Weather Report

Live In Berlin 1975

( English translation by Google Translation by Google )

CD-Review

Reviewdatum: 02.03.2011
Jahr: 2011
Stil: Jazz

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Redakteur(e):

Michael Koenig


Weather Report
Live In Berlin 1975, Art Of Groove/M.i.G., 2011
Joe ZawinulSynthesizers, Fender Rhodes, Grand Piano
Wayne ShorterTenor Saxophone, Soprano Saxophone
Alphonso JohnsonElectric Bass
Alejandro (Alex) AcuñaPercussion
Chester ThompsonDrums
Produziert von: Tony Zawinul & Joachim Becker Länge: 41 Min 40 Sek Medium: CD
01. Freezing Fire03. Mysterious Traveller
02. Scarlet Woman04. Badia/Boogie Woogie Waltz

Der Name WEATHER REPORT genießt bei Jazzliebhabern auf der ganzen Welt eine riesige Reputation und hat einen, dementsprechenden, Ruf wie Donnerhall. Die von dem, 2007 leider verstorbenen, österreichischen Jazzpianisten, Keyboarder, Komponisten und Arrangeur Joe Zawinul (hatte u.a. schon mit Miles Davis gearbeitet) und dem US-amerikanischen Jazzsaxofonisten und Komponisten Wayne Shorter (war u.a. mit Miles Davis, Art Blakey [JAZZ MESSENGERS] und Tony Williams [Miles Davis] zugange) anno 1971 ins Leben gerufene, immer wieder umgestellte und 1985 dann endgültig aufgelöste Combo trat am 06. November 1975 bei den Berliner Jazztagen in der Philharmonie auf. Die Besetzung bestand damals, neben Joe Zawinul und Wayne Shorter, aus Alphonso Johnson (USA, Jazzbassist, Komponist, ex-Chuck Mangione Quartet), Alex Acuña (Peru, Perkussionist, u.a. Elvis Presley) und Chester Thompson (USA, Schlagzeuger, u.a. ex-Frank Zappa’s THE MOTHERS OF INVENTION, vor allem durch sein späteres, langjähriges Zusammenwirken mit GENESIS bekannt geworden). Die dort entstandenen und noch nie zuvor erschienenen Aufnahmen wurden gerade eben, da die Bandgründung sich heuer zum vierzigsten Mal jährt, mit dem Titel “Live In Berlin 1975“ als DVD/CD-Set herausgebracht. Damit ist der Startschuss zu einer Konzerttrilogie dieser herausragenden Gruppe gefallen. Der nachstehenden Rezension liegt die betreffende CD, jedoch ohne DVD, zugrunde.

Es ist wahnsinnig beeindruckend, diesem Quintett aus brillanten Einzelkönnern zuzuhören. Das gilt sowohl für das Zusammenspiel, wie für die Soloeinlagen. WEATHER REPORT präsentierten sich hier äußerst wandlungsfähig. Sowohl als feste und homogene Einheit, als auch als lockerer Verbund völlig eigenständiger Individualisten und Improvisateure, die es nicht nötig hatten, egoistisch oder gar eifersüchtig auf die Mitmusiker zu schielen. Ihr Tun richtete sich einzig und allein danach, was ihnen gefiel und ihr ureigenstes Vergnügen förderte, aber vor allem, was dem gemeinsamen Projekt diente.
Der Fünfer dachte gar nicht daran, sich bei seiner Darbietung lediglich auf sein Stammgenre, den Jazz, zu beschränken. Warum auch, wo man doch Elemente aus Funk, Rock und anderen Stilen bzw. Unterstilen einbauen, und dadurch das Spektrum der musikalischen Ausdrucksmöglichkeiten um einiges erweitern konnte. Neben den Tönen von Flügel, Saxofonen, elektrischem Bass, Perkussionsgerätschaften und Schlagzeug, brachten, die mithilfe von Fender Rhodes und Synthesizern erzeugten, elektronischen Soundeffekte zusätzliche Klangdimensionen aufs Tapet.

Das Publikum meldete sich während der knappen dreiviertel Stunde und in dieser kurzen Zeit lediglich vier (Freezing Fire stammt von Wayne Shorter, Scarlet Woman verfassten Joe Zawinul, Wayne Shorter und Alphonso Johnson gemeinsam, Mysterious Traveller und Badia/Boogie Woogie Waltz schrieb Joe Zawinul) gespielten Tracks, kaum einmal, sondern war ganz ergriffen und gefangen von den ihm entgegenströmenden Klangkaskaden, den fließenden Tonlandschaften, den überwältigenden, mitreißenden Rhythmen, den unwiderstehlichen Grooves und den unglaublichen, auch mit ungewöhnlichen Techniken und Fingerfertigkeiten angereicherten, Soli. Nur in den kurzen Pausen zwischen den Nummern applaudierten die Leute, um sich dann zum Ende der Show hin und ganz am Schluss erheblich frenetischer zu zeigen.

“Live In Berlin 1975“ zeigt in extraordinärer Art und Weise, was WEATHER REPORT in dieser Zusammensetzung zu leisten imstande waren und wie abenteuerlustig und spannend Jazz bzw. darauf basierende Musik sein kann. Hier gaben sich fünf Meister ihres jeweiligen Faches ein Stelldichein, um musikalische Grenzen auszuloten, zu überschreiten und die Jazz-/Musikwelt in Staunen zu versetzen. Auf dieser Bühne waren alle gleichberechtigt. Jeder durfte nach Herzenslust musizieren. Niemand stand in der zweiten Reihe.

Die weltweite Jazzfangemeinde wird ob dieser Edition sicher schwer begeistert sein. Mit vollem Recht. Ich jedenfalls bin regelrecht aus dem Häuschen und vergebe für diese Compact Disc hiermit feierlich die höchste Empfehlungsstufe! Und das ohne den, ganz bestimmt noch beeindruckenderen, audiovisuellen Teil des Pakets überhaupt zu kennen. Ich bin jetzt schon auf die anderen Teile der angekündigten Trilogie gespannt.

Michael Koenig, 25.02.2011

 

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