ZZ Top

Mike Tramp

Xanten, Amphitheater, 01.08.2003

( English translation by Google Translation by Google )

Konzertbericht

Reviewdatum: 01.08.2003

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Redakteur(e):

Jürgen Ruland


Xanten, Amphitheater, 01.08.2003

ZZ TOP im Amphitheater des archäologischen Park in Xanten am Niederrhein? Klar, da muss man als Fan des texanischen Trios hin, zumal wenn Datum (Freitag, 01. Aug. 03) und Uhrzeit (19.30 Uhr) auf dem Ticket einen schönen Sommerabend versprechen. Obwohl, 45,65 EUR für einen Platz auf den Steinstufen sind nicht gerade geschenkt ...

Wochen vorher stellte sich bereits heraus, dass die Anfangszeit sich nach vorne verschieben würde. Am Xantener Dom fand am gleichen Tag eine Aufführung des "Jedermann" statt, und so sollte wohl anscheinend auch nicht jedermann auf den Beinen sein bzw. im Pkw sitzen wenn die Veranstaltungen beendet waren. Da hat man sich wohl gedacht, wozu brauchen Rock-Fans denn eine Lightshow, mit denen kann man es ja machen und überhaupt: LET THE MUSIC DO THE TALKIN'!!
Ich frage mich allerdings, was wohl Anreisende aus dem Hochsauerlandkreis dazu gesagt haben, die von den veränderten Anfangszeiten gar nichts wussten. Aber, man sollte ja auch immer besser vorher noch mal nachchecken ...

Gegen 18.15 Uhr ging's mit dem Ex-WHITE LION Sänger Mike Tramp und Begleitcombo los. Das Quartett rockte sich bei strahlendem Sonnenschein durch neuere Hard-Rock'N'Roller und einige ältere, leicht umarrangierte White Lion Songs (Little Fighter, Wait). Das Halbrund war noch reichlich leer, der Applaus höflich und die allgemeine Stimmung sommerlich gelassen. An Backline und Instrumentarium gab's nicht viel wegzuräumen, und so standen dann kurz nach halb acht MEZ ...

... nach der mexikanisch eingefärbten Ansage eines dunkel gekleideten Herrn ZZ TOP in Ponchos unter überdimensionalen Hüten auf der Bühne. Gimme All Your Lovin' brachte auch gleich Stimmung in die Bude, aber wer jetzt gedacht hatte, die Gassenhauer des "Eliminator"-Albums und dessen Nachfolgern "Afterburner" und "Recycler" würden nur so hinterher purzeln sah sich getäuscht. Der Schwerpunkt lag eindeutig auf den Siebzigern, es folgten nämlich Songs wie Waitin' For The Bus, Jesus Just Left Chicago, alleine 3 Tracks vom famosen '79er Werk "Degüello" (Manic Mechanic, I'm Bad I'm Nationwide, Cheap Sunglasses), Just Got Paid oder der Tube Snake Boogie.
Unterbrochen wurde dieses Songfeuerwerk jahrgangsmäßig lediglich vom '85er Rough Boy und Pincushion, dem Opener des "Antenna"-Albums.
So nach und nach füllte sich dann auch der Platz vor der Bühne, nachdem rechts wohl keiner mehr hereinkam und man außen herumlaufen musste um es dann von links zu versuchen (zum Thema Organisation/Security gleich noch mehr).

Mitten im Set dann ein kleines Schmankerl mit einem Fan, der die Übersetzung für Billy Gibbons Ansage übernahm und den Song Buck Nekkid vom demnächst erscheinendem Album "Mescalero" ankündigen durfte. Der Track fügte sich nahtlos ein und ließ wohl nicht nur bei mir die Frage aufkommen warum das Teil nicht schon längst auf dem Markt ist. Die teils spanisch gesprochenen Ansagen von Mr. Gibbons verstärkten den Eindruck noch... verstehe einer die Plattenfirmenpolitik.
Aber genug gejammert, die Band klang hervorragend, der Sound war erstklassig, und die Zeit verging wie im Flug. Naja, so lang war's denn aber auch nicht, und Sharp Dressed Man beendete mit Legs den regulären Set.
Zur Zugabe erschienen die beiden Frontleute noch einmal im veränderten Outfit (wieder mit großen Glitzerhüten) und ließen La Grange und Tush auf die Meute los, um dann schleunigst den Abgang zu machen. Da war es kurz nach 9 PM, und die Lightshow begann erstmals ein wenig auf der spartanisch eingerichteten Bühne zu wirken...

