Young Galaxy

Ultramarine

( English translation by Google Translation by Google )

CD-Review

Reviewdatum: 13.05.2013
Jahr: 2013
Stil: Elektropop

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Redakteur(e):

Steffen Frahm


Young Galaxy
Ultramarine, Paper Bag Records, 2013
Catherine McCandlessVocals, Keyboards
Stephen RamsayGuitars, Vocals
Stephen KampBass, Vocals
Matthew ShapiroKeyboards, Guitars
Andrea SilverDrums
Produziert von: Dan Lissvik Länge: 39 Min 55 Sek Medium: CD
01. Pretty Boy06. What We Want
02. Fall For You07. Out The Gate Backwards
03. New Summer08. In Fire
04. Fever09. Privileged Poor
05. Hard To Tell10. Sleepwalk With Me

"I don't need authenticity to make me more like me", singt Catherine McCandless, zusammen mit ihrem Ehemann Stephen Ramsay Gründungsmitglied dieses kanadischen Quintetts, im heavy sechsachtelnden, im Refrain clever einen Takt auslassenden "What We Want". Ein früherer guter Freund von mir, der damals in so einigen Bereichen des Lebens signifikant mehr blickte als ich, stellte einmal die Frage, warum zum Teufel Bruce Springsteen per se authentischer sein solle als z.B. HEAVEN 17? Dass es auf diese Frage keine schlaue Antwort geben kann, leuchtete mir auf der Stelle ein, auch wenn ich es seinerzeit wahrscheinlich nicht zugegeben habe. Warum diese Anekdote? Weil YOUNG GALAXY aus Montreal eine POP-BAND mit einem Maximum an Authentizität sind und in zweiter Linie, weil in ihrer Musik ein unüberhörbarer 80er-Vibe mitschwingt. Dank zeitgemäßer Aufnahmetechnik und Dan Lissviks ausgezeichneter Produktion klingt "Ultramarine", wie auch schon der Vorgänger "Shapeshifting" (2011), natürlich wesentlich geiler als fieser Eighties-Pop, den man ernsthaft nur noch durch das getönte Glas einer Nostalgiebrille gut finden kann.

Popmusik also, und wenn man den Begleitinformationen glauben darf, im Studio eingespielte Popmusik sogar. Dafür reisten YOUNG GALAXY nach Göteborg, und Catherine McCandless blickte auf einen blauen Horizont, während sie ihre Vocals einsang, was eine Woche dauerte. "I can't act. I can't fake it", lautet ihr entwaffnender Kommentar dazu; soviel dann mal endgültig zum Thema Authentizität für diese Rezi.

"Pretty Boy", Opener und erste Single des Albums, ist schon jetzt einer der Songs des Jahres. Das 2-Akkord-Schema, von hypnotischen Synthi-Arpeggios bekleidet, erinnert einerseits sicher an YOUNG GALAXYs eigenes "We Have Everything", noch mehr aber an NEW ORDER am Übergang von Post-Postpunk zu Indiepop. Da geht mir gleich die Düse, das ist Musik, die ich verstehe. Ich liebe es, wenn sich unter das Glitzern wohldosierte Melancholie mischt, und "Pretty Boy" funktioniert in dieser Hinsicht perfekt. Ein Song, der dich zu sich nimmt, die Arme um dich legt, dich küßt und dabei Pipi in den Augen hat: "I don't care if the disbelievers don't understand you're my pretty boy, always". Allein mit dieser Eröffnung gewinnt mich "Ultramarine" für sich.
Den Spagat zwischen Leichtigkeit und einem gewissen Niveau, einer Tiefe, die nichts mit Sophistication á la z.B. EVERYTHING BUT THE GIRL zu tun hat, meistern YOUNG GALAXY auf allen 10 Tracks dieser Platte. Am weitesten aus dem Fenster lehnen sie sich aber bei "Fall For You": Ich höre "Eeeyooh!"-Ausrufe im Chorus, dazu Percussion-Sounds, die eindeutig...karibisch klingen. Müsste eigentlich ein grauenhaft käsiges Stück Südsee-Schlager sein, vielleicht so in Richtung GOOMBAY DANCE BAND, haut aber hin! Was ist es? Ist es die penible Sorgfalt in den Arrangements, die Luftigkeit im Klangbild, oder ist es am Ende Catherine McCandless introvertierter, sensibler Gesang, der ums Verrecken (und im Kontext dieser Songs glücklicherweise) nicht nach Agnetha klingt? Ich krieg's nicht ganz gegriffen, aber YOUNG GALAXY (was angesichts der frühlingshaften Frische und Weite dieser Musik auch noch ein gut gewählter Bandname ist) jubeln mir hier reihenweise Zeug unter, von dem ich eigentlich peinlich berührt Abstand nehmen müßte.
"Fever", um noch ein Beispiel zu nennen, weckt mit seinem synkonpierten Beat und der marschierenden Bassline erstmal eher ungute Erinnerungen an Stadionhymnen von vor über 30 Jahren, am besten noch sozial engagierte Stadionpophymnen (Ich sage nur: MIDNIGHT OIL. Oder sowas.), macht aber was zwingend Gutes draus. Catherine McCandless schichtet dazu mehrere Lagen übereinander und macht Call & Response mit sich selbst. Ein Glück, daß diese Nummer kein Rocksong geworden ist! Und auch langsamere, ein wenig ins Downbeatige hineinlappende Stücke wie "In Fire" oder "New Summer" haben so gar nichts Schmieriges an sich, sondern sind geschmackvoll und zurückhaltend in Szene gesetzt.

Auch wenn ich hier ständig die 80er Jahre ins Feld führe (was, als alleiniges Kriterium genommen, "Ultramarine" ohnehin nicht gerecht wird), lasst Euch gesagt sein: Dieses Album ist nicht etwa retro. Es strahlt viel eher etwas Traditionsbewußtes aus. Gleichzeitig ist es ein modernes Stück Pop. "Ultramarine" sollte mit offenem Herzen gehört werden, denn hinter dem scheinbar Offensichtlichen, daß man hier beim ersten Hören wahrzunehmen glaubt, steckt eine Ausgebufftheit, die wiederum nicht mit sich selbst Eindruck zu schinden versucht, sondern irritierend fluffig daherkommt. Musik, die mir einerseits vertraut scheint, die ich andererseits so noch nie gehört habe. Klasse!

Steffen Frahm, 08.05.2013

 

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