Whitesnake

Trouble, Lovehunter & Ready An' Willing


CD-Review

Reviewdatum: 16.05.2006
Jahr: 2006

Links:

Whitesnake Homepage

Whitesnake @ facebook



Redakteur(e):

Epi Schmidt


Trouble, Lovehunter & Ready An' Willing, EMI Music, 2006 (Sunburst Records, 1978, 1979 & 1980)
David Coverdale Vocals
Bernie Marsden Guitar, Vocals
Micky Moody Slide Guitar, Guitar, Vocals
Neil Murray Bass
Jon Lord Keyboards
Dave 'Duck' Dowle Drums ("Trouble" & "Lovehunter")
Ian Paice Drums ("Ready An' Willing")
Produziert von: Martin Birch Länge: 54 Min 47 Sek ("Trouble"),
58 Min 03 Sek ("Lovehunter") &
75 Min 20 Sek ("Ready An' Willing")
Medium: CD
"Trouble", Sunburst Records, 1978:
1. Take Me With You9. Free Flight
2. Love To Keep You Warm10. Don't Mess With Me
3. Lie Down (A Modern Love Song)Bonus Tracks: "The Snakebite EP"
4. Day Tripper11. Come On
5. Nighthawk (Vampire Blues)12. Bloody Mary
6. The Time Is Right For Love13. Steal Away
7. Trouble14. Ain't No Love In The Heart Of The City
8. Belgian Tom's Hat Trick
"Lovehunter", Sunburst Records, 1979:
1. Long Way From Home9. Rock'n'Roll Women
2. Walking In The Shadow Of The Blues10. We Wish You Well
3. Help Me Thro' The DayBonus Tracks: "Andy Peebles Radio 1 Session Recorded 26/3/79"
4. Medicine Man11. Belgian Tom's Hat Trick
5. You 'n' Me12. Love To Keep You Warm
6. Mean Business13. Ain't No Love In The Heart Of The City
7. Love Hunter14. Trouble
8. Outlaw
"Ready An' Willing", Sunburst Records, 1980:
1. Fool For Your Loving9. She's A Woman
2. Sweet TalkerBonus Tracks:
3. Ready An' Willing10. Love For Sale (Previously Unreleased)
4. Carry Your Load11. Ain't No Love In The Heart Of The City (Live at the Reading Festival '79)
5. Blindman12. Mistreated (Live at the Reading Festival '79)
6. Ain't Gonna Cry No More13. Love Hunter (Live at the Reading Festival '79)
7. Love Man14. Breakdown (Live at the Reading Festival '79)
8. Black And Blue

Was haben Marius Müller-Westernhagen und David Coverdale gemeinsam? Nun ja, beide sind ja irgendwann mal erblödet, 'tschuldigung, erblondet, wollt' ich sagen.
Außerdem haben sich beide, auch irgendwann, von ihren Wurzeln und frühem Stil verabschiedet. Vorbei die Zeiten, als man noch Bier trank und dem Blues'n'Boogie frönte. Weg mit dem Dreck der Straße und her mit gestylten Musikern, mit Schampus und dem größtmöglichen Mainstream-Erfolg.
Im Falle Coverdale ging das in den Siebzigern ja prächtigst los, nachdem DEEP PURPLE zu den Akten gelegt war. Die beiden Soloalben "Whitesnake" (1977) und "Northwinds" (1978) erschienen und führten zu dem Plattenvertrag mit der EMI, der zunächst nur die EP "Snakebite" vorsah.

