Walter Trout

Relentless


CD-Review

Reviewdatum: 21.09.2003
Jahr: 2003

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Redakteur(e):

Epi Schmidt


Walter Trout
Relentless, Ruf Records, 2003
Walter Trout Guitar, Vocals
Jimmy Trapp Bass
Sammy Avila Hammond B-3 Organ, Backing Vocals
Joey Parfumi Drums
Gast:
Andrew Elt Backing Vocals
Produziert von: Jim Gaines & Walter Trout Länge: 72 Min 53 Sek Medium: CD
1. I'm Tired8. My Heart Is True
2. The Life I Chose9. Lonely Tonight
3. Jericho Road10. Helpin' Hand
4. Work No More11. Collingswood
5. Talk To Ya12. Empty Eyes
6. Cry If You Want To13. The Best You Got
7. Chatroom Girl14. Mercy

Mittlerweile ja schon etliche Jahre im Geschäft, legt der "Meat Loaf des Blues" - nicht des Erfolges wegen, sondern seine Leibesfülle nähert sich dessen Ausmaßen - seine neueste Scheibe vor. Aufgenommen komplett live im Paradiso-Club in Amsterdam (am 14.05.2003). Pur und rau, wie der Blues eben sein sollte.
Und seine ganze Erfahrung strömt aus dieser Aufnahme, was hat er nicht schon alles gemacht. CANNED HEAT und John Mayalls BLUESBREAKERS sind nur zwei seiner vielen Stationen. Wie oft war er schon "Gitarrist des Jahres" in verschiedenen Publikationen und hat doch immer noch nicht die Anerkennung, die er eigentlich verdient.
Die Entscheidung, sein neues Album einfach direkt live vor Publikum einzuspielen ist sicherlich ein Novum (aber nein - beispielsweise Ted Nugent hat das 1981 bei "Intensities In 10 Cities" auch gemacht - Red.) und die dabei sein durften, werden diese Sternstunde wohl nicht vergessen.

I'm Tired klagt er zwar gleich im ersten Song, aber davon ist auf diesem Album nichts zu spüren. Gewohnt fingerfertig, mit einem herrlichen, fast cleanen Sound, flitzt er über die Saiten seiner Strat und hat dabei doch immer den perfekten "Ton".
Bei The Life I Chose kommen mir öfter Vergleiche mit Warren Haynes bzw. GOV'T MULE in den Sinn, dieser Blues-Rock ist doch sehr ähnlich. Vielleicht sollten Warren und Walter mal was zusammen machen. Wäre sicher interessant...
Aufgelockert wird dieser "Mitschnitt" durch ein paar Akustik-Nummern, wie die tolle Ballade Jericho Road, bei dem auch Andrew Elt (das "fünfte" Bandmitglied) an den Backing Vocals glänzt, oder auch Lonely Tonight, bei dem der schon fast soulige Gesang Walters richtig gut zu Geltung kommt.

Natürlich hat Walter Trout auch den "Texas-Stil" drauf, etwa in Work No More. Hier, wie eigentlich bei allen Songs, ist die genial klingende Hammond Orgel von Sammy Avila die perfekte Unterstützung und Ergänzung zu dem hervorragenden Gitarrensound. Wer selber Gitarre spielt, weiß, dass man schon etwas Klasse mitbringen muss, wenn man ohne Effekte so klingt. Ich behaupte mal, da gibt's nicht viele von.
Cry If You Want To ist eine hervorragende Southern-Ballade die mich Anfangs etwas an You Can't Always Get... erinnert, mit einem Super-Solo. Zwischendurch muss man sich immer wieder in Erinnerung rufen, dass es sich hier um Liveaufnahme handelt (das Publikum hört man nur selten mal) - ein Wahnsinns-Sound!
Die "neue Zeit" ist offensichtlich an Herrn Trout, trotz aller Tradition, nicht vorbei gegangen, oder woher kennt er dieses Chatroom Girl?
Der klassische 12-Bar Blues fehlt natürlich auch nicht und kommt hier in Lonely Tonight zum Vorschein. Da glänzt Sammy Avila mit einem weiteren Hammondsolo, bevor Walter wieder das Heft, bzw. die Strat in die Hand nimmt und unerbittlich (Relentless eben) die Noten rausfeuert.
Das Intro von Collingswood scheint mir bei den BYRDS entlehnt zu sein und der Song bricht auch etwas aus dem Blues-Rock Schema aus, mehr Midtempo-Rock, was diese CD vielseitiger und noch empfehlenswerter macht.

Wie sich die Band gegen Ende immer mehr reinsteigert, lässt wieder die Live-Atmosphäre spüren und macht richtig Lust Walter Trout and the Radicals selbst wieder mal live zu erleben. Bis dahin ist diese Scheibe ein perfekte Überbrückung!

Epi Schmidt, 21.09.2003

 

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