Woodstock Festival

Woodstock – Die wahre Geschichte


Buch-Review

Reviewdatum: 26.05.2019
Stil: Rock
Autor: Michael Lang
Seitenzahl: 284
ISBN: 978-3-8419-0646-5
Preis: 24.95 EUR

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Woodstock Festival Homepage


Verlag: Edel Books


Redakteur(e):

Epi Schmidt


s. weitere Künstler zum Review:

The Who

Joe Cocker

Janis Joplin

Santana

Crosby, Stills, Nash & Young


50 Jahre sind mittlerweile vergangen, seit das bedeutendste Musikfestival aller Zeiten über die Bühne ging.

Dass es nach all den Jahren immer noch diesen Status hat, spricht alleine schon für sich. Natürlich wird dieses 50. Jubiläum, wie einige davor, mit einer Wiederauflage gefeiert. Und wenn vom Freitag, 16. August, bis Sonntag, 18. August 2019, in Watkins Glen “3 Days Of Love, Peace & Music“ gefeiert werden, dann sind da sogar ein paar der Interpreten dabei, die schon beim allerersten Mal mit von der Partie waren. Country Joe McDonald etwa. John Sebastian, David Crosby, SANTANA, CANNED HEAT und auch John Fogerty, der damals mit CCR dabei war.

Und irgendwo im Hintergrund spinnt garantiert Michael Lang die Fäden, denn das ist der Mann, ohne den die “Aquarian Exposition“ 1969 nicht stattgefunden hätte. Dass er sich nach 50 Jahren immer detailreich an Festival und vor allem die Vorgeschichte erinnert, spricht ebenfalls für sich.

Gut, dazu muss gesagt werden, dass dieses Buch eigentlich bereits 2009 erschienen ist. Es waren also nur 40 Jahre vergangen. Nichtsdestotrotz ist die Geschichte des Festivals heute so faszinierend wie außergewöhnlich wie vor 10 Jahren, wie vor 20, 30, 40 und 50 Jahren. Und hier bekommt man sie aus erster Hand. In erster Linie natürlich von dem Lockenkopf mit dem sympathischen Grinsen, aber letztlich kommt nahezu jeder zu Wort, der in irgendeiner Form mit dem Festival zu tun hatte.

Aus heutiger Sicht ist dass ja kaum noch vorstellbar, wie ein junger Typ, der gerade mal im Vorjahr ein kleineres Festival in Florida auf die Beine gestellt hatte, im Jahr darauf die Mutter aller Festivals inszenierte. Natürlich war das so nicht geplant und dass es letztlich eine – geschätzte - halbe Million Besucher werden sollten (es gibt auch Vermutungen, dass es 700.000 waren), schon gar nicht.

Wie sich das alles zugetragen hat, welche Umwege, Widrigkeiten und Hürden Michael Lang uns ein Team zu meistern hatten, wird hier nahezu minutiös dargelegt und macht das Buch stellenweise spannend wie ein Krimi.

Klar, geht es irgendwo und letztlich auch um Musik, aber es wird auch deutlich, dass es hier um viel mehr ging. Das kommt im Film gar nicht so rüber, aber hier hat sich im Prinzip eine Generation versammelt, ja, erstmals getroffen! Was heutzutage selbstverständlich ist – Handys, E-Mail, Social Media - , das war weit weg und selbst ein Telefon war nicht für jeden, permanent und unbegrenzt verfügbar. Zeitschriften gab es, aber auch die waren zum Teil erst dabei sich zu entwickeln. So versammelten sich auf Max Yasgurs Farm hunderttausende Junge Frauen und Männer, die überwiegend hier erstmals begriffen, wie viele es von ihnen gab. Die meisten kannten in ihrem Ort den ein oder anderen Freak, der ähnlich wie sie drauf war, aber dass sie so viele “Brothers & Sisters“ hatten, das konnten sie nicht einmal ahnen. Und somit auch nicht, was sie zusammen bewirken konnten.

Dass es bei diesem Festival und so vielen Besuchern so friedlich ablief, nötigt einen gehörigen Respekt ab. Und das eben auch bei den skeptischen Anwohnern und Berichterstattern. Die einnehmende und stets freundliche und ausgleichende Art Michael Langs trug sicher viel zum Erfolg Woodstocks bei, auch das wird hier mehr als einmal deutlich. Auch als klar wurde, dass hier nichts mehr mit Eintritt ging, dass ein finanzieller Erfolg, zumindest was das eigentliche Festival anging, nicht mehr möglich war, verlor er nie seine positive Ein- und Ausstrahlung und brachte diesen einzigartigen Event über die Ziellinie. Den ihm gebührenden Lohn hat er eigentlich nie erhalten. Hoffen wir dass dieses Buch ein bisschen dazu beiträgt.

Ach ja: Um Musik geht‘s hier natürlich auch! Auch wenn nur in Ausschnitten, aber hier begannen natürlich Karrieren (SANTANA, Joe Cocker, Crosby, Stills & Nash…) und endeten auch (Hendrix, Hanis Joplin, jedenfalls bald…). Auch das spricht für den Legendenstatus von Woodstock.

Wer den Film mehr als ein Mal gesehen hat, der sollte dieses Buch lesen und wer das Buch liest, der kann das Festival anhand der enthaltenen vollständigen Setlisten wieder aufleben lassen.

Ein Zitat von Franz Kafka steht auf einer der ersten Seiten: “Ab einem gewissen Punkt gibt es kein Zurück mehr. Diesen Punkt gilt es zu erreichen“. Für Michael Lang war dieser Punkt sehr frühzeitig erreicht. Eine Generation sollte folgen.

 

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