Willie Nelson

Legend: The Best Of Willie Nelson

( English translation by Google Translation by Google )

CD-Review

Reviewdatum: 01.06.2008
Jahr: 2008

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Redakteur(e):

Epi Schmidt


Legend: The Best Of Willie Nelson, Sony BMG, 2008
Willie NelsonVocals, Guitar
Julio Iglesias, Waylon Jennings, Merle Haggard, Johnny Cash, Kris Kristofferson, Ray Charles a.m.
Länge: 67 Min 30 Sek Medium: CD
01. On The Road Again11. My Heroes Have Always Been Cowboys
02. To All The Girls I've Loved Before12. Pancho & Lefty (with Merle Haggard)
03. Crazy13. Funny How Time Slips Away
04. City Of New Orleans14. Hello Walls
05. Blue Eyes Crying In The Rain15. Highwayman (with Waylon Jennings, Johnny Cash & Kris Kirstofferson)
06. Always On My Mind16. Blue Skies
07. Me And Paul17. Mammas Don't Let Your Babies Grow Up To Be Cowboys
08. Good Hearted Woman (Waylon & Willie)18. Whiskey River (Live)
09. Night Life19. Seven Spanish Angels (with Ray Charles)
10. Georgia On My Mind20. Bloody Mary Morning

Mein absoluter Lieblingskolumnist, ever, ist ... ein Österreicher. Klaus Nüchtern. Das ist jetzt nicht der anstehenden Fußball-EM geschuldet, sondern einem Wienaufenthalt, vor ein paar Jahren, und der mit einergehenden Lektüre der wöchentlich erscheinenden Stadtzeitung "Falter". Da ich diese Zeitung hier nicht beziehen kann - was auch ziemlich unsinnig wäre - kaufe ich mir von Zeit zu Zeit die gesammelten Werke des Herrn Nüchtern in Buchform. Unlängst erst "Kleine Quittenkantate für Kastratensopran und Querflötenquintett" (ISBN 3-85439-348-2 Falter Verlagsgesellschaft).
In Nüchterns einleitender 'Danksagung, Widmung und Entschuldigung' steht nun Folgendes geschrieben:
Von allen Sängern, die sich einen Satz heiße Ohren einfangen werden, sollten sie sich je unterstehen, um die Hand meiner Tochter, ach was, die Hand irgendeiner Tochter anzuhalten, habe ich Julio Iglesias immer für den dämlichsten Arsch gehalten. Gibt es ein widerlicheres Gesülze als "To All The Girls I Loved Before"? Ich glaube kaum. Was für eine strunzdumme und taktlose Geste: ein mickriger Song, und damit soll dann die ganze Heerschar der Verflossenen bei Laune gehalten werden und sich nicht mehr einkriegen können vor Dankbarkeit und Gefühlsdösigkeit.
Da kann man jetzt mal kurz drüber nachdenken und dann zustimmend nicken.
Was aber hat das jetzt mit Willie Nelson zu tun? Nun, der hat sich schließlich - ja, ich kann's nicht anders sagen - erblödet diesen Song zusammen mit besagtem Iglesisas auf dessen Album "1100 Bel Air Place" zu singen. Damit kann man jetzt unmöglich Willies ganzes Lebenswerk abwatschen, aber es zeigt eine Facette des doch auch widersprüchlichen Texaners.
Noch dazu im windelweichen 80er Jahre Sound aufgenommen, ist dieser Titel auf "Legend: The Best Of Willie Nelson" auch vertreten. Richtig schaudert es einen aber erst wenn sich Julio dazu schleimt.