Was dann folgte waren Pfiffe, Buhrufe und fliegende Bierbecher.
Irgendwie waren wohl die Erwartungen mit dem "Abend" nicht so recht getroffen worden, wenn ich das jetzt mal so mit dem STATUS QUO-Konzert am Aachener Katschhof vor drei Wochen vergleiche.
Ernüchterndes Sitzen bleiben ging aber auch nicht, jedenfalls nicht überall, denn zwei "Helden" von der Security forderten unmittelbar nach Konzertende im mittleren Emporenteil zum sofortigen Verlassen des Ambiente auf. Es soll bei solchen tropischen Temperaturen auch schon vorgekommen sein, dass Zuschauer erst einmal ein wenig relaxen mussten, aber Unmutsbekundigungen wurden im Keim durch lautstarkes Gebrüll einem harmlosen Ehepaar gegenüber erstickt.
Dazu passt es auch, dass einem am Einlass die Getränke abgenommen wurden, sofern sie nicht Verpackungsnormen erfüllten, die vorher aber unbekannt waren sprich ein 0,5 Liter Tetrapack pro Nase erlaubten. Da half auch das Argument nicht, dass ein 1 Liter Tetrapack dividiert durch zwei Personen einen halben Liter ergebe und die mitgebrachten Pappbecher nicht für eine Urinprobe mitgeführt wurden. Keine Flaschen und Dosen ist klar, aber Leuten bei diesen hohen Temperaturen die mitgeführten Getränke mit Hinweis auf die örtlichen Bierstände zu versagen ist nichts anderes als Nepp, Nötigung und eigentlich schon unterlassene Hilfeleistung.
Ach ja, dann also zu den Bierständen. Für 2,50 € pro nicht einmal vollem Bierbecher erwartet man prompten Service (denn die Personalkosten sind doch so hoch, darum die erhöhten Preise...) und nicht ein paar völlig überforderte Mitarbeiter/innen, die mit Hinweis auf mangelnden Druck (der Zapfanlage? Mir kam's langsam hoch...) "Stimmung" aufkommen ließen.
Komisch, in Lichtenvoorde, keine 50 Kilometer Luftlinie entfernt, kosteten beim dortigen Festival drei Bier neulich noch 5 Euro. Und die Niederlande haben in etwa deutsches Preisniveau. Ach ja, aber man sollte besser nicht das Kotzen bekommen haben, denn die sanitären Anlagen... meine Frau fand schon weit über eine Stunde vor Veranstaltungsbeginn weder Toilettenpapier noch Seife vor. Die lagen da wohl schon bei den Tetrapacks...

In diesen Zusammenhang passt ein Bericht zur Schalker "Arena", wo man über eine mangelnde Auslastung jammert, trotz Bon Jovi, Bruce Springsteen, Herbert Grönemeyer und 2 x Robbie Williams in diesem Jahr.
Für wie blöd werden Rockfans eigentlich gehalten? Irgendwann haben die keinen Bock mehr auf Wucherpreise (man achte nur mal auf die Forderungen für ein T-Shirt), miserablen Service und teilweise indiskutable Spielzeiten. Und überhaupt, Musik von der Straße... haha, viele Fans bleiben mittlerweile auf der Strecke, die haben nämlich schlicht und einfach die Kohle nicht mehr (wie denn auch, wenn z.B. ein Produktionshelfer knapp über 6,30 € brutto stdl. verdient). Der Rock verkommt mehr und mehr zur Unterhaltung für Besserverdienende, und die anderen dürfen (noch) vorm Zaun sitzen.

Ich habe seit Jahren nicht mehr so viele "lange" Gesichter nach einem Konzert gesehen. Tja Leute, sind wir selber schuld, es zwingt uns ja keiner. Warum nicht umdenken und lieber kleinere Veranstaltungen besuchen? Dan Baird spielt für ca. 15 € demnächst im Parkhaus zu Duisburg-Meiderich, und wer ZZ TOP mag ... OK, aber zum Schluss noch ein großes Lob, und zwar an die Polizei, die überaus freundlich den Rückreiseverkehr geregelt hat.

Jürgen Ruland, 03.08.2003

 

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