Type O Negative

Down Below

Berlin, Columbiahalle, 15.06.2007


Konzertbericht

Reviewdatum: 15.06.2007

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Redakteur(e):

Ralf Stierlen

Peter Tenzler


Berlin, Columbiahalle, 15.06.2007

Nach einiger Zeit beehrten die Brooklyner Dunkelmänner von TYPE O NEGATIVE mal wieder die Republik, mit einem neuen, von der Kritik recht positiv aufgenommenen Album ""Dead Again" im Gepäck. In Berlin sollte die Columbiahalle Ort des Geschehens sein und es herrschte doch recht gespannte Erwartung im Vorfeld, nachdem das zuvor stattgefundene Konzert im Hamburg einigermaßen desaströs abgelaufen sein soll. Angeblich lag bei Mr. Steele eine Lebensmittelvergiftung vor, was für zahlreiche Pausen sorgte und die Auftrittsdauer drastisch verkürzte.

Zunächst jedoch standen die für hooked-on-music-Leser alten Bekannten von DOWN BELOW bereit, um den Abend zu eröffnen. Die Band hat sich ja quasi von innen runderneuert, um nun gemeinsam mit Produzent Henning Verlage, der live auch an den Keyboards dabei ist, und einem neuen Majorlabel die Herzen der schwarz gewandeten Klientel zu erobern. Zwischen Dark Wave und Gothic Rock mit stark popigem Einschlag bewegt sich die Musik, mit hymnischen und mitsingkompatiblen Refrains versehen.

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Frontmann Neo-Scope hat durchaus Stimme, Aussehen und Ausstrahlung, um das eine oder andere weibliche Herz zu brechen und die Band um Carter, Convex, Mr. Mahoney und eben Henning Verlage agiert geschlossen und souverän bei den Songs des gerade erschienen Longplayers "Sinfony 23". Allerdings ist die Abmischung ein bisschen laut angesichts der doch eher sanften, harmonischen und weichen Melodien. Macht letztlich aber nichts, die Band wird ihren Weg gehen, auch wenn das heutige Umfeld vielleicht nicht so ganz die gewünschte Zielgruppe enthielt und dementsprechend eher etwas distanziert höflich Applaus gespendet wird.

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Nachdem DOWN BELOW nach guten vierzig Minuten das Feld geräumt hatten, hieß es für Peter erstmal "Wir müssen leider draußen bleiben", da wir über DOWN BELOW (bzw. deren Promoter) die Akkreditierung erhalten hatten und die Fotoerlaubnis dann auch nur für die Support Band galt. Mehr als eigenartig, aber da man von Pete Steele ohnehin schon mehr als genug gesehen hat (man erinnere sich an die August-Ausgabe des 1995er Playgirl) fügten wir uns eben in unser Schicksal. Die merkwürdigen Effekte einer TYPE O NEGATIVE-Show, die einen Schuss Reichsparteitag in sich tragen, sind ohnehin aus den hinteren Reihen besser zu erfassen. Ein sichtlich angeschlagener, etwas taumeliger Frontmann (ob seiner Statur) und ein inzwischen völlig zugewachsener Josh Silver fielen auch von weiter weg noch gut auf und der Sound war, wie meist bei TYPE O NEGATIVE, ohnehin nicht so wichtig.

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Nach dem üblichen, mir immer noch nicht wirklich schlüssigen BEATLES-Tribute (Magical Mystery Tour) ging es los mit We Hate Everyone (kann man eigentlich als Mottosong bezeichnen) vom legendären "Bloody Kisses"-Album. Dann folgte erfreulicherweise schon neuer Stoff, nämlich The Profits Of Doom, danach Anesthesia und ein Medley aus These Three Things (ebenfalls vom neuen ""Dead Again"-Longplayer) und Xero Tolerance. Das mag auch ein Markenzeichen von TYPE O NEGATIVE sein, die Songs ineinander wachsen zu lassen, so richtig befriedigend klingt das für mich irgendwie nicht. Aber die Musik ist sowieso eher zweitrangig bei diesem Gesamtereignis. Die ausverkaufte Halle feiert auch im wesentlichen sich selbst und die wunderbar schlechte und böse Welt.

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Und schwupps gab es die erste (und bei weitem nicht letzte) Pause. Pete Steele ab unters Sauerstoffzelt und wir ab nach draußen. Bei dem extrem sommerlichen Wetter und den tropischen Temperaturen in der Halle war es ohnehin im Garten der Columbiahalle bedeutend angenehmer. Irgendwie passt Sonnenschein und Hitze zwar nicht so recht zum Vortrag der Band, aber was soll es. Irgendwann ging es dann weiter mit dem (leicht abgewandelten) Hendrix-Cover Hey Pete, gefolgt von Kill You Tonight und einer Kombination aus Xero Tolerance und Kill All The White People. Danach war mal wieder Zeit für eine Pause. Wir entschlossen uns danach, endgültig im Garten zu bleiben, da hörte man noch genug von dem Gerumpel auf der Bühne, zumal nach Love You To Death sowie den unvermeidlichen Christian Woman und Black No. 1 (unterbrochen von einer nochmaligen Pause) endgültig Schluss war.

So richtig musikalisch ernst nehmen kann ich das ganze nicht: Ein ziemlich schwächlicher Pete Steele grunzt ins Mikro, Josh Silver war reichlich abgedreht, die Gitarre wie immer papierdünn - also Furcht erregend ist das für die sich textlich niederschlagenden Düsterthemen nicht gerade. Aber so lange sich niemand dran stört und der Laden brummt (3.500 Menschen waren vor Ort) wird sich daran auch nichts mehr ändern.

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