US Rails

Wesel, JZ Karo, 30.10.2016

( English translation by Google Translation by Google )

Konzertbericht

Reviewdatum: 02.11.2016
Stil: Americana

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Redakteur(e):

Frank Ipach


US Rails,
Wesel, JZ Karo, 30.10.2016

Ob die Jungs von US RAILS heute morgen während des Frühstücks schon ihr schönes Liedchen Lucky stars schmetterten ist nicht überliefert. Doch nach ihrem glorreichen Konzert am Sonntagabend im Weseler "JZ Karo" darf man fast davon ausgehen, dass sich diese Textzeilen irgendwo zwischen Brötchen, Marmelade und Schinken kringelten: "Does anybody know just how lucky we are, just banging on drums and strumming on guitars, just tryin' to have fun in some dark and dusty bar. And in the morning when I wake up, I thank my lucky stars."

Das vor einigen Jahren als sogenanntes Americana-Supergroup Projekt gestartete Quartett, darf sich auf deutschen Club-Bühnen immer noch - und das völlig zurecht - als Blue Rose Records Lieblings-Band fühlen. Als Superstar führt sich jedoch glücklicherweise niemand der vier Herren auf. US RAILS sind Musiker zum Anfassen, zum Schwer-Sypathisch-Finden. Jungs wie Du und ich, mit Falten, Haarproblemen und leichtem Übergewicht. Der Unterschied: es sind ganz superbe Songwriter und prima Musiker.

Tom Gillam, der knuddelige Lausbub, der sich seine ergrauten Stirnlocken offenbar von Bonnie Raitt abgeschaut hat, gibt sich wie gewohnt als der extrovertierteste der illustren Runde. Schmeißt sich in die eine oder andere Pose, scherzt und grinst schelmisch während er das Publikum anmacht. Ungezwungen, locker und sympathisch. Beim Gassenhauer Old Song On The Radio nimmt das gut gelaunte Publikum im ausverkauften "Karo" die Gelegenheit wahr, sich den Frust der vergangenen Arbeitswoche von der Seele zu singen. Da verzeiht man der Band natürlich auch, dass die Harmonien des Songs ganz frech von COMMODORES Easy entliehen sind.

Gitarrist und Sänger Scott Bricklin, der offenbar ein paar Gesangsstunden bei Don Henley genommen hat, mimt den zweiten ConfĂ©rencier des Abends und sorgt für publikumsfreundliche Abwechslung, während er sich seine Telecaster umschnallt und sämige Rock-Riffs ins Publikum feuert und sich zündende Sologitarren-Duelle mit Gevatter Gillam liefert.

Ja, Abwechslung; dieses Wörtchen prangt in großen Lettern über der Bühne. Ähnlich wie bei den seligen EAGLES - deren musikalischer Spirit über allem schwebt - wechseln die Lead-Vocalisten ein ums andere Mal, jedoch ohne den geringsten Qualitätsverlust. Welcher der Sänger geht denn nun am besten ins Ohr? Tommy Gillam, Scott Bricklin oder Drummer Matt Muir, der am Ende des Gigs sogar noch Jackson Brownes 70s Tour-Hymne Running On Empty zum Besten gab. Manche der Anwesenden munkeln sogar, es sei der eher introvertiert wirkende Keyboarder Ben Arnold, dessen Stimmfärbung einer Kreuzung zwischen Halsentzündung und einer Kiste Bourbon nahekommt.

Sei's drum, nur der neu ins Getümmel geworfene französische Bassist Felix Beguin ziert sich ein wenig und begnügt sich mit Backing-Vocals und einem Cameo-Auftritt an Ben Arnolds Piano, während der altgediente Schienenangestellte Arnold in die vorderste Spur rückt und die Weichen für Scott Bricklin am Bass stellt. Verwirrspiel? Nein, beste Unterhaltung! Wobei das vor einigen Monaten aus den Gleisen gesprungene Gründungsmitglied Joseph Parsons kaum vermisst wurde.

Wer also noch nie die Gelegenheit bekam, den US RAILS und ihrem Potpourri aus heimlichen Hits zu lauschen, sollte schleunigst die verbliebenen Tour-Termine checken, umgehend die bequeme Sitzposition aufgeben, alle Freunde und Bekannten motivieren TV, Video und Computer auszuknipsen, um sich diese formidable Truppe zu gönnen. Dann kann man am folgenden Morgen auch mal wieder mit 'nem schönen Lied auf den Lippen ins Badezimmer tänzeln.

Frank Ipach, 30.10.2016

 

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