Candye Kane

Wendelstein, Jegelscheune, 02.11.2003

( English translation by Google Translation by Google )

Konzertbericht

Reviewdatum: 02.11.2003

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Candye Kane Homepage



Redakteur(e):

Epi Schmidt


Wendelstein, Jegelscheune, 02.11.2003

Candye Kane

Na, das ging ja einfacher als gedacht, wenn ich da an meine Odyssey nach Roth vom Frühjahr denke...
Das kleine, schmucke Städtchen Wendelstein liegt gleich bei Nürnberg und beherbergt die Jegelscheune, in deren 1. Stock sich ein ebenso schmucker kleiner Saal befindet. Dem reiferen und gesetzteren Publikum entsprechend wird hier auch nicht gestanden sondern...ääh...gesessen. Eben.
Für mich und meinen Freund/Fotograf Peter findet sich tatsächlich (Danke an Andy Loesche und Gerd Huke) ein Platz in der ersten Reihe.

Pünktlich um 20 Uhr geht's auch schon los. So wie sich das für eine Diva gehört, spielt natürlich erst mal die Band alleine - die Bühne will ja entsprechend angerichtet sein.
Ein lockerer Blues-Swing, in moderater Lautstärke, zeigt schon jetzt, dass die Jungs ihr Handwerk verstehen.
Ja, und dann ist es soweit: Candye Kane wuchtet sich auf die Bühne. Meine Güte! Ich habe viel gehört, aber diese Frau! "Drall" wäre weit untertrieben...
Dass sie auf dieser relativ kleinen Bühne mit nur einem Schritt zuviel jemand in der ersten Reihe auf dem Schoß landen würde, erschreckt mich kurz (nicht schon wieder ein Bandscheibenvorfall!) aber zum Glück sitz ich etwas mehr am Rande...
Was wir brauchen schmettert sie uns auch gleich um die Ohren: You Need A Great Big Woman aus ihrem "Diva La Grande"-Album. Yes, Ma'm!
Wenn man die Augen schließen würde, könnte man eine Schwarze in der Art von Etta James sehen. Nur ein Idiot würde die Augen schließen!

Sie freut sich über den ausverkauften Saal und steigt gleich in Scream In The Night, beim "Scream" von ihrer Band unterstützt, ein.
Alle Achtung, gestern noch in Kalifornien auf der Bühne, 20 Stunden geflogen und jetzt hier in Wendelstein. Keine Anzeichen von Jetlag. Erst später wird sich ihre Stimme etwas melden.
Gewandet ist sie in eine Art... muss wohl aus einem Kino/Theatervorhang gemacht sein und darüber ein schwarz gefärbtes Tarnnetz. Wo sollte man sonst soviel Stoff auftreiben um diesen Körper einzuhüllen?
Aus ihrem gewaltigen Vorbau kramt sie einen Fotoapparat raus und macht erst mal ein paar Bilder vom Publikum - die Stimmung wird zusehends ausgelassener.

An Etta James erinnert sie bei der Ansage zum nächsten Song noch mal und es folgt das von ihr mitverfasste flotte Something's Got A Hold On Me. Ein richtiger "Show-Stopper" vom aktuellen Album und was für ein Organ! Die P.A. wäre wahrscheinlich gar nicht nötig.
Dass sie Fit, Fat And Fine ist, demonstriert sie eigentlich ständig und bei diesem Song ist ihr Gesangspartner Kyle Jester, der hier wie auf "Whole Lotta Love" an der Gitarre zu hören ist und auch hervorragend singt.
Überhaupt schaffen es die Jungs, die Songs, die auf CD oft durch Bläser und andere Instrumente aufgepeppt sind, bestens zu interpretieren. Meistens gibt's sowohl ein Gitarren- wie auch ein Spitzen-Piano-Solo! Manchmal kommen sogar alle vier Begleitmusiker zu ihrem Solo in einem Song - inkl. Candye's Sohnemann an den Drums!
Leider ist Candye's Spezialität heute Abend nicht zu erleben (mehr dazu im Interview).

