Whitesnake

Live At Donington 1990

( English translation by Google Translation by Google )

CD & DVD-Review

Reviewdatum: 22.06.2011
Jahr: 2011
Stil: Hard Rock, Heavy Metal

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Redakteur(e):

Marc Langels


Whitesnake
Live At Donington 1990, Frontiers Records, 2011
David CoverdaleGesang
Steve VaiGitarre
Adrian VandenbergGitarre
Rudy SartoBass
Tommy AldridgeSchlagzeug
Rick SerateKeyboards
Produziert von: Bjorn Thorsrud, Doug Aldrich & Michael McIntyre Länge: 103 Min 14 Sek Medium: CD & DVD
Disc 1Disc 2
01. Slip Of The Tongue01. Fool For Your Loving
02. Slide It In02. For The Love Of God
03. Judgement Day03. The Audience Is Listening
04. Slow & Easy04. Here I Go Again
05. Kitten's Got Claws05. Bad Boys
06. Adagio For Strato06. Ain't No Love In The Heart Of The City
07. Flying Dutchman Boogie07. Still Of The Night
08. Is This Love
09. Cheap & Nasty
10. Crying In The Rain
DVD
01. Konzert03. Slideshow
02. Making Of "Slip Of The Tongue"

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Bevor ich inhaltlich einsteige in die Rezension muss ich mich erst einmal selber für befangen erklären. Denn genau diese Tournee habe ich am 25.08.1990 in der Dortmunder Westfalenhalle im Rahmen des Super-Rock-Festivals (zusammen mit POISON und AEROSMITH) erleben dürfen und das Erlebte gehört für mich auch mehr als 20 Jahre danach noch immer zu den besten Konzert-Erlebnissen. Und als Gitarren-fixierter Metal-Fan war das Gespann Vandenberg/Vai für mich ein wahres Fest. Nur soviel schon einmal vorweg.

Die Weiße Schlange hat in den vergangenen Jahren nicht gegeizt mit Live-Veröffentlichungen. Nach “Live – In The Still Of The Night“ (2006) und “Live In The Shadow Of The Blues“ (2007) ein weiteres Werk von der Bühne vor, aber dieses ist keines von einer aktuellen Tour sondern ein ganz Besonderes. Aufgenommen wurde das gute Teil nämlich schon 1990 und zwar beim britischen Monsters Of Rock in Donington. Und wer die Jahreszahl 1990 sagt, der meint natürlich die Besetzung mit Steve Vai und Adrian Vandenberg an den Gitarren, Rudy Sarzo am Bass und Schlagzeuger Tommy Aldridge. Unbestritten die wohl musikalisch-spieltechnisch schlagkräftigste Besetzung im ständig wechselnden WHITESNAKE-Kosmos.

Der hier vorliegende Mitschnitt zirkulierte schon länger als sehr gutes Bootleg und gehörte immer schon zu den begehrtesten Mitschnitten (mal abgesehen von Mitschnitten der “1987“er-Tour). Nun findet er also als offizielle Veröffentlichung dank Frontiers Records den Weg ans Tageslicht. Mitgeschnitten wurde das Konzert damals von der BBC und somit ist die Qualität sehr ordentlich. Vielleicht ist der Mitschnitt sogar authentischer als ein Großteil dessen, was man heute als so genannten „Live-CD“ vorgesetzt bekommt. Dabei wurde der Sound im Vergleich zum Bootleg natürlich noch ein wenig aufpoliert, aber die Spuren blieben die gleichen.

WHITESNAKE lebten damals neben Front-Schlange David Coverdale natürlich hauptsächlich von den beiden Gitarristen: auf der einen Seite der etwas zurückhaltende, blonde Niederländer Adrian Vandenberg, dessen Stil trotz aller technischer Fertigkeiten vom klassischen Hard Rock geprägt wurde. Auf der anderen Seite der gnadenlos extrovertierte, schwarzhaarige Amerikaner Steve Vai (Ex-David Lee Roth-Band), dessen Spiel vor allem von seinen Lehrmeistern Joe Satriani und Frank Zappa beeinflusst wurde. Das bedeutet nicht nur, dass er technisch alles spielen konnte sondern auch die Freiheit suchte, dies zu tun. Gerade aus dieser Gegensätzlichkeit bezog die damalige Musik der Band einen besonderen Reiz, den anderen Besetzungen eben nicht bieten konnten. Und so bekommen beide Gitarren-Helden ihre Chance, das Publikum mit etwas längeren Saiten-Hexereien zu beglücken und diese können sich wirklich hören lassen. Dabei handelt es sich nämlich nicht um einfaches Genudel und Skalen-Gewichse ohne Hintergrund, sondern um clever arrangierte Solo-Spots. Bei Vai basieren diese auf seinen Solo-Tracks For The Love Of God und The Audience Is Listening (von “Passion & Warfare“). Bei Vandenberg lauschen sie auf den Namen Adagio For Strato und Flying Dutchman Boogie.