75 Jahre ist er mittlerweile geworden, der Willie, und hat nie viel Jünger ausgesehen. Mit Stirnband oder Stetson eher schon immer so, als nächtigte er ausschließlich im Tipi. Da häufen sich natürlich die Jubiläumsveröffentlichungen und wer sich nicht eines der mehrscheibigen Werke leisten mag, kommt hiermit wohl ganz gut klar.
On The Road Again. Die Aufnahme stamm aus dem Jahr 1979 und klingt sowohl vom Sound wie vom Spielen her hervorragend.
Trotz seiner Aufmachung war Willie Nelson für mich immer schon eher so eine Art Großstadt-Cowboy. Das liegt wohl hauptsächlich an der Weise, wie er seine Musik mit Jazz, R&B und Swing durchsetzt. Die Ballade Crazy lässt mehr an regnerischer New Yorker Straßen denken, denn an ein wüstensanddurchwehtes Austin.
City Of New Orleans ist mir weitaus geläufiger in der Version von Arlo Guthrie und sicher nicht der typischste Nelson-Titel. Vielleicht brauchte man doch etwas Bekannteres auf diesem Album? Immerhin kann man teilweise die besondere Art Nelsons erkennen, die Töne und Worte zu verschleppen oder zu verschieben und doch rechtzeitig auf dem Punkt zu sein.
Zu seinen größten Erfolgen gehört das Album "Red Headed Stranger" (1975) und daraus ist hier Fred Roses Blue Eyes Crying In The Rain vertreten. In diesem puristischeren Ambiente gefallen mir der Sänger und seine Musiker gleich bedeutend besser.
Tja, dann natürlich auch Always On My Mind. Hierzulande wohl eher von Marc Almond aus den 80ern bekannt, haben wir hier die Originalversion - leider auch von 1981 und somit auch eher etwas zu weich gespült. Das klang später oft besser. Nichtsdestotrotz ein großer Song.
Nach eher Cash-mäßigen Countrystücken wie Me And Paul und Good Hearted Woman (zusammen mit Highwaymen-Kollege Waylon Jennings) - und unverständlicherweise ausgeblendet! - zeigt Night Life die prägnanteste Art von Nelson und somit sind wir wieder im städtischen Jazz und Blues angekommen. Man muss sich etwas darauf einlassen aber durchaus seine Reize.

Ja, Georgia On My Mind muss auch sein und nach Ray Charles dürfte Willie einer der besten Interpreten dieser R&B-Nummer sein.
Townes Van Zandts My Heroes Have Always Been Cowboys wird leider auch wieder im 80er Jahre Sound weich gespült. Hört mal - kurz danach - dagegen Funny How Time Slips Away von 1961! Klingt das nicht um Längen besser, frischer und lebendiger? Grandios, Willies bekanntes "Well, hello there". Natürlich wieder in seinem unnachahmlichen jazzigen Stil. Aus dem gleichen Jahr Hello Walls steht dem kaum nach.
Ich will ja nicht permanent auf jenem Jahrzehnt herumreiten, aber Highwayman hätte anno 1995 bestimmt besser geklungen als 1985. Die Klasse seiner Interpreten - Nelson, Waylon Jennings, Johnny Cash und Kris Kristofferson - machen das aber fast komplett wett.
Ein weiterer Klassiker ist natürlich Mammas Don't Let Your Babys Grow Up To Be Cowboys - wieder zusammen mit Jennings - wobei man die Ernsthaftigkeit des Textes, angesichts seiner Interpreten, doch anzweifeln möchte. Wer kann sich die beiden als Ärzte oder Anwälte vorstellen?
Das swingende R&B-mäßige Whiskey River macht in dieser Livefassung mit am meisten Spaß. Allein wie die Musiker miteinander agieren und Dynamik in diesen Song legen, ist schon toll.
Kann man Ray Charles kritisieren? Ich denke nicht und so kommt die Country-Gospel-Tex-Mex Nummer Seven Spanish Angels hier auch gerade noch durch. Trotzdem nix, was ich mir oft anhören kann.
Mit Bloody Mary Morning schließt immerhin ein Up-Beat Country-Bluegrass Song dieses Album sehr ansprechend ab. Ein feiner Fernstraßen-Song, der die Brücke zurück On The Road Again schlägt.
Reine Countryanhänger sind möglicherweise mit einem anderen Album Nelsons besser bedient, aber wer sonst nix von ihm hat, verschafft sich mit "Legend" doch schon mal einen ganz guten Einblick in die Musik des Countrystars. Aber seine Einstellung Frauen gegenüber sollte man vielleicht noch mal hinterfragen ...

Epi Schmidt, 01.06.2008

 

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