker Homepage



Redakteur(e):

Frank Ipach


Circus Money, Sonic 360, 2008
Walter BeckerBass, Guitar, Vocals
Larry GoldingsHammond Organ
Larry KleinBass
Dean ParksGuitar
Ted BakerPiano, Keyboards, Electric Piano
Keith CarlockDrums, Percussion
Henry HeyKeyboards
Tawatha Agee, Carmen Carter, Kate Markowitz, Windy Wagner, Luciana Souza, Terry Dexter, Sweet Pea Atkinson, Sir Harry BowensBackground Vocals
Roger RosenbergBass Clarinet, Baritone Saxophone
Produziert von: Larry Klein Länge: 60 Min 07 Sek Medium: CD
01. Door Number Two07. Selfish Gene
02. Downtwn Canon08. Do You Remember The Name
03. Bob Is Not Your Uncle Anymore09. Somebody's Saturday Night
04. Upside Looking Down10. Darkling Down
05. Paging Audrey11. God's Eye View
06. Circus Money12. Three Picture Deal

Walter Becker, neben Donald Fagen einer der beiden legendären STEELY DAN-Väter, hat sich nach 14 Jahren Pause wieder aufgerafft und nach seinem 1994er Solodebut, "11 Tracks Of Whack", ein zweites Soloalbum eingespielt. Glücklicherweise haben ja STEELY DAN ihren Fans die langeWartezeit mit zwei Alben ("Two Against Nature" und "Everything Must Go") etwas verkürzt. Doch die Nachricht über eine Veröffentlichung aus dem Hause Becker wird natürlich mit enormer Spannung und großer Erwartungshaltung goutiert.

Als STEELY DAN-Fan der ersten Stunde (mein erstes DAN-Album war z.B. "Katy Lied") fragt man sich natürlich, ob Walter Beckers "Circus Money" nun anders klingt als eine Scheibe seiner ehrwürdigen Stamm-Band. Um es vorweg zu nehmen: In den Grundzügen letztlich nicht. Doch Becker wäre nicht Becker, ließe er eine schale Blaupause seiner Ur-Combo zu. Er arbeitete dieses Mal nicht mit Kumpel Donald Fagen zusammen, sondern wählte als Produzenten und Co-Autoren den kaum minder begabten Larry Klein (Joni Mitchell, Shawn Colvin, Madeleine Peyroux), der sich bis auf den Titeltrack an allen Kompositionen beteiligte. Klein bewies ja grad vergangenes Jahr wieder seine Jazz-Affinität, als er Herbie Hancocks Aufsehen erregendes Album "The Joni Letters" betreute. Nun, da Becker seit jeher ein ausgesprochenes Faible für Jazz-Harmonien hegt, wundert man sich dann natürlich nicht über entsprechend harmonische Anwandlungen auf "Circus Money". Immer wieder trifft man auf kleine, vertraute, melodiöse Details und Akkordverbindungen, die man vor mehr als 30 Jahren schon mal so oder ähnlich bei STEELY DAN gehört und lieben gelernt hat. Das steckt wohl tief drin in Walter Becker. Warum sollte er das auch zwanghaft verbannen? Dieser lässige, wie aus dem Ärmel geschüttelte, jedoch immer gestochen scharfe Groove der Rhythmus-Fraktion, diese lasziven Damen-Chöre, die wir auch von unzähligen DAN-Tracks kennen, diese nicht ganz alltäglichen, kurzen und explosiven Sax-Soli (von Chris Potter), die wunderbare Tradition der äußerst geschmackvollen, angejazzten Gitarrensoli (mal von Becker selbst, mal von Dean Parks). Lediglich Beckers Gesang mag zunächst etwas gewöhnungsbedürftig klingen, besitzt nicht unbedingt umwerfendes Charisma, fügt sich jedoch geschmeidig in den musikalischen Kontext und fühlt sich schließlich zwischen all den Mädels offenbar recht wohl.

Der große Unterschied zum sonstigen STEELY DAN-Kosmos bleibt wohl die recht offensive Verwendung von Dub- bzw. Reggae-Rhythmen, die dem ganzen Opus die besondere Note bzw. eine prickelnde Frische verleihen und eine intensivere Beschäftigung mit "Circus Money" geradezu herausfordern. Klar, wir kennen diesen Reggae-Groove u.a. aus alten "Royal Scam"-Tagen, Haitian divorce bleibt unvergessen, doch so eine gehäufte Integration jamaicanischer Rhythmen hatten wir bislang weder bei Fagen noch bei Becker. "Circus Money" darf man wohl nicht zuletzt aufgrund dieser gelungenen Synthese aus jazzigen und poppigen STEELY DAN-Versatzstücken und der wohldosierten Mixtur aus Dub-und Funky-Rhythmen als sehr reifes und ansprechendes Album bezeichnen. Und als alter STEELY DAN-Verehrer kommt man sowieso nicht an Walter Beckers Solo-Werk vorbei ... diese alte Vertrautheit vermittelt ein wohliges Gefühl.

Frank Ipach, 03.08.2008

 

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