Ansonsten zeigte die Band zeigte damals ein buntes Programm aus Hits der erfolgreichen 1980er-Alben (“Slide It In“, “1987“ und “Slip Of The Tongue“) sowie den Blues-Phase-Überhit Ain’t No Love In The Heart Of The City. Coverdale hatte das Publikum von der ersten Sekunde in der Hand und seine Stimme noch fast durchgängig unter Kontrolle. Die blendend aufgelegten Musiker und das exquisite Song-Material erledigen den Rest. Dabei finde ich es besonders erwähnenswert, wie es Vai & Vandenberg gelingt, auch den alten Songs wie Slide It In und Slow An’ Easy aber auch Ain’t No Love In The Heart Of The City noch neue Facetten auf der Gitarre zu verpassen. Dabei bin ich mir bewusst, dass die Blues-Fraktion bei den WHITESNAKE-Fans darin ein Sakrileg sehen wird. Diese werden hier sicherlich den Niedergang der Band und der westlichen Zivilisation nahen sehen, aber mal ehrlich: erfolgreicher war die Weiße Schlange zu keinem Zeitpunkt in ihrer Karriere als in ihrer „Heavy-Phase“.

Abgerundet wird das Paket durch eine DVD, die aber mehr als bloße Dreingabe zu betrachten ist. Darauf ist noch einmal das komplette Konzert des Abends zu sehen. Aber bevor die Freude zu hoch kocht muss ich erklären, dass die Qualität nahe daran ist, als unterirdisch durchzugehen. Das Ganze erinnert mich an die Bonus-DVD bei der TWISTED SISTER CD “Under The Blade“. Dabei wurde Material verwendet, dass eigentlich nur für Personen im Backstage- und VIP-Bereich des Reading-Festivals 1982 bestimmt war. Auch dort hielt sich die Qualität in überschaubaren Grenzen, toppt aber das hier Gezeigte noch um Längen. Denn bei der WHITESNAKE-DVD ist das Bild unscharf, die Schnitte sind schlampig, die Abstimmung auf die Musiker unzureichend. Es ist zwar ganz nett, sich das mal anzuschauen, aber Geld darf man dafür wahrlich nicht verlangen. Dann eher schon für Dokumentation “Behind The Scenes“, die ein „Making Of Slip Of The Tongue“ ist. Mit dem zeitlichen Abstand von 20 Jahren erzählt David Coverdale anhand mehrerer Privat-Videos (nicht das, was ihr wieder denkt), wie die Band die Lieder komponierte, zusammen entwickelte, einprobte, anschließend aufnahm und damit auf Welt-Tour ging. Das ist sicherlich für die WHITESNAKE-Fans ein wahres Zuckerl.

Auch wenn die Qualität der Aufnahme sicherlich nicht mit anderen Aufzeichnungen der damaligen Zeit mithalten kann, ist es mir ein Rätsel, warum es mehr als 20 Jahre brauchte, bevor “Live At Donington 1990“ veröffentlicht wurde. Zudem finde ich gerade mal etwas über 100 Minuten Spielzeit bei zwei Solo-Spots der Gitarristen und einem Drum-Solo doch etwas zu kurz geraten. Gerade aus der Frühphase der Schlange hätte es noch ein paar Klassiker gegeben, die sich an diesem Abend (und eine Woche später in Dortmund) prima in der Setlist gemacht hätten. Aber wie zur Einleitung schon beschrieben wird mit dieser Veröffentlichung für mich ein Traum wahr. Dieses Paket bringt viele Erinnerungen zurück und zeigt WHITESNAKE aus meiner Sicht in ihrer besten Phase. Wahrlich ein Genuss!

Marc Langels, 16.06.2011

 

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