Ja, ich weiß noch genau, wie ich in Beegers Schallplattenladen stand und mich eine bissbereite weiße Schlange von einem weißen Plattencover anfunkelte. Mehr beeindruckte mich allerdings der rote Sticker: Featuring EX-DEEP PURPLE David Coverdale & Jon Lord.
Und noch mehr beeindruckte mich die Musik auf dem Album. Angefangen von dem Stakkato über die abgedämpften Saiten zu Beginn von Take Me With You bis zur eindringlichen Warnung Don't Mess With Me. Dass "Trouble" nun wieder, remastert und mit Bonus Tracks versehen, aufgelegt wird, empfinde ich als wahren Segen. Gott, was habe ich diese Scheibe geliebt und gehört und mitgesungen. Frisch und knallig kommt der Sound nun wieder aus den Boxen und erlöst meine abgespielte Vinylausgabe. Drummer Dave 'Duck' Dole bekommt im erwähnten furiosen Eröffnungsrocker Take Me With You einen kurzen Solopart und Mr. Coverdale spart bereits hier nicht mit Anzüglichkeiten: "Gonna spread her pretty legs so I can see, Sweet lip honey be the death of me...". Über den Riff-R&B-Rock vom Ohrwurm Love To Keep You Warm über den harten Rock'n'Roll des 'modernen Liebesliedes' Lie Down zur BEATLES-Coverversion Day Tripper - in Slo-Mo und mit flippigem Talk-Box Solo - ist volle Partystimmung angesagt. Etwas abgedrehter wird's bei Nighthawk, aber die beiden Gitarristen Micky Moody und Bernie Marsden mussten ja auch mal gefordert werden. Überhaupt gehören die beiden für mich zu den ganz großen Gitarren-Duos des britischen Rocks, was sie u.a. beim Twin-Solo von The Time Is Right For Love anklingen lassen.
Trouble ist natürlich ein absolut geiler Stampfer, der auch heute noch nix von seiner ansteckenden Faszination verloren hat. Die rasante Instrumentalnummer Belgian Tom's Hat Trick bietet Platz für die ausgiebigen Solos von Moody, Marsden und Jon Lord. Letzterer präsentiert seine ganze Routine auf dem Album. Unterfüttert, schiebt unaufdringlich und ist immer präsent, wenn ein Orgel- oder Pianosolo vonnöten ist.
Zusätzlich sind hier noch Come On, Bloody Mary - eines der geilsten Whitesnake Rock'n'Roll Stücke -, Steal Away - erinnert Ihr euch an das Slide-Solo auf dem Live-Album? - und Ain't No Love In The Heart Of The City, allesamt von der "Snakebite" EP, angehängt. Super!

Im folgenden Jahr setzte die Band gleich noch einen oben drauf. Das, in manchen Ländern zensierte, Cover lieferte den optischen Vorgeschmack und die Musik hielt Wort.
Das leicht schleppende Long Way From Home zeigte zwar neben seinem R&B-Groove sogar leichte Pop-Einflüsse, aber schon mit dem nächsten Song zeigte sich wo sich die Band sah: Walking In The Shadow Of The Blues. Ein zeitloser Klassiker war mit diesem schweren Boogie geschaffen. Ruhige, soulige Nummern wie Help Me Thro' The Day sorgen für leichte Melancholie und lassen sehr gut dem eigenständigen und fantastischen Bass-Sound von Neil Murray lauschen.
Sehr schön, dass, im Gegensatz zu meiner LP, die Texte abgedruckt sind. Obwohl oftmals gar nicht die Worte ausschlaggebend sind sondern die Art wie sie David Coverdale benutzt und singt. Man höre sich nur das geile Lovehunter an. So animalisch und brünstig Coverdale sich hier gibt, lässt es fast alles was er später aufgenommen hat - vor allem ab 1987 - als Persiflage erscheinen.
Das CD-Format bringt es mit sich, dass Mean Business einen nicht ganz so vom Hocker fetzt, wie als erster Song der LP B-Seite, aber es reicht immer noch für hemmungsloses umherspringen. Zumal man sich den Song auch gut im Repertoire von DEEP PURPLE vorstellen könnte, mit Glenn Hughes als zweiten Sänger.
Rock'n'Roll Women ist wieder absoluter geilster Partystuff und für mich eine der besten Nummern der Band überhaupt!
Außerdem wurde wohl nie eine bessere und passendere Schlussnummer geschrieben wie We Wish You Well - ob für ein Konzert oder für ein Album.
Die Zugabe erfolgt anhand von vier Live-Mitschnitten aus dem Jahr 1979. Nachdem ich die Scheibe seit über 20 Jahren höre und auswendig kenne, macht es richtig Spaß, wenn plötzlich ein Nachschlag ertönt. Und erst recht, wenn er so gut kommt. Ich will gar keine der Nummern herausheben, sie sind allesamt klasse und vielleicht noch ausgereifter als in ihrer Studiofassung. Vor allem der Gesang - einschließlich Backgroundgesang - gefällt mir richtig gut.
Kleiner Schönheitsfehler: Im Booklet wird ständig Ian Paice abgebildet, aber bei den Aufnahmen zu "Lovehunter" saß noch Dave Dowle auf dem Schlagzeugstuhl.

