Wardruna

Kvitravn

( English translation by Google Translation by Google )

CD-Review

Reviewdatum: 24.03.2021
Jahr: 2021
Stil: Nordic Folk
Spiellänge: 65:45
Produzent: n.b.

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Plattenfirma: Columbia/Sony Music


Redakteur(e):

Wolfgang Wetzel

Titel
01. Synkverv (Turn-Sight)
02. Kvitravn (White Raven)
03. Skugge (Shadow)
04. Grá (Grey)
05. Fylgjutal (The Speech Of The Fylgja)
06. Munin (Munin)
 
07. Kvit Hjort (White Stag)
08. Viseveiding (Song-Hunting)
09. Ni (Nine)
10. Vindavlarljod (Song Of The Wind-Bred)
11. Andvevarljod (Song Of The Spirit-Weavers)
Musiker Instrument
Einar Selvik Vocals, Taglharpa, Kravik-lyre, Bukkehorn, Sotharpa, Crwth, Bronselur, Langeleik, Trossingen-Lyre, Hurdy-Gurdy, Drums, Percussion
Lindy-Fay Hella Vocals
Arne Sandvoll Percussion, Backing Vocals
Eilif Gundersen Neverlur, Bukkehorn, Lur, Flute, Backing Vocals
HC Dalgaard Drums, Percussion, Backing Vocals
John Stenersen Mora-Harp
Gäste:
Kirsten Bråten Berg, Sigrid Bråten Berg, Unni Løvlid, Ingebjørg Lognvik Reinholdt Chor Vocals

Nach der vor 12 Jahren eröffneten Runaljod-Trilogie („Gap War Ginnunga“ (2009) / „Yggdrasil“ (2013) / „Ragnarok“ (2016)) veröffentlichten WARDRUNA 2018 ein weiteres Album "Skald". Bereits für den Juni 2020 war vorgesehen, dem geneigten Musikpublikum ein Folgewerk vorzustellen. Widrige Umstände, die möglicherweise mit der Corona-Pandemie verbunden waren, verzögerten die Veröffentlichung immer wieder. So war die Freude umso größer, als Multiinstrumentalist Einar Selvik, der Kopf der Gruppe WARDRUNA, im Januar 2021 endlich das neue Album vorstellte.

Ob WARDRUNA mit der neuen Scheibe den bisher hohen musikalischen Standard halten kann und die Freude berechtigt war - wir werden sehen - auf geht's.

Einar Selvik rief WARDRUNA Anfang der 2000er Jahre zusammen mit Lindy-Fay Hella und dem ehemaligen Mitglied Gaahl ins Leben. Die Band widmet sich seit Erscheinen ihrer ersten Veröffentlichung der musikalischen Interpretation altnordischer sowie nordischer Traditionen. In dieser Tradition knüpft das Album „Kvitravn“ dort an, wo seinerzeit die Runaljod-Trilogie endete. Ebenso diese Tradition fortsetzend, werden auch hier alte historische Instrumente wie Kravik-lyre, Trossingen-lyre, Taglharpa, Sotharpa, Langeleik, Crwth, Goat-horn, Lur, Bronze-lur, flute, Moraharpa eingesetzt.

Die Nutzung dieser alten Instrumente sowie Selviks markante, voluminöse Stimme machen wohl den hauptsächlichen Reiz dieses Albums aus. „Kvitravn“ ("White Raven") ist ein düsteres, hypnotisches Album, welches sich mit der nordischen Kultur und Mythologie beschäftigt, in der Zauberei, Geistertiere und natürlich die Natur ihren Platz haben.

Kraftvoll und opulent schallt die Musik aus den Boxen. Massiv und druckvoll machen die Trommeln dem Tieftöner viel Dampf. Die Fülle an eingesetzten Instrumenten erzeugt eine Klangvielfalt, ein Musikgebräu, aus welchem einzelne Instrumente kaum lokalisierbar sind. Hinzu kommt der ständige Einsatz weiterer Geräusche. Sei es der Wind, das Knarzen eines Baumes, der Laut eines Tieres oder ein anderes Geräusch, welches hier akustisch Einzug hält - einzeln kaum zu erfassen, bietet es im Gesamten eine mystische, homogene Einheit.

