Tim Easton

Rosavelt

Wesel, Karo, 06.11.2004


Konzertbericht

Reviewdatum: 06.11.2004

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Rosavelt Homepage



Redakteur(e):

Frank Ipach


Wesel, KARO, 06.11.2004

Tim Easton Ich möchte mich nicht lange mit dem üblichen Lamento aufhalten und mich über zu geringe Zuschauerzahlen in einem Roots-Music orientierten Club wie dem Weseler KARO beklagen. Fakt ist, dass in Wesel immer wieder bestaunenswerte Acts die Bühne dieses Ladens bevölkern und dem geneigten Musik-Fan die Möglichkeit bieten, Blut, Schweiss und Tränen hautnah mitzuerleben.
So geschehen am gestrigen Samstag, als sich gerade mal knapp 40 Interessierte aufmachten, den aus Ohio stammenden Singer-Songwriter Tim Easton zu bewundern. Easton, der insbesondere mit seinem letzten Soloalbum zu beindrucken wusste und im vergangenen Jahr die John Hiatt-Tour so glänzend zu eröffnen verstand, kam allerdings nicht allein.

Tim Easton & Rosavelt Die mir bis dato völlig entgangene Combo ROSAVELT aus Cleveland/Ohio brachte das Kunststück fertig, einerseits als eigenständig agierende Band das sogenannte Vorprogramm für Tim Easton zu stellen. Und andererseits im Anschluss als feinfühlig und gleichberechtigt musizierende Partner, Tim Eastons Songs auf ein hohes Niveau zu transportieren.
Frappierend war dabei, dass ROSAVELTS eigenes Material eher als hemdsärmelig daherkommender Rock mit scharfen Gitarrenattacken plus dem inbrünstig geraspeltem Gesang eines Christopher Allen funktionierte. Und gerade die beiden Gitarristen Jesse Bryson und Christopher Allen später dann Tim Eastons oftmals fragileres Songhandwerk ganz sensibel zu interpretieren wussten. Alle Achtung.
ROSAVELT rockten also die Hütte, wirkten absolut sympathisch und hinterliessen mit ihrer köchelnden Mischung aus Feingefühl und Ruppigkeit einen bleibenden und stets erfreulichen Eindruck. Stellt euch die Bandbreite mal irgendwo zwischen Eric Ambels YAHOOS, frühen WILCO (a.m.) und KINGS OF LEON vor.

Tim Easton Tim Easton präsentierte kurze Zeit später einen abwechslungsreichen Querschnitt seiner Karriere, wobei er eine ganze Menge völlig neuer Songs von dem Album darbot, welches halbwegs fertig in seinem Kopf umherschwirrt und hoffentlich nächstes Jahr erscheinen wird.
Die Songauswahl konzentrierte sich ansonsten überraschend häufig auf sein älteres Album "Special 20" denn auf sein ebenso formidables "Break your mother's heart", von dem er leider nur Poor poor L.A. und Lexington jail intonierte. Easton bewies einmal mehr, dass er ein hervorragender Sänger und ein absolut beindruckender Akkustikgitarrist ist. Mit sauberem und klar strukturiertem Picking zog er den Saal auf seine Seite.

Tim Easton Dass auch er, wie viele andere amerikanische Künstler, seinen Unmut über den amerikanischen Wahlausgang zu artikulieren wusste, überraschte kaum. Denn wer mal einen Blick auf Eastons Homepage wirft, nimmt zur Kenntnis, dass ROSAVELT und Tim seit Monaten umtriebig durch die U.S.A. tourten, um Stimmung für John Kerry zu machen. Als Ventil für den aufgestauten Frust diente ein brandneues, am 3. November komponiertes Stück, mit dem vielsagenden Titel I don't wanna go home.

Tim Easton Da sich Easton ebenfalls als Verwalter uramerikanischen Kulurguts sieht, liess er es sich nicht nehmen gegen Ende des Konzertes ein paar Blues-Songs von Brownie McGhee und Sonny Terry zu spielen und schickte die zufriedene Weselaner Hörerschaft mit dem träumerischen Leadbelly-Klassiker Goodnight Irene in die wohlverdiente Nachtruhe. Ein schönes Konzert.
Dank an Encore Booking und die Belegschaft des KARO.

Frank Ipach, 07.11.2004

 

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