Einer meiner Lieblingssongs vom neuen Album ist der Big Bill Broonzy-Akustik-Blues What's That I Smell. Heute Abend von der ganzen Band gespielt und wieder ein tolles Duett von Candye und Kyle.
Diese Dame ist einfach ein perfekter Entertainer, da wird auch zwischendurch mal "gepredigt" und verkündet: Love 'Em & Forgive 'Em, vor dem sie einen Teil ihrer Erfahrungen und Erlebnisse erzählt. Dann wird mal kurz auf die neue CD verwiesen und flugs einen Stift aus dem Ausschnitt (eigentlich das falsche Wort...) gezückt um in der Pause diverses zu signieren.
(DIVERSES??? Die Redaktion fragt sich!)
Vorher wird aber noch mal richtig Stimmung gemacht mit All You Can Eat (And You Can Eat It All Night Long) und da singt das Publikum auch nahezu geschlossen im Refrain mit.

Ein kurzes Bier-Päuschen und das Szenario wiederholt sich. Erst die Band - dann die Kane.
Liebe ist es was sie verkünden will. Liebt euch, euren Körper, euren Nächsten - Everbody Needs Love (aus "Swango") schallt uns um die Ohren gefolgt von No! I Ain't Gonna Let You Go (CD: "Home Cookin').
Bedient wird nahezu alles: Da gibt's Blues wie Jazz und Boogie und Swing und immer so fesselnd, dass man kein Auge von der Bühne wendet.
Langsam merkt man ihr, hauptsächlich wenn sie spricht, doch etwas die Anstrengungen der letzten Tage an und so kommen immer wieder mal ein paar ruhigere Songs. Tryin' To Forget You, 27 Times (die Frau hat echt zu jedem Lied eine Geschichte!), Seven Man A Week sind die nächsten und dann wird das erst später geplante Whole Lotta Love vorgezogen. Noch mal kurz der Hinweis, dass der Song von Willie Dixon stammt (korrekt!) und obwohl der Sound der Band nicht an die Studioversion rankommt und auch das Solo entfallen muss, reißt einen die Stimme von Candye Kane richtig mit! Für mich, keinen Deut schlechter als Robert Plant.
Mit dem umgewandelten Hey, Bo Diddley (von mir aus auch Who Do You Love), der Text heißt hier "I want Candye" geht der zweite Teil zu Ende.

Der Pianist betritt zur Zugabe allein die Bühne und lässt ein weiteres Mal sein Können aufblitzen, ehe ihm Candye folgt und den passenden Song, I'm Not Getting Older, nur zum Piano singt. Trotzdem fetzig und richtig Spaß machend - bester Boogie-Woogie! "I can shake it all night, I can shake it all day, when start shakin' better move out of the way.". Wie recht sie hat. Dass sie zu einer zweiten Zugabe noch mal auf die Bühne zurück kehrt, hätte ich nicht erwartet aber sie lässt es sich nicht nehmen diesen Etta James-Song, den sie auf Hochzeiten singt/gesungen hat (Sorry, Titel hab ich verpasst), für die Besucher der Jegelscheune zu singen. Mit dieser tollen Blues-Soul-Ballade endet denn auch ein richtig gutes Konzert.

Leider wird es, wenn ihr das hier lest, wohl schon zu spät sein, sie in diesem Jahr auf Tour zu erleben (04.11.2003 Großbottwar, 07.11. Minden, 08.11. Hamburg, 09.11. Mechernich), aber sie ist ja erst 34, oder 39, oder irgendwas in der Richtung und da können wir ja noch auf ein paar Touren hoffen. Denn, wie sie selbst sagt: "I'm not getting older - I'm getting better!"

P.S.: In Wendelstein findet übrigens auch jedes Jahr das "New Orleans Music Festival" statt. 2004 zum 11. Mal. Ja, man lernt immer was dazu (Info hier).

Epi Schmidt, 03.11.2003

 

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