WARDRUNAs Musik fühlt sich beschwörend, oft okkult, meist melancholisch bis düster an. Nicht umsonst wird sie oft als Hintergrundmusik in den in letzter Zeit erscheinenden Wikingerfilmen verwandt. Dieser beschwörenden Stimmung trägt auch bei, dass doch alle Texte in der nordischen Sprache gesungen werden. Wobei "Gesang" ein wenig differenziert werden muss - dies reicht von leisem Flüstern über monotonen Sprechgesang bis hin zu kraftvoll-dunklen Sangestönen. Selviks sonore Stimme wird durch Lindy-Fay Hellas glockenklaren Gesang bestens ergänzt.

Bevor jedoch die ersten kraftvollen Stücke des Albums zu hören sind, beginnt dies ein wenig gedämpft. Auf Synkverv wird zunächst mit wortlosem Gesang eröffnet. Naturgeräusche tauchen auf, allmählich steigert sich der Rhythmus der Trommeln. Der Song gewinnt an Fahrt, die Geschwindigkeit wird durch ein Saiteninstrument vorgegeben, über allem - oder weit dahinter? - schwebt choraler Gesang. Synkverv - ein Opener, der Appetit auf mehr macht.

Mit dem Titelsong geht es weiter. Erstmals flattert der Weiße Rabe durch die Hörstube. Sein Krächzen mischt sich in die beginnenden Windgeräusche, man sieht in fast durch einen düsteren Wald fliegen. Unheilvoll streicht ein Bogen über die Saiten, setzt beschwörender Gesang ein, in den sich monotone Trommelschläge mischen. Kvitravn wäre eines der Stücke, welches ich präsentieren würde, wollte ich das Album jemandem schmackhaft machen. Ebenso wäre Skugge geeignet für eine Erstvorführung. Der mehrstimmige Gesang, begleitet von einer geisterhaften, schamanischen Stimmung hätte das Zeug dazu, das Highlight des Albums zu werden - wären da nicht die anderen Songs auf Augenhöhe.

Wie der Rabe so ist auch der Wolf ein Tier, welches in der (nordischen) Mythologie eine Rolle spielt. Dem wird auf Grá Rechnung getragen. Aus dem Off scheint Lindy-Fay Hellas Stimme zu kommen und über dem Song zu thronen. Selviks klagender Gesang, der monotone Rhythmus der Trommel sowie die kehlige Hintergrundstimme scheinen den Hörer in Trance versetzen zu wollen.

Elf Tracks befinden sich auf dem Album, die allesamt nicht unbedingt als eingängig bezeichnet werden können. Dennoch kann man in der Tiefe jedes einzelnen Songs versinken und sich inmitten der weiten, tiefen Fjorde oder der dunklen Wälder Norwegens wiederfinden.

Der Anfangs erwähnte hohe Qualitätsstandard der vorigen Alben wird hier locker gehalten. Mit „Kvitravn“ ist WARDRUNA wieder ein großer Wurf gelungen. Ein episches Meisterwerk, welchen Fans mittelalterlicher Musik oder Runenfreunden unbedingt empfohlen sei. Selvik soll in einem Interview gesagt haben, Dies ist das einzige Album, bei dem ich darauf bestehen werde, dass die Leute es mit Kopfhörern hören. Dem kann ich mich - zumindest zeitweise - nur anschließen. Frei von allen Nebengeräuschen, eingeigelt in sich selbst, wäre dies ein doppelter Genuss.

Die Verpackung

Ein prima Digipack. In der linken Seitenhälfte ist ein umfangreiches Booklet eingeschoben. Hier sind alle Texte in der Originalsprache sowie der englischsprachigen Übersetzung abgedruckt. Die Musiker werden mit den Instrumenten, mit denen sie vertreten sind, erwähnt. Einige Fotografien runden das schöne Booklet ab. Rechts ist, ordentlich entnehmbar, das Booklet in einer Plastikhalterung untergebracht. Auf der Rückseite des Digipack sind noch einmal alle Titel abgedruckt.

 

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