Bei "Ready An' Willing" war's dann aber soweit und der dritte 'Purple' kam in die Band. Mit Ian Paice an der Schießbude lieferte die Band ein Album ab, das wohl als ihr bestes gelten muss. Keine einzige Schwäche ist zu finden. Der Rock-Klassiker Fool For Your Loving braucht keinen Heavy-Sound um anzuturnen. Das Ineinandergreifen der Instrumente und der einzigartige Gesang reichen aus um Köpfe, Hüften und Arme in Bewegung zu bringen. Sweet Talker rockt mit zusätzlichem Drive hinterher und wurde fast augenblicklich ein Favorit bei den Konzerten der Band. Wieder einmal beeindruckt Jon Lord mit einem seiner kurzen Solo-Einwürfe.
Ready An' Willing verschaffte sowohl auf dem Album wie live Tausenden die "Sweet Satisfaction" und Micky Moody Gelegenheit für eines seiner schönsten Soli. Bemerkenswert ist hier auch wieder der Bass von Neil Murray, der wie ein Dieselmotor pumpt.
Im R&B/Soul-Bereich bewegt sich die Mitsingnummer Carry Your Load, die von einem Bernie Marsden-Solo aufgepeppt wird und die einem nicht mehr aus dem Kopf will.
Blindman hat sich Coverdale auf Leib und Stimme geschrieben. Eine herausragende Ballade, die einem Gänsehäute verschaffen kann.
Die zweite Seite wurde mit dem zunächst folkig anmutenden Ain't Gonna Cry No More begonnen und fraß sich mit seiner Dynamik ebenfalls gleich tief in die Gehörgänge der Käufer. Natürlich ging's nach der ersten Strophe schnell in den typischen, unverkennbaren Whitesnake-Groove über und erneut ist es Micky Moody, der bei seinem Slide-Solo zu Hochform aufläuft.
Der Heavy-Blues Love Man blickt zurück auf die Wurzeln der Band und sorgt wieder für wissendes Nicken und Wippen beim Zuhörer. Den Rock'n'Roll Schuh dieses Albums zieht sich Black And Blue an und herrlich klimpert uns Jon Lord den Boogie während der Rest locker darüber rockt. Eine richtige Gaudi ergeben die Pseudo-Stopps, nach denen die Band unvermittelt wieder einsteigt. Oh Mann, das könnte noch eine halbe Stunde so weiter gehen!
Nachdem uns She's A Woman noch mal richtig Feuer gegeben und aus dem Album herausgekickt hat, folgen auch hier Bonus Material. Das QUO-mäßige und bisher unveröffentlichte Love For Sale erinnert auch stark an eine schnelle Version von All Right Now, was ihm möglicherweise den Platz auf dem Album verwehrte.
Vier Songs vom 79er Reading Festival folgen und unterstreichen die Live-Qualitäten von WHITESNAKE. Vor allem Mistreated reißt mich absolut mit und gehört bestimmt zu den besten Versionen, die ich von diesem Song je gehört habe.
Bei Lovehunter scheinen mir die Gitarren nicht ganz 'in tune' zu sein, aber.. das ist halt live. Dafür geht's bei Breakdown gnadenlos zur Sache.

Auch danach folgten noch gute Alben von WHITESNAKE. Vor allem das direkt anschließende Live-Album muss genannt werden und auch "Come An' Get It", " Saints & Sinners" und "Slide It In"
Dann war es allerdings vorbei mit der ursprünglichen Band und ihrer Musik. Ich weiß, für manche begann es jetzt erst - nicht, Martin? - aber was John Sykes, Adrian Vandenberg, Steve Vai, und wer sonst noch engagiert wurde, aus der Band machten, lässt die frühen Fans für gewöhnlich schaudern. Mit Schrecken entsinne ich mich, wie Steve Vai beim "Super Rock '90" auf dem Mannheimer Maimarktgelände Ain't No Love In The Heart Of The City - das erste richtig gute Lied nach all dem vorherigen Lärm - kaltblütig mit seiner Affengriff-Gitarre zerstörte. Heute noch könnte ich ihn dafür...
Balsam ist es, diese "alten" Scheiben in sehr gutem Sound wieder zu hören, sich der Bonus Tracks und der ausführlichen Booklets zu erfreuen und zu hoffen, dass auch die anderen Whitesnake-Alben, bis 1984, in dieser Form erscheinen.
Über den Marius reden wir dann ein andermal...

Epi Schmidt, 16.05.2006

 

(C) 2008 - 2019 by Hooked on Music