Hobotalk

Wesel, Karo, 17.10.2007

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Konzertbericht

Reviewdatum: 17.10.2007

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Redakteur(e):

Frank Ipach


Wesel, JZ Karo, 17.10.2007

Herrschaftszeiten, wie soll das nur mit ordentlichen Zuschauerzahlen funktionieren, wenn das junge, musikhörende Volk derart unter Geschmacksverirrung leidet. Da fuhr ich doch heute Vormittag auf einen Supermarktparkplatz und postierte meinen PKW direkt neben einen jungen Schnösel, der mit geöffneten Fensterscheiben lautstark Matthias Reims Verdammt, ich lieb' Dich in die nasskalte Oktoberluft pustete. Das riss mich jäh aus meinen Träumen, denn in meinem Gefährt lief zuvor noch der aktuelle Longplayer von Lori McKenna, "Unglamourous". Welch kalte Dusche. Brrrr ... !

Kalt erwischt hatte es am vergangenen Mittwoch auch die vier Schotten von HOBOTALK, die mit einer relativ ernüchternden Zuschauerbilanz von gut 30 Zuschauern vorlieb nehmen mussten, während unsere deutschen Nationalkicker in der Münchener Allianz-Arena und vor sicherlich zig Millionen flimmerndenTV-Geräten ein schläfriges Qualifikationsspiel ablieferten. Die einen hören haarsträubende Musik, die anderen investieren ihre Freizeit in Fussball-Matches, deren Relevanz, zumindest aus deutscher Sicht , unerheblich war. Okay, jedem das seine.

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Mein Glück war es, mich für HOBOTALK im Weseler 'Karo' entschieden zu haben. Hier wurde im kleinen, gemütlichen Rahmen allerfeinste Unterhaltung geboten. Qualifikation für die musikalische Champions-League inklusive.
Marc Pilley und seine drei Begleiter schienen zunächst mal wieder, wie schon so oft in Wesel registriert, ein wenig erstaunt über die hingebungsvolle Aufmerksamkeit und absolute Ruhe im Auditorium, die auch ein Entfalten der leisesten Songs unumschränkt zuließ. Selbst der Support-Act, Emirsian, konnte sich voll und ganz auf seinen reizvollen Liederzyklus konzentrieren, der irgendwo zwischen Nick Drake und der Familie Buckley verortet werden konnte. Emirsian überraschte das eine oder andere Mal mit dem offenbar unstillbaren Drang, seiner Akustikgitarre angeschrägte Akkorde und unerwartete Harmoniewechsel zu entlocken, meisterte seinen schwierigen Parcours aber mit sympathischer Präsenz.

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Nicht minder freundlich und gutgelaunt schmetterten die jungen Schotten ihre zumeist vom jüngsten Album, "Homesick For Nowhere", stammenden Titel ins Zwielicht des Raumes und liessen nie einen Zweifel darüber aufkommen, dass hier eine absolut gut aufeinander eingespielte Band zu Werke ging. In einer vor Spielwitz sprühenden Combo hinterliess Keyboarder Alan Petrie noch den intensivsten Eindruck, weil er seine variabel gestalteten Sounds so wunderbar unaufdringlich, aber deshalb nicht weniger effektiv in die feingliedrigen Arrangements integrierte und zudem wie selbstverständlich mit der linken Hand sämtliche Basslinien erschuf und die Nichtanwesenheit eines 'echten' Bassisten ganz schnell vergessen ließ. Marc Pilley selbst ließ es sich nicht nehmen, den einen oder anderen Song mit kleinen Anekdoten einzuleiten, brachte natürlich auch Songs aus den alten Alben, u.a. Letter from a friend; Little light; Give your heart; Life amongst these graves und kreierte auch im Konzertsaal die von seinen Platten so liebgewonnene romantisch versponnene Aura, der es gelingt, dem Hörer die heilende Kraft der Pilley'schen Melodien ganz mühelos zu vermitteln. Wer hier womöglich großartige rockige Momente erwartet hatte, sah sich zwar enttäuscht, doch die Band verstand es zwischenzeitlich sehr wohl, der getragenen Stimmung einige Funk- und Groove-Elemente beizumengen, die den Adrenalinpegel sehr wohl wieder in Wallung brachten.

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Ein schönes Konzert, ein wohltuendes Konzert, Musik in der man sich verlieren kann, eine Band, die es verdient, von einem größeren Publikum gehört zu werden.
An dieser Stelle geht mein Dank auch speziell an Peter Pricken, der mir freundlicherweise ein paar seiner zahlreichen Konzertfotos überließ. Weitere HOBOTALK-Pics und zahlreiche andere Fotografien findet man unter prickenpics.

Frank Ipach, 20.10.2007

 

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